Professor Dr. Henri Ménudier aus Paris begleitet die Partnerschaften aller Gemeinden aus Mittelfranken mit den Partnerregionen Limousin und Nouvelle Aquitaine seit Jahrzehnten. Er hofft auf eine hohe Beteiligung bei der Europawahl.
Jugendliche sind dem Hochschullehrer besonders wichtig. Deshalb ist er regelmäßig in mittelfränkischen Schulen zu Gast. Zuletzt war er auf einer Vortragreise durch Mittelfranken mit 15 Terminen, unter anderem am Georg-Wilhelm-Stellergymnasium in Bad Windsheim und bei einem europäischen Jugendkongress in Ansbach.
Zur Europawahl hat er eine klare Meinung: „Ich finde es sehr schön, dass jetzt in Deutschland auch 16- und 17-Jährige wählen können.“ Das sollte aber keine Ausnahme bleiben. „Es wäre logisch, die 16- und 17-Jährigen auch bei den Wahlen in den Kommunen und auf Landes- und Bundesebene zulassen.“ Sonst könnte der Eindruck entstehen, Europawahlen seien nicht so wichtig. „Als wenn sie die zweite Kategorie wären, in der sich die 16- und 17-Jährigen mal austoben dürfen.“
Dass in seinem Heimatland weiter nur Bürger ab 18 Jahren wählen dürfen, ist für ihn ein echtes Versäumnis. „Mich hat geärgert, dass es auf der deutsch-französischen Ebene keine Diskussionen darüber gegeben hat. Dann hätte man das zusammen machen können. Es hätte gezeigt, dass Deutschland und Frankreich weiter zusammen für Europa arbeiten.“ Die 16- und 17-Jährigen dürfen neben Deutschland nur noch in Belgien, Österreich, Griechenland und Malta an die Urnen.
Für Professor Henri Ménudier sind diese Europawahlen die wichtigsten seit 1979, der ersten direkten Wahl, weil alle Staaten mit Krisenerscheinungen konfrontiert sind. „Die internationale Lage ist sehr angespannt. Die Europäische Union ist bedroht. Es kommt deshalb darauf an, dass die Bürger diese EU unterstützen. In einer Krise darf man nicht zuhause bleiben und sagen, das sollen mal die anderen regeln.“
Der Politikwissenschaftler hat an der Pariser Sorbonne Universität die deutsch-französischen Beziehungen nicht nur wissenschaftlich begleitet. Sein besonderes Interesse gilt Beziehungen auf lokaler und regionaler Ebene. Mit Sylvie Feja, der Partnerschaftsbeauftragten des Bezirks Mittelfranken, hat er vor drei Jahren ein 400-seitiges Buch geschrieben, in dem alle Partnergemeinden in Mittelfranken mit ihren französischen Freunden vorgestellt werden.
„Wichtig ist, dass sehr viele Kontakte zwischen Bürgern bestehen. Wir haben über 2600 Partnerschaften zwischen Gemeinden und Regionen. Das schafft eine sehr enge menschliche Infrastruktur zwischen Deutschland und Frankreich“, so der 83-Jährige. Das Verhältnis der Staaten werde zu oft nach den höchsten politischen Ebenen beurteilt. Es gebe sicher Verständigungsprobleme zwischen Bundeskanzler Olaf Scholz und Präsident Emmanuel Macron. Dabei dürfe man jedoch nicht übersehen, dass die Zusammenarbeit in anderen Bereichen gut funktioniert. „Das kann man auch in Mittelfranken mit vielen aktiven Partnerschaften sehr gut beobachten.“
Persönliche Begegnungen sind für Henri Ménudier auch in Zukunft der Schlüssel für Europa, nicht zuletzt mit dem Blick auf die jüngere Generation. „Der Jugendaustausch bleibt sehr groß. Das deutsch-französische Jugendwerk hat bisher Kontakte von zehn Millionen junger Deutscher und Franzosen gefördert.”
In den vergangenen Wochen haben sich bei gegenseitigen Besuchen Hunderte von Menschen aus den Partnerregionen gesehen. Unter anderem war für den Bezirk Mittelfranken in den Pfingstferien eine Gruppe von Radsportlern in der Partnerregion Nouvelle-Aquitaine.