Die Ermittler sind weiter überzeugt, dass der Tod eines 54-Jährigen kein Unfall war. Sein 18-jähriger Sohn sitzt in Untersuchungshaft. Was zum Tötungsdelikt im Wald in Burgbernheim bekannt ist und was nicht.
Tragische Unglücksfälle gehören zur Jagd dazu. Ein Mensch mit einem Tier verwechselt, einen Schuss aus Versehen abgefeuert. Würde jemand eiskalt einen Mord planen, könnte er es leicht wie einen Unfall aussehen lassen.
Am Mittwoch muss sich an der Frankenhöhe bei Burgbernheim etwas anderes ereignet haben. Gegen 14 Uhr entdeckten Spaziergänger eine Leiche. Die Polizei rückte mit einem größeren Aufgebot an, was am 1. Mai trotz aller Wanderer keinem auffiel. Der Einsatz blieb unentdeckt, die Polizei schwieg fast 24 Stunden. Erst am Donnerstag um 12.24 Uhr informierte sie die Bürger.
Da waren die Taucher der Bayerischen Bereitschaftspolizei schon gestartet. Ihr Auftrag am Donnerstag: Findet ein Gewehr! Vater und Sohn waren mit zwei Waffen losgezogen. Ein Gewehr hatte der 18-Jährige im Auto, das andere fehlte. Es lag in einem der zwei Rückertsweiher.
Sie grenzen fast aneinander, getrennt von einem kleinen Damm. Eine idyllische Stelle, wie es rund um Burgbernheim so viele gibt. Die Stadt im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim liegt an den welligen Hängen der Frankenhöhe hinab ins Aischtal. Eine Familie aus Ludwigsburg in Baden-Württemberg war hier Stammgast, seit vielen Jahren. Der Großvater hatte schon ein Jagdrevier gepachtet, war mit Helfern aus dem Ort gut bekannt. Sein Sohn übernahm das wildreiche Revier, weil es rund um Ludwigsburg viel schwerer und teurer ist, eines zu bekommen.
Am Mittwoch war der 54-Jährige wieder einmal aus Baden-Württemberg an die Frankenhöhe gefahren, rund 150 Kilometer, eineinhalb Stunden. Sein 18-jähriger Sohn war dabei, ein Ausflug am Feiertag. Irgendwann lag der Vater erschossen am Ufer.
Was würde ein Sohn machen, wenn es ein Unfall gewesen wäre? Handy, Notruf. Der 18-Jährige setzte keinen Notruf ab, er wollte keinen Arzt. Er rief seine Mutter an und sagte ihr, dass sie den Papa nicht mehr wiedersehen wird. Was genau zwischen den beiden gesprochen wurde und wann, ist noch unbekannt. Die Mutter informierte die Polizei fast genau zu dem Zeitpunkt, als die Spaziergänger bereits den Fund der Leiche gemeldet hatten.
Ob der Sohn die Mutter erst so deutlich nach der Tat anrief oder diese Zeit nach dem Schock brauchte, ist bisher offen. Gegen 17 Uhr stellte sich der Sohn in Denkendorf der Polizei. Der Ort liegt im Süden von Stuttgart im Landkreis Esslingen, rund zwei Stunden von Burgbernheim entfernt, rund eine Stunde von Ludwigsburg.
Wann geschah die Tat? Wann war der Anruf bei der Mutter? Wie entschied der Sohn, sich bei der Polizei zu melden, obwohl noch keine öffentliche Fahndung lief? Was sagte er dabei? Als er festgenommen wurde, ging es wieder nach Franken, diesmal im Polizeiauto. Was genau hatte er seiner Mutter von dem Geschehen in Burgbernheim erzählt? Was der Polizei?
Viele offene Fragen. Trotzdem muss für die Polizei schon eines schnell deutlich geworden sein: Das war kein Unfall. So spät das mittelfränkische Präsidium die Tat meldete, so klar war die Botschaft. „Wir gehen davon aus, dass es kein Jagdunfall war”, antwortete der Polizeisprecher auf eine Frage der FLZ. Ungewöhnlich deutliche Worte zu einem ungewöhnlich frühen Zeitpunkt. Und ohne Hinweis darauf, dass dies der 18-Jährige ausgesagt hätte.
Die Ermittler der Ansbacher Kripo waren nicht die einzigen, die einen Jagdunfall für sehr unwahrscheinlich hielten. Auch die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth, die für den Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim zuständig ist, legte umgehend einen Antrag auf einen Haftbefehl vor. Begründung: Dringender Verdacht eines Totschlags. Dies sah auch der Ermittlungsrichter und verhängte Untersuchungshaft. Ihm gegenüber machte der 18-Jährige, inzwischen von einem Pflichtverteidiger begleitet, am Donnerstagnachmittag keine Angaben.
Mit dem Haftbefehl ging die Pressearbeit von der Polizei auf die Staatsanwaltschaft über. Für Oberstaatsanwältin Heike Klotzbücher, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth, hat sich am entscheidenden Punkt nichts geändert. „Wir gehen nicht davon aus, dass es ein Jagdunfall war”, unterstrich sie am Freitagmittag gegenüber der FLZ. Sondern Vorsatz.
Der Oberstaatsanwältin liegen am Freitag die ersten Ergebnisse der Obduktion vor, die im Institut für Rechtsmedizin der Universität in Erlangen vorgenommen wurde. Viel davon verrät sie nicht. Nur so viel: Es war ein einziger Schuss.
Aus welcher Entfernung? Von vorne? Von hinten? Wohin? Dazu will die Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft nichts sagen. Zu allen anderen Fragen auch nicht, die Ermittlungen laufen. Der dringend Tatverdächtige ist 18 Jahre alt. Er gilt damit als Heranwachsender, eine Verhandlung gegen ihn würde vor einer Jugendkammer stattfinden, das mildere Jugendstrafrecht wäre möglich.
Es gibt keine Zeugen der Tat, von einem Geständnis des 18-Jährigen ist nichts mitgeteilt. Ermittlungsrichter. Polizei und Staatsanwaltschaft waren dennoch sehr früh der Ansicht, dass im Wald von Burgbernheim kein Unfall geschehen ist. Das könnte ein Hinweis sein, dass der eine, tödliche Schuss des Sohns gegen den Vater von vorne, aus großer Nähe und in voller Absicht gesetzt wurde, um das Leben des 54-Jährigen zu beenden.
Die Rechtsmediziner werden dazu ein deutliches Gutachten liefern, die Techniker die beiden Waffen analysieren, alle Spuren am Tatort auswerten. Dann sollten der Abstand der Waffe vom Opfer, die Flugbahn und die getroffene Körperregion feststehen. Vielleicht bricht der 18-Jährige in der Untersuchungshaft bald sein Schweigen. Die Ansbacher Kripo sucht nun vor allem die Antwort auf eine Frage: Was könnte den 18-Jährigen dazu gebracht haben, seinen Vater zu erschießen?