Mutmaßlicher Block-Entführer: „Wir haben Spionage betrieben“ | FLZ.de

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Veröffentlicht am 06.02.2026 11:17, aktualisiert am 06.02.2026 13:33

Mutmaßlicher Block-Entführer: „Wir haben Spionage betrieben“

Christina Block soll die Entführung ihrer eigenen Kinder in Auftrag gegeben haben. (Foto: Marcus Brandt/Pool dpa/dpa)
Christina Block soll die Entführung ihrer eigenen Kinder in Auftrag gegeben haben. (Foto: Marcus Brandt/Pool dpa/dpa)
Christina Block soll die Entführung ihrer eigenen Kinder in Auftrag gegeben haben. (Foto: Marcus Brandt/Pool dpa/dpa)

Im Hamburger Prozess um die Entführung der Block-Kinder hat der mutmaßliche Chef der Kidnapper von der Überwachung des Hauses des Vaters in Süddänemark berichtet. „Wir haben Spionage, was das Haus angeht, betrieben“, sagte der 68 Jahre alte Geschäftsführer einer israelischen Sicherheitsfirma vor dem Landgericht. Dazu seien schon fast ein Jahr vor der gewaltsamen Rückholung der Kinder im Umfeld des Hauses verschiedene technische Geräte installiert worden.

Von der Aktion seien auch die Mutter Christina Block und der Familienanwalt informiert gewesen. „Sie waren sich bewusst, dass wir das taten“, sagte er. Ziel sei in diesem frühen Stadium zunächst das Sammeln von Informationen im Sorgerechtsstreit gewesen.

Zeuge: Wollten ins Netzwerk einbrechen

Neben einer visuellen Überwachung sei es auch um den elektronischen Datenverkehr am Wohnsitz des Vaters Stephan Hensel gegangen. „Wir wollten in das Netzwerk der Familie Hensel einbrechen“, sagte der Mann laut Dolmetscherin, die aus dem Englischen übersetzte. „Wir wollten in der Lage sein, in den ganzen Verkehr reinzuhören.“ Dabei seien auch Teile von Passwörtern entschlüsselt worden, jedoch nicht genug, um die Daten zu entschlüsseln.

Zu keinem Zeitpunkt sei Überwachungstechnik in den Räumen der Familie zum Einsatz gekommen, sagte er. „Nichts wurde jemals im Haus installiert.“

Auch die Kinder seien observiert worden. Dabei habe man keine sozialen Kontakte zu Gleichaltrigen feststellen können. Auf die Frage des Anwalts des Vaters, wie er das beurteilen könne und ob die Kinder denn rund um die Uhr beobachtet worden seien, sagte der Zeuge: „Manchmal ja. Nicht immer 24 Stunden, aber für einen langen Zeitraum.“

68-Jähriger war laut Zeugen früher beim Mossad 

Dem 68-Jährigen wird vorgeworfen, die Entführung der damals 10 und 13 Jahre alten Block-Kinder aus Dänemark in der Silvesternacht 2023/24 organisiert und durchgeführt zu haben. Er ist aber nicht Angeklagter in dem laufenden Prozess. Für seine Aussage gewährte ihm die Justiz sicheres Geleit.

Nach Aussage eines anderen Zeugen soll der Mann Berufssoldat bei den israelischen Spezialkräften und Abteilungsleiter beim Geheimdienst Mossad gewesen sein.

Bei seinen Aussagen wird er stets von maskierten Beamten des Landeskriminalamts zum Gerichtssaal begleitet, die Sicherheitsmaßnahmen werden an diesen Verhandlungstagen deutlich erhöht. Der Anwalt des Zeugen habe ihm aber auf Nachfrage versichert, dass „die Sicherheitsthemen“ nichts mit dem Fall zu tun hätten, sagte der Anwalt Hensels, Philip von der Meden. 

Befragung geht nur langsam voran

Es war bereits das siebte Mal, dass der Zeuge, der in Israel lebt, in dem Verfahren geladen war. Nach den drei Richtern der Kammer und der Staatsanwaltschaft war von der Meden der erste Vertreter der Nebenkläger, der ihm Fragen stellen konnte. Bevor die Verteidiger der sieben Angeklagten Gelegenheit dazu bekommen, sind zunächst noch die Vertreterin der ebenfalls als Nebenkläger zugelassenen Block-Kinder und eine Gutachterin an der Reihe.

Die Befragung geht nur langsam voran. Oft bittet der Zeuge darum, die Fragen zu wiederholen, weil er sie nicht richtig verstanden habe. Auch fällt oft der Satz: „Ich erinnere mich nicht genau an die Einzelheiten.“ Er habe in dieser Zeit mit sechs oder sieben Fällen zu tun gehabt, zwei davon in Israel. „Und es sind eine Menge Daten raus und rein gegangen“, sagte er zur Begründung.

Sieben Angeklagte vor Gericht

Die Hauptangeklagten in dem Prozess sind die Unternehmerin Christina Block (52), Tochter des Gründers der Steakhauskette „Block House“, sowie der Familienanwalt der Unternehmensgruppe und ein weiterer mutmaßlicher Entführer aus Israel. Vier weitere Personen, darunter Christina Blocks Lebensgefährte Gerhard Delling (66), stehen wegen Beihilfe vor Gericht. Bis auf den Israeli bestreiten alle Angeklagten, etwas Unrechtes getan zu haben.

In dem Prozess gibt es nun eine längere Pause, die Fortsetzung ist am 2. März geplant. Wann der mutmaßliche Chef der Entführer seine Aussage fortsetzt, ist noch nicht bekannt.

© dpa-infocom, dpa:260206-930-649343/3


Von dpa
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