Spaniens WM-Helden: Titel-Party als „Retter des Fußballs“ | FLZ.de

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Veröffentlicht am 20.07.2026 00:03, aktualisiert am 20.07.2026 18:18

Spaniens WM-Helden: Titel-Party als „Retter des Fußballs“

Kapitän Rodri und die Spanier sind Weltmeister. (Foto: Tom Weller/dpa)
Kapitän Rodri und die Spanier sind Weltmeister. (Foto: Tom Weller/dpa)
Kapitän Rodri und die Spanier sind Weltmeister. (Foto: Tom Weller/dpa)

Rodri trug den Goldpokal vorsichtig wie ein Baby, als der Kapitän und die anderen WM-Helden nach der Ankunft in Madrid das Flugzeug verließen und wieder spanischen Boden betraten. Ein kurzes Gruppenfoto vor dem Flieger - und schon ging es mit dem Bus weiter. 

Der Feier-Marathon ließ den müden, aber überglücklichen Weltmeistern kaum Zeit, den verdienten Finalsieg gegen Argentinien mit all seinen emotionalen Begleiterscheinungen so richtig zu verarbeiten. 

Cucurella: Eine gute Feier verdient

Am frühen Abend empfing König Felipe VI., der den Triumph als Edelfan in East Rutherford nahe New York selbst miterlebt hatte, das Team. Die Spieler hatten für den festlichen Akt ihre Trainingsklamotten gegen Anzüge getauscht. Danach wollte Ministerpräsident Pedro Sánchez die Weltmeister persönlich begrüßen, ehe die Spieler im offenen Bus durch Madrid fahren sollten - bejubelt von Hunderttausenden an den Straßen und auf dem Cibeles-Platz.

„Wir freuen uns wirklich sehr, nach Spanien zu kommen. Viele Leute konnten hier nicht dabei sei und wir wollen mit allen feiern“, hatte Linksverteidiger Marc Cucurella vor dem Abflug gesagt. „Ich denke, wir haben uns eine gute Feier verdient.“

Spanien als Retter des Fußballs gefeiert

Schon unmittelbar nach dem 1:0 (0:0, 0:0) gegen Argentinien um den weitestgehend unsichtbaren Superstar Lionel Messi hatten die Spanier die große Titel-Party gestartet. Lamine Yamal tollte auf dem Rasen mit seinem drei Jahre alten Bruder Keyne herum und posierte dann mit dem spanischen Tennis-Ass Carlos Alcaraz für ein Erinnerungsfoto.

In der Kabine wurde es dank lauter Musik und riesiger Champagnerflaschen feuchtfröhlich, und später ging die Party vor den Toren New Yorks weiter. „Wir haben einfach gefeiert - so, wie es ein Weltmeister macht“, berichtete der Ex-Leipziger Dani Olmo.

Die Freude wurde allerdings durch das Verhalten der Argentinier getrübt, die sich in ihrem Frust als schlechter Verlierer präsentierten: Sie wüteten, wurden teils handgreiflich, drehten den Siegern bei der Pokal-Zeremonie demonstrativ den Rücken zu - und machten so den Triumph der Spanier unfreiwillig noch größer. 

„Spanien hat nicht nur ein Finale gewonnen“, schrieb die spanische Sportzeitung „Marca“: „Es hat den Fußball gerettet.“ Der britische „Telegraph“ schrieb: „Fußball 1, Verbrecher 0.“ Und der frühere DFB-Kapitän Toni Kroos schrieb bei X: „Der Fußball hat gewonnen.“

Empire State Building leuchtet in Rot und Gelb

Sportlich war das Finale ohnehin eine Machtdemonstration gegen den Titelverteidiger, der sich fast nur mit Härte und Nickeligkeiten zu wehren wusste. Rodri und Co. bekamen verdient den Pokal von US-Präsident Donald Trump übergeben. Dass Trump wie schon nach dem Club-WM-Finale im Vorjahr die Bühne für die ersten Siegerfotos nicht verlassen wollte und erst nach einigen Sekunden von FIFA-Präsident Gianni Infantino sanft zur Seite begleitet wurde, blieb diesmal eher eine Randnotiz. 

Die Sieger kümmerte das schon mal gar nicht. Weil die Frauen 2023 Weltmeisterinnen wurden, ist Spanien das erste Land, das beide Titel gleichzeitig hält. Das Empire State Building leuchtete zu Ehren der Iberer in Rot und Gelb.

Trotz Überzahl und großer Überlegenheit musste der nun seit 38 Spielen nicht mehr bezwungene Europameister bis in die Verlängerung warten, ehe Ferran Torres das erlösende Tor schoss (106. Minute) und den zweiten WM-Triumph nach 2010 ermöglichte. „Ich denke, dass wir durch dieses Tor endlich erlöst wurden. Wir alle haben es versucht“, sagte der Profi des FC Barcelona: „Gegen Messi bist du immer nervös, aber wir haben immer an uns geglaubt.“

Es gibt eine zweite Weltmeister-Generation

Torres' goldener Schuss war der 20. Versuch für die Spanier - Argentinien hatte zu diesem Zeitpunkt nicht ein einziges Mal aufs Tor von Unai Simón geschossen. Der Schlussmann von Athletic Bilbao hatte im Verlauf des XXL-Turniers in den USA, Mexiko und Kanada einen Rekord aufgestellt und war 649 Minuten ohne Gegentor geblieben. 

Spanien kassierte in acht Spielen nur einen Gegentreffer, beim 2:1 im Viertelfinale gegen Belgien. „Diese Spielweise, dieses Niveau und diese Konzentration über acht Spiele hinweg aufrechtzuerhalten - das hat uns den Titel gebracht“, sagte Simón. 

In Südafrika 2010 war Spanien mit zwei Gegentoren Weltmeister geworden. Die Mannschaft um Andrés Iniesta, der beim 1:0 im Finale gegen die Niederlande auch in der Verlängerung traf, Sergio Ramos und Iker Casillas ist nun nicht mehr die einzige goldene Generation in der spanischen Fußball-Historie. „Ein Spiel, das die Geschichte eines Landes und einer Generation für immer verändern wird. Spanien muss das Jahr 2010 nun nicht mehr als einmalige Erinnerung betrachten“, schrieb „Mundo Deportivo“.

Auszeichnung als bester Nachwuchsspieler nicht für Yamal

Wie die Legenden damals ließ auch die neue Generation um Rodri, der verdient zum besten Spieler des Turniers gewählt wurde, Yamal oder Cucurella auf den EM-Titel den WM-Sieg folgen. 

„Wir mussten 16 Jahre auf diesen Moment warten. Ich hoffe, dass wir diesmal nur vier Jahre auf den nächsten Stern warten müssen“, sagte Simón. Er wurde als bester Torwart des Turniers geehrt, Verteidiger Pau Cubarsi bekam die Auszeichnung für den besten Nachwuchsspieler - und nicht etwa der ebenfalls 19 Jahre alte Yamal.

Der größte Star in Spaniens Team spielte eine unauffällige WM und erzielte nur ein Tor. Ein Sonderlob von Trainer Luis de la Fuente gab es dennoch, weil sich der Profi des FC Barcelona in den Dienst der Mannschaft stellte. „Ich bin ihm ernsthaft dankbar, er hat sich für das Kollektiv geopfert“, sagte der 65-Jährige, der nun der älteste Weltmeister-Trainer der Geschichte ist.

Trainer-Tattoo für Cucurella

De la Fuente wird einem anderen Spieler nun sogar unter die Haut gehen: Cucurella muss sich nun ein Tattoo mit dem Gesicht des Trainers stechen lassen. „Ich werde darüber nachdenken und es dann hinter mich bringen“, sagte der Neuzugang des FC Barcelona über seine Ankündigung von vor dem Turnier.

© dpa-infocom, dpa:260719-930-409142/7


Von dpa
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