Nach der Flucht des Ansbacher Ex-Amokläufers über Zürich nach Kolumbien hat Innenminister Joachim Herrmann die Erlanger Bezirksklinik gelobt. Die Polizei sei sehr schnell informiert worden, erklärte der CSU-Politiker gegenüber der Fränkischen Landeszeitung.
Der 34-Jährige war Mitte August nicht von einem genehmigten Freigang zurückgekehrt. „Das Bezirkskrankenhaus hat sich vorbildlich verhalten. Fünf Minuten, nachdem die Frist abgelaufen war, ist sofort die Information der Polizei erfolgt. Das ist genau so, wie es richtig ist”, sagte Herrmann auf einer Veranstaltung zum 20-jährigen Bestehen der Bezirkskliniken Mittelfranken.
Die schnelle Information habe die Arbeit der Polizei sehr erleichtert. „Ich habe großen Respekt vor der Kriminalpolizei, dass sie in kurzer Zeit ermittelt hat, dass er nach Zürich gefahren und von dort nach Kolumbien geflogen ist”, so der Innenminister.
Herrmanns Dank galt auch den Behörden in Kolumbien. „Die kolumbianischen Behörden waren sehr kooperativ. Das ist alles nicht selbstverständlich und sehr gut gelaufen.” Dazu gehöre, wie schnell Zielfahnder den 34-Jährigen nur zwei Wochen nach seiner Flucht im Landesinneren aufspürten und er nach Deutschland ausgeliefert wurde.
Als 18-Jähriger hatte der Ansbacher im September 2009 in seinem Gymnasium Carolinum versucht, möglichst viele Menschen zu töten. Durch die beherzten Reaktionen von Lehrern und Schülern gelang ihm dies nicht. Zehn Personen wurden jedoch zum Teil schwer verletzt. Das Landgericht Ansbach verurteilte den psychisch Kranken zu neun Jahren Jugendstrafe. Zudem wurde er auf unbefristete Zeit in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. Seine Behandlung zunächst in Straubing und anschließend in Erlangen dauert bislang 16 Jahre.
Der bayerische Innenminister, der auch Abgeordneter für Erlangen im Landtag ist, verwies darauf, dass der Attentäter von Ansbach nicht mehr als gefährlich gegenüber anderen Leuten gilt. Dies habe sich bestätigt, weil er bei mehreren Freigängen ohne Probleme zurückkehrte. In seinem Ministerium laufe nun die intensive Prüfung von Konsequenzen aus diesem Fall. Herrmann hat dabei besonders die Möglichkeiten zu Reisen ins Ausland während eines Freigangs im Blick. „Ist es richtig, dass jemand, der eigentlich noch in diesen Maßnahmen der Sicherung und Besserung ist, einen Reisepass hat, um sich international zu bewegen?”, fragte er.
Zwar müssten alle Deutschen einen Personalausweis oder einen Reisepass haben. Trotzdem müsse man überdenken, ob es bei Straftätern mit Freigängen neue Regelungen geben müsste. „Wir überprüfen das zurzeit.” Dazu gehöre, wie Flüge ins Ausland von Menschen, die in eine Klinik eingewiesen sind, verhindert werden können.
„Das Thema ist nicht ganz einfach”, betonte Herrmann gegenüber der Fränkischen Landeszeitung. „Letztlich geht es auch darum, dass man jemandem die Möglichkeit einer Resozialisierung durchaus offen halten will.” Dafür seien stufenweise Lockerungen nach ärztlicher Einschätzung nötig.
Diese hat der 34-Jährige, der nun wieder in Erlangen behandelt wird, vorerst verwirkt. Er hatte seine Flucht wohl mit der Hilfe seiner Freundin geplant. Von Erlangen aus ist der Flughafen in Zürich mit der Bahn in sechs Stunden, mit dem Auto in fünf Stunden erreichbar. Flüge nach Kolumbien starten dort zum Beispiel um 18 Uhr. Der Ansbacher war schon längst auf seinem zwölfstündigen Flug, als seine Rückkehr in die Erlanger Klinik abends fällig gewesen wäre. Einzelheiten zu seiner Flucht haben die Behörden bisher nicht mitgeteilt.