Neun Informationstafeln informieren im Röderturm über die Zerstörung Rothenburgs im Zweiten Weltkrieg und den anschließenden Wiederaufbau der Stadt. Gestaltet wurden sie von Schülerinnen und Schülern der Oskar-von-Miller-Realschule.
Unter der Leitung von Angelika Jobst, Geschichtslehrerin an der Schule, setzten sich die Jugendlichen im Rahmen des Wahlfachs Geschichte intensiv mit der Geschichte des Röderturms auseinander, besuchten diesen und recherchierten über geschichtliche Hintergründe. Dafür stöberten sie unter anderem bei Dr. Florian Huggenberger im Stadtarchiv.
Die Idee für das Projekt hatte der Verein Alt-Rothenburg, dem der Röderturm besonders am Herzen liegt und aus dessen Reihen es ermöglicht wird, dass er während der Sommermonate Besucherinnen und Besuchern offensteht. „Gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern haben wir das Projekt dann umgesetzt”, freute sich Josef Hofbauer, Kassier des Vereins, bei der Einweihung der Tafeln.
Max Baß, Leni Müller, Kathleen Garrell, Mara Özenoglu und Oliwia Wilczynska hatten im Vorjahr das Wahlfach Geschichte belegt und die Tafeln konzipiert und gestaltet. Mittlerweile haben sie ihren Abschluss gemacht, doch das Projekt lief weiter: Neven Trepte, Leo Knausenberger, Sophie Jahrsetz, Anastasia Filin und Lina Wendling kümmerten sich gemeinsam mit Angelika Probst um die Vertonung der Informationstafeln – und das nicht nur auf Deutsch, sondern zusätzlich auch auf Englisch und Französisch. Die Audios sind über QR-Codes zugänglich, die in die Tafeln integriert sind.
Klettert man jetzt von der Stadtmauer aus die steilen Treppen des Turmes nach oben, bieten auf jeder Etage mehrere Tafeln Informationen über den Turm und die Stadt: zur Geschichte, zu dessen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und auch zum Wiederaufbau – farbenfroh und anschaulich dargestellt und erklärt. Vereinsmitglied Camilla Ebert hat bei der Gestaltung unterstützt.
„Sehr gelungen”, findet sie Stadtheimatpfleger Hans-Gustaf Weltzer, und betonte bei der Einweihung: „Es war uns wichtig, die Texte der Schülerinnen und Schüler nicht wesentlich zu ändern oder zu korrigieren”. Die Schülerinnen und Schüler hätten sogar in ihrer Freizeit daran gearbeitet, sagte Probst. Sie hätten recherchiert, Texte verfasst und sich dann auch um die Audioaufnahmen gekümmert. Doch nicht nur die Jugendlichen, auch Probst selbst hat viel Zeit und Liebe in das Projekt gesteckt. Dafür sind ihre Schülerinnen und Schüler dankbar, betonten sie gegenüber der Redaktion. „Sie hat uns immer ausgehalten, inklusive Chips und Döner”, sagten sie mit einem kleinen Grinsen.
Gudrun Knoll-Schäfer, die stellvertretende Vorsitzende des Vereins, dankte der Schule für das große Engagement und die „vielen Stunden an zusätzlicher Arbeit”. Es sei wichtig, betonte sie, ein Bewusstsein dafür zu wecken, was Krieg und Zerstörung bedeuten. Alexander Müller, Leiter der Realschule, stimmte ihr zu: „Nur wenn ich Dinge kenne, kann ich sie einordnen”, daher sei es wichtig, Kinder an die Kulturschätze heranzuführen. Das Röderturmprojekt sei ein weiteres Mosaikstückchen in der Chronologie vielfältiger Projekte der Schule, zu der unter anderem auch die intensive Begleitung der Sanierung des Gebäudes Judengasse 10 zählt.
Auch Oberbürgermeister Christoph Rösch war zur Einweihung der Tafeln gekommen und fand lobende Worte für das Projekt. Die Ergebnisse seien „ein Mehrwert für alle”.
Finanzielle Unterstützung in Höhe von 2000 Euro bekam das Projekt vom Bayerischen Staatsministerium der Finanzen und für Heimat. Mit dem Pilotprogramm „Heimat.Engagiert” sollen in Bayern jährlich bis zu 40 Vorhaben aus dem Bereich der Heimatpflege unterstützt werden. Eines davon: „Ein neuer Anfang für Rothenburg nach Krieg und Zerstörung am Beispiel des Röderturms“.
Der Röderturm ist neben dem Rathausturm der zweite öffentlich zugängliche Turm in Rothenburg und wird laut dem Verein Alt-Rothenburg jährlich von etwa 30.000 in- und ausländischen Gästen besucht, darunter viele Kinder und Jugendliche. Geöffnet ist er, wenn oben am Turm eine Fahne weht. In der Regel sei das von etwa 10 bis 14 Uhr am Wochenende, zusätzlich in den Ferien und an Feiertagen.