Wenn Studentinnen und Studenten der Hunger packt, steuern viele von ihnen die Mensa ihrer Hochschule an. Mancherorts in Deutschland kommt dort so viel Besteck weg, dass die Betreiber Gegenmaßnahmen ergreifen. Wer in Westmittelfranken studiert, benimmt sich aber offenbar anständiger.
Anfang des Jahres war das Gerücht aufgekommen, an der Uni-Mensa in Mainz sei der Verkauf von Pommes gestoppt worden, weil so viele spezielle Porzellanschalen für die frittierten Kartoffelstäbchen weggekommen seien. Das hat zwar nicht gestimmt, aber wahr ist wohl, dass von 1000 dafür angeschafften Schälchen nach einem Jahr nur noch 100 da waren.
Die Mensen der Hochschulen in Ansbach und Triesdorf, wo die Mensa den traditionsreichen Namen „Gastwirtschaft zum Adler” trägt, werden vom Studierendenwerk Erlangen-Nürnberg betrieben. Dessen stellvertretender Geschäftsführer Uwe Scheer erklärte auf Anfrage der FLZ, das Thema stelle „bei uns kein nennenswertes Problem dar”.
Grundsätzlich gebe es in der Groß- und Gemeinschaftsgastronomie – auch außerhalb der Hochschulgastronomie – immer einen gewissen Schwund an Geschirr und Besteck, allein schon dadurch, dass zum Beispiel in Großgeschirrspülern gelegentlich Teller zu Bruch gehen. „Das ist normal”, meint Scheer. Besteckteile würden zum Beispiel durch Fehler beim Absortieren versehentlich entsorgt werden oder etwa in Außenbereichen verloren gehen.
„Ein gewisser Verlust muss also einkalkuliert werden, und gerade, wenn Besteck in geringem Umfang verloren geht, ist das auch kein bedeutender Kostenfaktor.”, erläutert der Mann vom Studierendenwerk.
Es sei nur eine kleine Auswahl an spezifischen Gegenständen, bei denen es gelegentlich vorkommt, dass sie auch mal mitgenommen werden, nämlich Kuchenteller und Kaffeetassen nebst Löffel im Cafeteriabereich. Hier lasse sich in der Regel leicht gegensteuern: „Wir erheben zum Beispiel teilweise Pfand auf Kuchenteller und Tassen. Für Kaffeetassen haben wir an manchen Standorten Rücknahmeautomaten, ansonsten erfolgt die Rückgabe an den Kassen in den Mensen, Cafeterien und Cafebars, wo das Pfand über unser bargeldloses Zahlungssystem ausgezahlt wird.” Kaffeelöffel seien vielfach durch Holzstäbchen als umweltfreundliche Einweg-Alternative ersetzt worden.
Schließlich haben auch Außer-Haus-Mehrweg-Leihsysteme für Tassen und Geschirr dazu beigetragen, das Problem weiter zu minimieren. Neben Systemen wie Recup und Rebowl verfügt das Studierendenwerk zum Teil auch über eigene Mehrweg-Pizzaboxen. Auf den Speiseplan wirkt sich diese Thematik nicht aus, betont Scheer. „In Anbetracht dieser Situation liegt es uns fern, die Gäste unserer Gastronomie – Studierende wie Hochschulbedienstete – pauschal des Diebstahls zu verdächtigen, das wäre völlig unangemessen”, unterstreicht der stellvertretende Geschäftsführer des Studierendenwerks.
Und wie sieht es an der Augustana-Hochschule in Neuendettelsau aus? Die angehenden Theologinnen und Theologen, die auf dem Campus studieren, wohnen auch dort, berichtet Verwaltungsleiterin Elisabeth Helmreich. Deshalb verschwinden Besteck und Geschirr zwar aus der Mensa, aber „meist zeitweise, denn vieles kommt wieder zurück”. Die Studierenden würden Nachtischgläschen, Salatschüsselchen und kleine Dessertlöffel zum „später essen” mit in ihre Zimmer nehmen.
Um den Rücklauf in Schwung zu bringen, gibt es regelmäßig die Ansage an die Studierenden, doch wieder einmal Sachen zurückzubringen. Außerdem sammeln die Mitarbeitenden der Hauswirtschaft in den Stockwerksküchen der Studierenden Geschirr der Mensa ein. Wie in Ansbach und Triesdorf hat die Besteckfrage keinen Einfluss auf den Speisenplan.