Raubtierasyl in Ansbach verliert seinen Star: Tiger Ussuri ist tot | FLZ.de

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Veröffentlicht am 06.04.2025 17:58

Raubtierasyl in Ansbach verliert seinen Star: Tiger Ussuri ist tot

Der Stolz des Exoten- und Raubtierasyls: Nach vielen Jahren musste der Tiger Ussuri nun eingeschläfert werden. (Foto: Florian Pöhlmann)
Der Stolz des Exoten- und Raubtierasyls: Nach vielen Jahren musste der Tiger Ussuri nun eingeschläfert werden. (Foto: Florian Pöhlmann)
Der Stolz des Exoten- und Raubtierasyls: Nach vielen Jahren musste der Tiger Ussuri nun eingeschläfert werden. (Foto: Florian Pöhlmann)

Das Raubtier- und Exotenasyl in Wallersdorf ist um eine Attraktion ärmer: Tiger Ussuri musste am Freitag eingeschläfert werden. Ein herber Verlust, nicht nur für die Einrichtung.

Ussuri gehörte in der Auffangstation für Wildtiere aus schlechter Haltung schon längst zum Inventar. Viele Besucher unternahmen an Sonntagen hauptsächlich einen Ausflug in den Ansbacher Stadtteil, um das eindrucksvolle Exemplar zu sehen. Am 13. Juli 2006 war der sibirische Tiger in Wallersdorf geboren worden. Seine Eltern und die große Schwester Kiara waren zuvor in einem Zirkus untergebracht gewesen.

Die letzte Aufnahme von der Tiger-Seniorin zeigt sie in ihrer geliebten Hängematte. (Foto: Florian Beer)
Die letzte Aufnahme von der Tiger-Seniorin zeigt sie in ihrer geliebten Hängematte. (Foto: Florian Beer)

Tigerin Kiara ist mit 19 Jahren in Wallersdorf gestorben

Seitdem das Tier in einem Zirkus beschlagnahmt worden war, lebte es im Raubtier- und Exotenasyl in dem Ansbacher Stadtteil.

Lieber die Extrarunde als das Futter

„Ussuri hinterlässt eine Leere, die nichts und niemand füllen kann“, zeigte sich Manuel Buck, seit 2022 Leiter des Tierasyls, tief getroffen. Jeden Morgen hatte der Tiger die Pfleger „mit einem leisen Schnauben begrüßt.“ Mit einem durchdringenden Blick hatte Ussuri gezeigt, dass er nun gern ins Außengehege möchte, erinnert sich Buck: „Das war ein kleines Ritual, das uns jeden Tag aufs Neue ein Lächeln ins Gesicht gezaubert hat.“

Besonders die Eigenheiten des Tigers machten seinen Charakter aus, sagt Buck. Abends drehte Ussuri immer eine Extrarunde im Außengehege. „Das war ihm wichtiger, als direkt an sein Futter zu kommen.“

Selbst die Kopfbedeckung Bucks spielte für den heimlichen Star des Raubtierasyls eine Rolle. Die Mützen des Pflegers mochte er nie. „Ich musste immer den Hut ziehen, damit mir Ussuri wohlgesonnen war“, denkt Buck in diesen Tagen „an viele lustige Momente“, in denen der Tiger „in Spiellaune voller Lebensfreude, Energie und Kraft“ war.

Ussuri erreichte ein stolzes Alter

Zuletzt fiel ihm Bewegung aber zunehmend schwer. „Ohne Schmerzen konnte er nicht laufen“, berichtet Buck, „stolz und tapfer“ habe er sich nichts anmerken lassen wollen. Nun aber war der Schritt unvermeidlich: Am Freitag wurde Ussuri „in sanfter und friedlicher Ruhe eingeschlafen verabschiedet“. Mit beinahe 95 Jahren in menschlicher Zählung. „Ein stolzes Alter“, sagt Buck.

Ussuris gleichaltriger Bruder Boris ist nun als verbliebener Teil eines „unzertrennlichen Teams“ allein im Gehege. Derzeit darf das Raubtierasyl keine Tiger aufnehmen.


Florian Pöhlmann
Florian Pöhlmann
Nach der journalistischen Grundausbildung beim Fernsehen rief 1999 die große weite Welt des Sports, die ich in Nürnberg in nahezu allen Facetten kennenlernen und in verantwortlicher Position gestalten durfte. Erst der verlockende Ruf aus Ansbach und die Aussicht, im fortgeschrittenen Alter Neues zu wagen, sorgten ab 2021 für einen Neustart in der Lokalredaktion.
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