Nicht wenigen Menschen in der Stadt gilt der Pavillon an der Promenade als ein Stück Heimat. Als der historische Kiosk 2022 nach aufwendiger Sanierung wieder seiner Bestimmung übergeben worden war, schien die Welt bei Käsekuchen und Cappuccino in Ordnung. Doch nun muss die Stadt einen neuen Betreiber suchen.
Als sich die Temperaturen Anfang April wieder in Richtung T-Shirt-Wetter bewegten, blieben die Rollläden des Pavillons vor dem Ansbacher Amtsgericht dennoch geschlossen. Wer sich in der Mittagspause einen Snack holen oder in den Nachmittagsstunden die Sonne bei einem Kaffee genießen wollte, stand sinnbildlich vor verschlossenen Türen. Die Sonnenschirme blieben zu, die Außenbestuhlung zusammengeklappt – und das wird nach FLZ-Informationen auch bis auf Weiteres so bleiben.
Grund dafür ist der Rückzug der Familie Kowschew, die den von 1951 bis 1988 als Zeitungskiosk und später als Dönerimbiss geführten Pavillon seit der Wiedereröffnung Anfang Juli 2022 zum Café gemacht hatte. Den Vertrag mit der Stadt über den Betrieb der Rotunde hat die Familie inzwischen fristgerecht gekündigt. Demnach wird exakt zwei Jahre nach dem Start ab dem 1. Juli ein neuer Betreiber für eines der kleinsten Cafés der Welt mit einer Außenbestuhlung von etwa 25 bis 30 Plätzen gesucht. „Es wäre kein Problem, wenn ein neuer Pächter schon früher anfangen will“, lässt Aljona Purtschel-Kowschew Gesprächsbereitschaft durchblicken.
Sie hatte den Betrieb von ihrer Tochter Anastasia zwischenzeitlich übernommen, weil die in Colmberg ein weiteres Café eröffnete und bereits im zurückliegenden Jahr kaum noch Zeit für den fortgesetzten Betrieb des Pavillons fand. Doch auch ihre Mutter Aljona Purtschel-Kowschew, die zudem eine Crêperie in der nahen Neustadt betreibt, kann und will die Doppelbelastung nicht mehr stemmen.
„Wir haben es versucht, aber es geht nicht.“ Es fehlen wie beinahe überall in der Gastronomie Servicekräfte. „Das ist schade für so ein schönes Objekt. Aber es geht nicht anders“, macht sie deutlich: „Es braucht für den Pavillon jemanden, der es richtig von früh bis spät macht und Zeit dafür hat.“
Bei der Stadt sorgt diese Entscheidung natürlich für einigermaßen ausgeprägtes Stirnrunzeln. Sie hatte den Pavillon 2010 erworben und war während der Vorbereitung für seinen Wiederaufbau von der völlig vermorschten Holzkonstruktion böse überrascht worden. Schließlich mussten statt der ursprünglich avisierten 65.000 Euro satte 137.000 Euro aus der ohnehin nicht sonderlich prall gefüllten Stadtkasse in die Sanierung des um 1850 entstandenen Objektes fließen.
Der Bezirk Mittelfranken zeichnete die „besonders gelungene und vorbildlich durchgeführte denkmalpflegerische Leistung“ am achteckigen Bau aus. Eine ideelle Ehrung nebst Urkunde. Vom Bund der Steuerzahler setzte es hingegen eine öffentliche Rüge im Schwarzbuch verschwendeter Steuergelder wegen der hohen Kosten, die trotz einer hohen Förderung nicht verhältnismäßig gewesen seien.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen in vielen Städten Deutschlands Wasserhäuschen und Trinkhallen auf, die mit Kohlensäure versetztes Wasser verkauften.
In Anlehnung an die zeittypische Gartenarchitektur wurden die freistehenden Häuschen oft als kleine Konsum-Tempel gestaltet. Als solcher Mineralwasser-Kiosk war 1850 der Oktogonalbau an der Promenade entstanden.
Mit seinen ornamentierten Rundbögen, die auf schlanken Säulen sitzen, wirkt der Pavillon, als sei er direkt aus einem Park an den Boulevard versetzt worden.
Oberbürgermeister Thomas Deffner verteidigte damals hingegen die Instandsetzung des Pavillons und sah darin einen „städtebaulichen und denkmalpflegerischen Glücksfall“. Deffner, der wie viele Ansbacher Kindheitserinnerungen mit dem Pavillon verbindet, erhob die Renovierung zur „identitätsstiftenden Maßnahme“ und sprach bei der offiziellen Wiedereröffnung unweit des einstigen Standplatzes von einem zentralen Stück Kulturgeschichte im Kleinformat – und in Ansbach gehöre der Pavillon schon immer dazu.
Nun muss die Suche nach einem Nachfolger für den Pachtbetrieb von neuem beginnen. „Ärgerlich“ findet das der OB kurz und knapp. Dabei könnte es sich nun auszahlen, dass die Stadt im Rahmen der Sanierung bereits in eine individuelle Kücheneinrichtung samt professioneller Lüftungsanlage und Fettabscheider investiert hat. Weshalb sich die Gesamtkosten am Ende auf 250.000 Euro beliefen. Aber womöglich geht der Pavillon ja einmal als schönste Bratwurst- oder Dönerbude der Welt in die Geschichte ein.