Es sind Selbstverständlichkeiten für uns: Aus dem Hahn kommt sauberes Wasser. Die Klospülung befördert das Schmutzwasser in Richtung Kläranlage und die reinigt es so, dass Flüsse und Bäche wenig belastet werden. Für die Kommunen gehören Wasser und Abwasser aber zu den teuren Hauptaufgaben. Eine Statistik über die Gebühren im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim liegt nun vor.
Nachdem vor allem das Abwasser in den vergangenen Jahren für enorme Investitionen sorgte, lässt sich fast nur eins mit Bestimmtheit sagen: Die Abwassergebühren steigen. Jüngste Gemeinderatsbeschlüsse, zum Beispiel für Abtsgreuth (Gemeinde Münchsteinach), belegen das. Das ist nicht verwunderlich, denn die Gelder, die ins Wasser oder Abwasser gesteckt werden, müssen von den angeschlossenen Haushalten bezahlt werden. Deshalb heißen sie kostenrechnende Einrichtungen. Da die Gebühren mindestens alle vier Jahre überrechnet werden, haben manche Gemeinden sie schon angepasst, andere werden nachziehen.
Zum Jahreswechsel sind einige neue Satzungen in Kraft getreten, die im Moment im Landratsamt noch in die Liste eingepflegt werden. Die vorliegenden Zahlen stammen vom November. Bei der nächsten Statistik, so viel lässt sich schon sagen, dürfte Oberscheinfeld den zweifelhaften Ruf des Rekordhalters in Sachen Verbrauchsgebühren los sein. Schon jetzt zum Jahreswechsel wurde der Markt nach drastischen Erhöhungen in Oberickelsheim und Markt Nordheim von diesem „Spitzenplatz“ verdrängt.
Die andere Seite der Medaille: Ganz oben stehen Gemeinden, die in Sachen Abwasser die Hausaufgaben bereits erledigt haben. Das gilt zum Beispiel für die Kommunen nicht, welche die interkommunale Kläranlage in Pahres bauen wollen. Erhöhungen traten zum Jahreswechsel aber auch etwa in Uehlfeld, Münchsteinach, Baudenbach und Gerhardshofen in Kraft. Da ist es bemerkenswert, dass nicht alles teurer wird: Die Einwohner und Einwohnerinnen Gutenstettens zahlen in diesem Jahr dank eines gesunkenen Wasserpreises sogar weniger als in der Grafik verzeichnet.
Für die Finanzierung von größeren Investitionen gibt es zwei Möglichkeiten: Die Verbesserungsbeiträge und die Gebühren. Bei großen Investitionen ist es oft ein Mix aus beidem. Schon alleine deshalb sagt die Gebührenhöhe alleine nichts darüber aus, wie die Gemeinde gewirtschaftet hat.
Dazu kommt noch, dass die Statistik des Landratsamtes jeweils nur die Gebühr im Hauptort aufführt. Abtsgreuth zum Beispiel wird also auch bei den aktualisierten Zahlen nicht auftauchen. Gerade bei sehr wenigen angeschlossenen Haushalten wirkt sich eine Investition sehr stark aus.
Genau wie bei den Kläranlagen der Zug der Zeit eindeutig in Richtung größerer zentraler Einrichtungen geht, gibt es auch eine Tendenz in Richtung einheitlicher Abwassergebühren in den Kommunen. Dachsbach, wo die beiden kleinen Ortsteile Arns- und Traishöchstädt lange Spitzensätze für die Abwasserreinigung verzeichneten, beschloss vor geraumer Zeit eine einheitliche Gebühr für das Gemeindegebiet. Die Investitionen erreichen sonst Höhen, die von kleineren Ortsteile nicht mehr zu leisten sind.
Generell ist die vergleichsweise geringe Bevölkerungsdichte im Landkreis ein Kostentreiber. Oberscheinfelds Bürgermeister Peter Sendner ging deshalb sehr offensiv mit den hohen Wasser- und Abwassergebühren um und sprach sie selbst in der Bürgerversammlung und einer Gemeinderatssitzung an.
Schon da war absehbar: „Es ziehen viele nach.“ Interessant ist aber ein weiterer, wesentlicher Faktor, auf den er verweist: „Wir haben eine große Fläche, wenige Einwohner und sind mit acht großen Ortsteilen sehr zersiedelt.“ Dazu liefert er die Zahlen: Stehen in Nürnberg jedem Einwohner rein rechnerisch 356 Quadratmeter zur Verfügung, so ist es im Landkreis schon mehr als das Zehnfache, nämlich 4594 Quadratmeter. Oberscheinfeld mit seinen 1150 Einwohnern auf einer Gemeindefläche von 42 Quadratkilometern liegt sogar bei mehr als dem Hundertfachen des Nürnberger Werts, bei 3,8 Hektar pro Einwohner.
Nürnberg kann also in ein paar Straßenzügen so viele Haushalte anschließen wie Oberscheinfeld mit sehr vielen Leitungskilometern. Man kann es aber auch positiv wenden: „Wir haben viel Natur pro Person.“
Dazu kommen weitere Faktoren: Alle Einrichtungen wurden erst spät gebaut und sind noch nicht abgeschrieben.
Baudenbach, im November noch die Gemeinde mit den günstigsten Gebühren, hat seine Sätze inzwischen im übrigen ebenfalls mit Blick auf die kommenden Investitionen etwas erhöht, liegt aber immer noch weit unter dem Schnitt.
Neben den Gebühren gibt es Beiträge, die man beim Neubau für den Anschluss ans Wasser- und Abwassernetz entrichten muss. Bei diesen Beträgen für ein Musterhaus mit 750 Quadratmetern Grund und 220 Quadratmetern Geschossfläche liegen Häuser in den Zweckverbandsgebieten mit Sitz in Markt Erlbach ganz oben. Trotz des deutlichen Abstands zu allen anderen Gemeinden: Kostendeckend sind die nicht, hieß es in den Zweckverbandsversammlungen in diesem Jahr. Das sei kein Markt Erlbacher Spezialfall, sondern ein „landauf, landab bekanntes Problem.“ Deshalb beschloss man nun, größere Baugebiete nur noch von Vorhabensträgern erschließen zu lassen. Diese können dann die tatsächlichen Kosten auf die Bauplätze umlegen.
