„Richtig spießig“ - Die Trachten-Trends zur Wiesn | FLZ.de

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Veröffentlicht am 06.09.2026 04:03

„Richtig spießig“ - Die Trachten-Trends zur Wiesn

Bald heißt es in München wieder „O'zapft is“ - und Dirndl und die Lederhosen werden rausgeholt. (Foto: Felix Hörhager/dpa)
Bald heißt es in München wieder „O'zapft is“ - und Dirndl und die Lederhosen werden rausgeholt. (Foto: Felix Hörhager/dpa)
Bald heißt es in München wieder „O'zapft is“ - und Dirndl und die Lederhosen werden rausgeholt. (Foto: Felix Hörhager/dpa)

Die Dirndl werden (noch) länger - und traditioneller. Man trägt Rot-, Grün - oder Brauntöne. Und Finger weg von Turnschuhen. So fassen Trachtenexperten den Trend für dieses Jahr zusammen. 

Die Trachtenmode zeige sich „wieder sehr an traditionellen Vorbilden orientiert. Mehrfach war auch schon das Wort „altmodisch” zu lesen. Dies betrifft Farben und Formen“, sagt Thomas Appl, Bezirksheimatpfleger in der Oberpfalz.

Dirndl gehen übers Knie

„Praktisch alle Dirndl gehen von der Länge her über die Knie, viele sind hochgeschlossen. Vor einem Jahrzehnt hätten wohl viele junge Dirndlträgerinnen dazu „richtig spießig” gesagt.“ Billig-Dirndl wie sie vor einigen Jahren die Pop-Up-Läden rund um den Münchner Hauptbahnhof füllten, sehe man kaum noch.

Bei den Farben dominieren in diesem Jahr aus Sicht von Axel Munz, Geschäftsführer des Trachtenunternehmens Angermaier, Rot- und Grüntöne bei den Damen. Rainer Wenrich, Kunst- und Modeexperte von der Katholischen Universität Eichstätt, sieht „wunderschöne lange Dirndl“ im gedeckten Grün, „Apfel und auch Oliv“, in erdigen Tönen, „etwas elegantes Pastell, Vanille, etwas Beere“.

„Ton-in-Ton“

Der „Ton-in-Ton“-Look sei sehr präsent. „Auch die Bluse (mit dezenten Puff- und Rüschenarmeln) wird darauf abgestimmt - insgesamt ein eleganter Trachten-Look. Das alles in hochwertigen Materialien, auch Leinen, Samt und Kord“ und matt glänzender Seide. 

„Dirndl und Blusen mit Flügelärmeln, teilweise abnehmbar, sind populär“, sagt Angermaier-Geschäftsführer Munz. Spitze liegt seinen Angaben zufolge im Trend, ebenso Samt, der mit Enzian oder Edelweiß bestickt ist. Und auch er sagt: „Neben der Midi-Länge 65 und 70 Zentimeter werden Modelle mit 75 und 80 Zentimetern Länge immer stärker.“

Seidentücher einbinden

Alexander Wandinger von der Trachtenfachberatung bei der Bezirksheimatpflege Oberbayern sieht noch einen etwas innovativeren Modetrend: „Eine schöne und neue Idee ist es wertige Seidentücher in die Schürzenschleife mit einzubinden“, sagt er. „Das funktioniert auch, wenn das Schürzenband mit einer Schließe im Rücken geschlossen wird und das Seidentuch dann als Schleife und Blickfang fungiert.“

Und die Männer?

„Bei den Männern gibt es - auch in München - immer mehr den Mix zwischen besonders schönen historischen originalen Trachten“, sagt Wandinger. No-Gos sind aus Sicht von Angermaier-Chef Munz „Tennissocken zur Lederhose, schlecht sitzende Lederhosen, die ausgebeult aussehen, Kurzarmhemden und Lederhosen aus Plastik“.

Die No-Gos für Männer und Frauen beschreibt Influencerin und Wiesn-Gängerin Cathy Hummels so: „Mein größtes No-Go ist es, sich für die Wiesn zu verkleiden. Tracht ist schließlich kein Kostüm. Man darf modisch und mutig sein, aber für mich sollte der Look immer eine gewisse Wertigkeit behalten.“

Bezirksheimatpfleger Appl macht - mit Blick auf das Gäubodenfest in Straubing - derweil all denjenigen Mut, die keine Lust haben, sich zur Wiesn in die Tracht zu werfen: „Was meiner Einschätzung nach insgesamt auffällt ist, dass die „Uniformierung”, das heißt, dass man vor einigen Jahren den Eindruck hatte, als wäre Tracht bei Volksfesten vorgeschrieben und Voraussetzung für einen Zeltbesuch, endgültig vorbei sind.“

© dpa-infocom, dpa:260906-930-639574/1


Von dpa
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