Vor wenigen Tagen gestand ein 33-Jähriger, den Brandanschlag auf die im Aufbau befindliche Flüchtlingsunterkunft in Wassertrüdingen verübt zu haben. Durch das Feuer verzögerte sich der Aufbau der Unterkunft um rund 14 Tage. Am Donnerstag machten sich Verantwortliche und Helfende ein Bild von der aktuellen Lage.
Vergangene Woche erklärte Wassertrüdingens Bürgermeister Stefan Ultsch auf FLZ-Nachfrage, dass die Flüchtlingsunterkunft noch in dieser Woche bezugsfertig sein wird. Bei einem Rundgang mit unter anderem Bürgermeister Ultsch, Verantwortlichen des Landratsamtes Ansbach, den Helferkreisen und der Polizei wurde dann allerdings schnell klar: Noch ist der Komplex mehr Baustelle als Wohnunterkunft.
Am 23. November gegen 21 Uhr war in der Oettinger Straße ein Feuer ausgebrochen. Dabei wurden zwei Container und ein direkt daneben befindliches Großzelt beschädigt. Der Sachschaden beläuft sich auf rund 50.000 Euro, verletzt wurde bei dem Brand niemand. Dass die Unterkunft wieder vollständig aufgebaut werden soll, beschloss der Stadtrat Wassertrüdingen direkt in seiner darauffolgenden Sitzung.
In der vergangenen Woche gestand ein 33-jähriger Familienvater aus dem Raum Wassertrüdingen die Tat. Bürgermeister Ultsch zeigte sich nach den abgeschlossenen Ermittlungen der Kriminalpolizei erleichtert, dass „es nur eine Einzeltat und kein Anschlag einer organisierten Einheit war“. Seitdem liefen die Aufbauarbeiten wieder auf Hochtouren.
Laut Kurt Gerhäußer, dem Sachgebietsleiter der Sozialhilfeverwaltung des Landratsamtes Ansbach, wird der Bau allerdings wohl noch mindestens eine Woche andauern. So müssten beispielsweise noch Tische, Stühle und Betten aufgestellt und die einzelnen Räume bezugsfertig gemacht werden.
Ein weiteres noch ungeklärtes Thema: Die ärztliche Versorgung in der Flüchtlingsunterkunft – und das sorgt im Rathaus aktuell wohl für ordentlich Diskussionsstoff. „Von einer Stadträtin kam der Vorwurf, dass wir uns nicht ausreichend um die Arztsuche kümmern würden. Diese Vorwürfe weise ich zurück“, kontert Bürgermeister Ultsch seine nicht namentlich genannte Rathaus-Kollegin. Laut Ultsch sei bereits ein Arzt gefunden, der zwei Mal pro Woche eine Sprechstunde in der Unterkunft abhalten würde. Einzig die Finanzierung mit der Regierung sei noch nicht geklärt.
Zusätzlich zur Flüchtlingsunterkunft in der Oettinger Straße soll das aktuell noch leerstehende AWO-Seniorenheim in der Dinkelsbühler Straße für eine Kleiderkammer genutzt werden. In knapp einem Jahr soll der Bau des Seniorenheims abgeschlossen sein, solange könne man noch auf die im Rohbau fertigen Räume zurückgreifen.
Die ersten Geflüchteten werden laut Gerhäußer wohl erst im nächsten Jahr in Wassertrüdingen Schutz finden – anders als zunächst geplant. Eigentlich sollte der Betrieb noch im Jahr 2023 aufgenommen werden.