Ein 40-Jähriger sollte sterben, auf der Straße vor seinem Haus in Heilsbronn. Der Täter stach mit einem Messer zu. Inzwischen glaubt die Polizei, dass er nicht alleine war. Und nicht in Heilsbronn lebt. Sondern in die abgelegene St.-Gundekar-Straße kam, um an einem Donnerstagmorgen einen Mann hinzurichten.
Kurz vor 8 Uhr, null Grad, der Weiher neben der Straße ist vereist. Hier im Süden der Stadt treffen die alten Landstraßen nach Neuendettelsau und Windsbach sowie Weißenbronn und Veitsaurach aufeinander, hier fahren jeden Morgen Hunderte von Pendlern, Eltern und Lieferanten auf dem Weg ins Heilsbronner Zentrum oder in Richtung A6 vorbei. Jetzt stehen Polizisten auf der Fahrbahn und halten alle Autos an. „Guten Morgen. Fahren Sie öfter hier vorbei?“
An fünf Stellen hat der Einsatzzug Schwabach, der die Ansbacher Kripo unterstützt, Haltepunkte eingerichtet. Zwei oben vor dem Oberen Tor zum Marktplatz, drei an den größeren Straßen in der Nähe des Tatorts. In der St.-Gundekar-Straße lohnt sich kein Haltepunkt. Hier ist kaum Verkehr, denn die Straße ist eine reine Wohnstraße. Einfamilienhäuser, Reihenhäuser, Wohnanlagen. Alle mit dem Rücken zur Bundesstraße 14, nach vorne ist es ruhig, denn auf der anderen Seite der Straße ist nur Wiese.
Genau eine Woche ist es her, dass hier ein Mensch sterben sollte. Die Ansbacher Kripo arbeitet seitdem mit Hochdruck. 26 Köpfe zählt die Soko „Gundekar“, auch einige Beamte der Inspektion Heilsbronn sind dabei. Ihnen war am 6. Februar bei der ersten Meldung aus dem Wohngebiet der Schreck in die Glieder gefahren. Messerangriff auf offener Straße, Täter flüchtig. Läuft ein unberechenbarer Gewalttäter durch die Kleinstadt im Landkreis Ansbach? Die Inspektion sorgte dafür, dass die Höfe und Gärten an den Schulen und Kitas leer und alle Kinder in Gebäuden blieben.
Ungewöhnlich schnell kam Entwarnung: „Keine Hinweise auf einen Amok- oder Terrorakt“, erklärte das mittelfränkischen Polizeipräsidium kurz nach dem Angriff auf den 40-Jährigen, der mit schweren Verletzungen im Oberkörper überlebte. Die sofortige Entwarnung ist nur damit erklärbar, dass das Opfer etwas zu dem Angreifer sagen konnte. Die Polizei sagt dazu bis jetzt nichts, nur so viel: “Es bestand eine Vorbeziehung zwischen Täter und Opfer“. Welcher Art auch immer.
Viele weitere Fragen sind offen, doch am Donnerstagnachmittag gab es überraschende Neuigkeiten von der Soko Gundekar. „Wir gehen davon aus, dass an der Tat zwei Männer beteiligt waren“, erklärte Pressesprecher Michael Petzold auf FLZ-Anfrage. Zeugen haben sich gemeldet, die zwei Männer sahen, auf einen von ihnen passte die Beschreibung der Polizei: 20 bis 40 Jahre alt, 1,60 bis 1,70 Meter groß, weiße Turnschuhe, eine helle Hose und eine dunkle Daunenjacke mit Kapuze. Zudem verwendete die Polizei den Begriff „südländisches Aussehen“, der zusammenfassen soll, was sie näher so beschreibt: dunkler Teint, schwarze Haare, schwarze Augen.
Zu seinem jetzt bekanntgegebenen Begleiter liegt keine Beschreibung vor, auch nicht zu seiner Rolle. Ob der zweite Mann aktiv an der Attacke beteiligt war, als möglicher Fahrer diente oder aus anderen Gründen an der Seite des Haupttäters in der St.-Gundekar-Straße auftauchte, bleibt unklar. Zumindest der Öffentlichkeit, die Soko hat vermutlich auch zu diesem Punkt einen Verdacht.
Sie scheint voranzukommen, wie eine zweite Auskunft des Pressesprechers am Donnerstagnachmittag zeigt. Die Hinweise verdichten sich, sagte Michael Petzold auf Anfrage, dass der oder die Täter nicht in Heilsbronn oder seinem Umland wohnen, sondern, so der Pressesprecher, „eigens für die Tat anreisten“.
Heilsbronn ist gut erreichbar, hat einen Bahnhof, liegt an der Bundesstraße zwischen Ansbach und Nürnberg und nur fünf Kilometer von der A6 entfernt. Wo die St.-Gundekar-Straße in die Neuendettelsauer Straße einmündet, liegt eine Bushaltestelle. Auch hier war ein Haltepunkt.
Rund 200 Verkehrsteilnehmer hat die Polizei zwischen 7.45 Uhr und 9.45 Uhr angesprochen, eine Stunde vor, eine Stunde nach der Tatzeit eine Woche vorher. Dabei haben sich mehrere interessante Hinweise ergeben, lautet die Bilanz von Pressesprecher Michael Petzold. Sie wird die Kripo jetzt auswerten, so wie alle anderen bisher gesammelten Spuren und Verdachtsmomente auch. Wer am Donnerstag, 6. Februar, auffällige Personen oder Autos in oder um Heilsbronn gesehen hat, wird von der Polizei gebeten, beim Kriminaldauerdienst unter der Nummer 0911/21123333 anzurufen.