Veröffentlicht am 28.03.2023 14:21

Mehr Diebstähle, keine Morde: Polizei zieht Bilanz zu 2022

Per Telefon werden auch im hiesigen Landkreis potenzielle Opfer, oft Senioren, von Betrügern heimgesucht. (Symbolfoto: Jim Albright)
Per Telefon werden auch im hiesigen Landkreis potenzielle Opfer, oft Senioren, von Betrügern heimgesucht. (Symbolfoto: Jim Albright)
Per Telefon werden auch im hiesigen Landkreis potenzielle Opfer, oft Senioren, von Betrügern heimgesucht. (Symbolfoto: Jim Albright)
Per Telefon werden auch im hiesigen Landkreis potenzielle Opfer, oft Senioren, von Betrügern heimgesucht. (Symbolfoto: Jim Albright)

Im Großen und Ganzen lebt es sich im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim sicher. Das ist der Schluss, den Polizei und Landrat Helmut Weiß aus der Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2022 ziehen.

Mit 2605 Straftaten auf 100.000 Einwohner kann der Landkreis den drittniedrigsten Wert der zwölf mittelfränkischen Kreise und kreisfreien Städte aufweisen. Weniger Verbrechen – gemessen an der Bevölkerungszahl – gab es nur in den Nachbarlandkreisen Fürth (2109) und Erlangen-Höchstadt (2340).

Aufklärungsquote von 70 Prozent geknackt

Darauf wies Kriminaldirektor Dieter Hegwein von der für den hiesigen Bereich zuständigen Ansbacher Kripo hin. Als er am Dienstagvormittag im Neustädter Landratsamt die Statistik fürs vergangene Jahr vorstellte, waren neben Landrat Weiß auch die beiden Inspektionsleiter Heiko Dürr (Bad Windsheim) und Carsten Keller (Neustadt) sowie etliche ranghohe Landratsamtsvertreter dabei.

Hegwein freute sich zudem, dass die Aufklärungsquote die 70-Prozent-Marke geknackt hat; exakt waren es 70,9 Prozent der Fälle, zu denen die Polizei einen Tatverdächtigen ermitteln konnte. Damit liegt der Landkreis um über vier Prozentpunkte über dem mittelfränkischen Durchschnitt beziehungsweise um gut drei Prozentpunkte über der bayernweiten Aufklärungsquote von 67,7 Prozent. Neustadt/Aisch-Bad Windsheim sei, so bilanzierte Landrat Weiß, vormals selbst Polizist, „einer der sichersten Landkreise in Bayern“.

Aus Hegweins Zahlenwerk ging zudem hervor: Bei der Kriminalität hat es eine ähnliche Corona-Delle gegeben wie bei den Verkehrsunfällen. In den beiden ersten Pandemie-Jahren 2020 und 2021 gingen die Zahlen der Straftaten merklich zurück. 2022, als Corona und die damit einhergehenden Beschränkungen eine weitaus geringere Rolle spielten, zogen die Zahlen wieder an.

15 Prozent mehr Straftaten als im Vorjahr

Doch erfreulicherweise blieben sie unter dem Niveau der Vor-Corona-Jahre. Die Gesamtzahl von 2673 registrierten Straftaten lag zwar um etwa 15 Prozent über dem Wert von 2021, war aber der drittniedrigste in den vergangenen zehn Jahren, erklärte Hegwein.

Der größte Einzelposten darunter waren mit 610 Fällen die Diebstähle, knapp vor den Rohheitsdelikten (604), zu denen etwa auch 428 Körperverletzungen zählen. Sachbeschädigungen wurden 446 aktenkundig.

Lebensbedrohliche Verbrechen gab es nur wenige. Im vergangenen Jahr hatten es die Kriminaler mit keinem Mord und mit vier versuchten Totschlägen zu tun – die die jeweiligen Opfer allesamt überlebten. Dazu zählte etwa ein Fall aus Neustadt im August, als ein Anwohner mit einer Zwille auf einen Radlader schoss: die Heckscheibe barst, aber der Fahrer kam unverletzt davon.

Beim Blick auf die Tatverdächtigen und Opfer bestätigt sich ein Klischee: das Verbrechen ist meist männlich. Drei von vier mutmaßlichen Tätern sind Männer, resümierte Hegwein. Doch auch die Opfer sind zu über 60 Prozent männlich – allerdings sind bei Sexualstraftaten zu fast 90 Prozent Frauen die Opfer.

Auf ein paar Einzelheiten wies der Kriminaldirektor speziell hin. So verdoppelte sich etwa die Zahl der tatverdächtigen (aber strafunmündigen) Kinder unter 14 Jahren auf 114 – ein Wert, der auch vor Corona bei weitem nicht erreicht wurde. Auf eine Nachfrage von Alexander Wust, am Landratsamt Abteilungsleiter für Bau und Umwelt, ob es einen Zusammenhang mit der Pandemie gebe, musste Hegwein passen: Aus der hohlen Hand habe er dazu keine Antwort. Auch bei den beiden anderen jungen Altersgruppen (den Jugendlichen unter 18 Jahren und den Heranwachsenden bis unter 21 Jahre) war ein Anstieg zu verzeichnen.

Stetiger Anstieg bei Kinderpornografie

Einen stetigen Anstieg verbucht man auch bei Kinderpornografie. Hegwein merkte dazu an, dass gerade junge Handynutzer sich oft gar nicht bewusst sind, dass sie eine Straftat begehen, wenn sie bestimmte Nacktbilder (weiter)verbreiten.

Sorge bereitet der Polizei zudem weiterhin die Betrugsmasche der Schockanrufe. Zwar habe es 2022 „nur“ sechs vollendete Delikte gegeben, aber zahllose Versuche. Hegwein riet allen, die von solchen Anrufen heimgesucht werden, umgehend aufzulegen. Die oftmals von ausländischen Callcentern aus, mit Helfern vor Ort, agierenden Täter bauten einen eminenten psychologischen Druck auf. Bei dem halben Dutzend Fälle im Vorjahr entstand 240.000 Euro Schaden, darunter ein Fall mit über 50.000 Euro.

Konkrete Anhaltspunkte zu der Zahl der unentdeckten Straftaten hat die Polizei für den Landkreis Neustadt-Bad Windsheim nicht. Inspektionsleiter Keller merkte etwa an, dass bei den Schockanrufen sich manche Opfer schämen und deshalb gar keine Anzeige erstatten.


Andreas Reum
Andreas Reum

Redakteur

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