Minister: Bergung von Buckelwal möglichst bis zum Abend | FLZ.de

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Veröffentlicht am 28.04.2026 06:21, aktualisiert am 28.04.2026 11:44

Minister: Bergung von Buckelwal möglichst bis zum Abend

Helfer besteigen ein Boot, um zum Wal hinauszufahren.  (Foto: Helena Dolderer/dpa)
Helfer besteigen ein Boot, um zum Wal hinauszufahren. (Foto: Helena Dolderer/dpa)
Helfer besteigen ein Boot, um zum Wal hinauszufahren. (Foto: Helena Dolderer/dpa)

Der Bergungsversuch des gestrandeten Buckelwals in der Ostsee ist angelaufen. Helfer haben am Vormittag im Hafen von Kirchdorf auf Poel Boote bestiegen und sind zum Wal hinausgefahren, der seit vier Wochen in einer flachen Bucht der Insel vor Wismar feststeckt. Sie begannen, dem Tier Gurte anzulegen, um ihn durch eine ausgebaggerte Rinne zu einem bereitliegenden Lastkahn zu führen, wie in Livestreams zu erkennen war. Der Wal ließ die Prozedur zunächst ruhig über sich ergehen.

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus gab sich optimistisch. „Bis Sonnenuntergang sollte es möglichst gelungen sein, den Wal auf der Barge zu haben“, sagte er in Kirchdorf. Auch Karin Walter-Mommert, eine Geldgeberin der privaten Initiative, sagte: „Wir wollen heute fertig werden.“

Grünes Licht für Gurte

Die Behörden gaben Backhaus zufolge grünes Licht, den rund zwölf Tonnen schweren Meeressäuger mit Hilfe von Gurten durch eine rund 100 Meter lange, in den letzten Tagen ausgebaggerte Rinne zu dem mit Wasser gefüllten Lastkahn zu führen. Wenn das gelingt, soll der Buckelwal auf der Barge wie in einem riesigen Aquarium in die Nordsee gebracht werden. Auf Bargen werden sonst unter anderem Schiffe transportiert.

Es sei der „Tag der Entscheidung“, hatte Backhaus zuvor betont. „Wir brauchen heute Ruhe, wir brauchen heute Glück.“ Mit Blick auf einen möglichen Erfolg fügte er hinzu: „Für mich wäre es mit eines meiner schönsten Erlebnisse in meinem Leben.“

Backhaus gab jedoch zu bedenken, das es sich bei dem Wal um ein Wildtier handele, dessen Reaktion etwa auf das Anlegen des Gurtsystems nicht absehbar sei. Die Tierärzte der privaten Initiative sehen den Buckelwal als transportfähig an, wie der Minister erklärte. Der Gesundheitszustand sei der Einschätzung zufolge gut, die Atmung tief und ohne Geräusche. 

Unabhängige Experten raten ab

Wal-Experten kommen hingegen zu einem anderen Schluss und raten von der Aktion ab: Das Deutsche Meeresmuseum teilte mit, das Tier sollte vielmehr größtmögliche Ruhe erhalten und ausschließlich palliativ versorgt werden. „Von weiteren Manipulationen am Wal“ sei abzusehen. „Der Allgemeinzustand des Wales hat sich weiter verschlechtert“ und die Erfolgsaussichten einer Lebendbergung seien sehr gering. Sie „ist zudem mit enormen Verletzungsrisiken für den Wal verbunden“, erklärten die Forscher und verwiesen auf ähnliche Einschätzungen etwa der International Whaling Commission und British Divers Marine Life Rescue. 

Wal seit vier Wochen in der Bucht

Der rund zwölf Meter lange Meeressäuger steckt seit dem 31. März in der Bucht fest. Schon zuvor hatte das Tier sich mehrmals in flachem Wasser nahe der Küste festgesetzt, sich zwischenzeitlich aber wieder freischwimmen können. 

Bereits Anfang März war der Buckelwal nach Angaben der Behörden in Küstennähe aufgetaucht, zunächst im Hafen von Wismar. In der Nacht zum 23. März strandete er auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein. Dem Tier gelang es, das flache Wasser über eine ausgehobene Rinne zu verlassen. Danach nahm es aber nicht Kurs aufs offene Meer und Richtung Norden, sondern schwamm wieder Richtung Wismar.

Schließlich schwamm es in die Kirchsee genannte flache Bucht der Insel Poel. Dort strandete es erneut, schwamm sich zwischenzeitlich frei, lag aber weniger Stunden später am Ausgang der Bucht wieder fest.

Vorheriges Konzept verworfen

Backhaus hatte Mitte April trotz aller Warnungen aus der Wissenschaft entschieden, die Versuche der privaten Initiative zu dulden. Sie wird neben der Unternehmerin Karin Walter-Mommert vom Mediamarkt-Gründer Walter Gunz finanziert. Die Initiative hat den Lastkahn, eine sogenannte Barge, herangeschafft, um den Wal damit in die Nordsee zu bringen. Ein vorheriges Konzept der Gruppe gelang nicht und wurde verworfen.

© dpa-infocom, dpa:260428-930-1580/5


Von dpa
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