Nationalität, Religion, Alter: Das verrät der Zensus über Ansbachs Einwohner | FLZ.de

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Veröffentlicht am 01.09.2024 13:39

Nationalität, Religion, Alter: Das verrät der Zensus über Ansbachs Einwohner

Der Zensus verrät viel über die Bevölkerung in Stadt und Landkreis Ansbach: Zum Beispiel, wie viele Menschen überhaupt noch in der Kirche sind. (Foto: Jim Albright)
Der Zensus verrät viel über die Bevölkerung in Stadt und Landkreis Ansbach: Zum Beispiel, wie viele Menschen überhaupt noch in der Kirche sind. (Foto: Jim Albright)
Der Zensus verrät viel über die Bevölkerung in Stadt und Landkreis Ansbach: Zum Beispiel, wie viele Menschen überhaupt noch in der Kirche sind. (Foto: Jim Albright)

Eines der Ergebnisse des Zensus hat schon für viel Aufsehen gesorgt: Offenbar leben in Westmittelfranken deutlich weniger Menschen als zuvor geglaubt. Aus der jetzt veröffentlichten statistischen Stichprobe im Jahr 2022 ergeben sich aber auch deutliche Unterschiede zwischen der kreisfreien Stadt und dem Landkreis Ansbach.

So sind 15,6 Prozent der Bewohner der Stadt Ansbach keine Deutschen. Der Ausländeranteil im Landkreis Ansbach beträgt hingegen nur 9,7 Prozent.

Auf dem Land gibt es einen höheren Anteil von Kindern und Jugendlichen. 18,6 Prozent der Menschen im Landkreis Ansbach sind 18 Jahre alt oder jünger. In der Stadt sind es 17,4 Prozent. Die Stadt ist dafür anscheinend attraktiver für Senioren ab 67 Jahren. Ihr Anteil liegt im Kreis bei 18,2 Prozent, in der Stadt bei 19,4 Prozent. Bei den jungen Erwachsenen (19 bis 24 Jahre) kehrt sich das Verhältnis dann um (Stadt 7,0 Prozent, Land 6,3 Prozent).

Ausländische Bevölkerung in Ansbach ist jünger

Die ausländische Bevölkerung ist in beiden Bereichen jünger als die deutsche. Im Kreis sind 19,2 Prozent von ihr Kinder und Jugendliche, in der Stadt 21,6 Prozent. Der Anteil der Senioren ist bei den Ausländern viel niedriger: 4,5 Prozent im Landkreis, 5,2 Prozent in der Stadt.

Das zeigt sich auch im Durchschnittsalter: Der typische Ansbacher ist 44,0 Jahre alt. Ein durchschnittlicher Landkreisbürger ist mit 43,6 Jahren geringfügig jünger. Wobei der Effekt ausschließlich auf Frauen zurückgeht. Die Durchschnittsmänner sind in Stadt und Kreis mit 42,4 Jahren genau gleich alt, die Frauen hingegen im Kreis mit 44,8 Jahren jünger als in der Stadt (45,5).

Im Schnitt sind Mitbürger ohne deutschen Pass viel jünger als die Deutschen, nämlich überall etwa 34 bis 35 Jahre alt. Aber woher stammen sie eigentlich? Etwa sechs Prozent der Einwohner haben einen Ausweis aus einem anderen EU-Land. Zwei Prozent auf dem Land und vier Prozent in der Stadt kommen aus dem sonstigen Europa. Aus dem Rest der Welt sind 1,7 Prozent im Landkreis und 5,2 Prozent in der Stadt Ansbach.

Aus Rumänien stammen die meisten

In der Hitliste der Herkunftsländer gibt es deutliche Unterschiede zwischen Stadt und Land. In der Stadt liegt Rumänien (2,6 Prozent) vor Syrien (1,5), Türkei (1,2), Ukraine (1,0), Griechenland (0,8), Polen (0,7), Russland (0,5), Italien (0,5) und dem Kosovo (0,5). Im Landkreis liegt ebenfalls Rumänien (2,2) vorn. Dann folgen aber Ukraine (0,8), Polen (0,8), Griechenland (0,7), Türkei (0,6), Ungarn (0,5), Kroatien (0,4), Italien (0,4) und Syrien (0,4).

Die Zahlen geben jeweils den Anteil an der Gesamtbevölkerung wieder. Die Männer sind bei allen Nationalitäten in der Überzahl, außer bei der Ukraine und Russland sowie bei Polen in der Stadt.

Ausgeprägte Unterschiede bei der Religion

Mit am ausgeprägtesten sind die Unterschiede zwischen Stadt und Land bei der Religion. Der Landkreis Ansbach ist mit 52,6 Prozent mehrheitlich evangelisch. Dazu kommen 21,9 Prozent Katholiken. Andere Glaubensrichtungen wurden nicht einzeln abgefragt, so dass es nur noch die Rubrik „Sonstige“ mit 25,5 Prozent gibt. In der Stadt Ansbach gehören nur 42,4 Prozent der evangelischen Kirche an und 19,8 Prozent der katholischen. Die Sonstigen liegen hier bei 37,8 Prozent.

Auf dem Land sind 47,4 Prozent der Menschen verheiratet, in der Stadt 41,7 Prozent. Die Ledigen machen in der Stadt 41,5 Prozent aus, auf dem Land 39,5 Prozent. Die restlichen Bürger sind etwa zu gleichen Teilen verwitwet oder geschieden.

FLZ-Einblick

Hinter der Story

„Ich traue keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe“. Dieses Zitat wird immer wieder dem früheren britischen Premierminister Winston Churchill zugeschrieben. Allerdings gibt es keine Belege dafür, dass er das je gesagt hat. Vielmehr hielt Churchill sehr viel von Daten und Fakten.

Heute sind sie zum Beispiel als Planungsgrundlage für Städte und Gemeinden wichtiger denn je. Deshalb hat es sich auch für die FLZ gelohnt, sich in die Zahlen des Zensus 2022 hineinzugraben. Nur wer die Fakten kennt, hat eine gute Grundlage für seine Meinung.

Ein bisschen Skepsis ist aber doch erlaubt und sinnvoll. So weist der Zensus in seiner Ausländerstatistik die Herkunft aus der EU, aus Europa und der restlichen Welt aus.

Und dann gibt es noch die Rubrik „Sonstige“. Handelt es sich um Außerirdische? Wohl nicht, vermutlich eher um Staatenlose.

An anderer Stelle steht, es gebe in Stadt und Landkreis Ansbach keinen einzigen Ausländer mit Doktortitel. Daran dürften Zweifel berechtigt sein. Hier kommt die Methode einer Stichprobe an ihre Grenzen.


    Thomas Schaller
    Thomas Schaller
    Redaktion Westmittelfranken/Landkreis Ansbach
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