Kapitän Granit Xhaka und Juwel Johan Manzambi führten ihre Mitspieler stolz vor die Kurve, im Fanblock von Vancouver läuteten laut die Schweizer Kuhglocken. Nach einem ungefährdeten Pflichtsieg über Algerien darf die noch immer ungeschlagene Nati weiter vom ganz großen Wurf bei der XXL-WM in den USA, Kanada und Mexiko träumen.
Und in der Heimat fiebern selbst dann Tausende Fans beim Public Viewing mit, wenn die Partie um 5 Uhr Schweizer Zeit angepfiffen wird. „Wir wollten den Kindern ein Lächeln ins Gesicht zaubern, wenn sie aufstehen“, sagte Torschütze Breel Embolo mit Grüßen in die Heimat. Das 2:0 (1:0) war eine Reifeprüfung, die das Team um Manzambi souverän bestand. Der Traum vom ersten WM-Viertelfinale seit 1954 lebt.
Jubilar Xhaka war nach seinem 150. Einsatz im Trikot der Eidgenossen zufrieden. „Es war ein reifer Auftritt. Wir sind sehr glücklich. Ich habe der Mannschaft gesagt, dass sie mir den Tag noch einmal mehr versüßen können. Das haben sie gemacht“, sagte der 33-Jährige in der Interviewzone.
Das Achtelfinale am Dienstag (22.00 Uhr/MESZ) wird erneut in Vancouver ausgetragen. Und der Gegner lautet Kolumbien oder Ghana, also keiner der absoluten WM-Favoriten. Erst in einem möglichen Viertelfinale könnten Weltmeister Argentinien und Lionel Messi warten.
Schlüsselfigur war einmal mehr Manzambi, der mit einem Solo und dem folgenden Assist für Embolo in der Anfangsphase den Sieg einleitete. Die Schweizer Medien feierten das Duo bereits als „Manzambolo“, auch Embolo dankte seinem Zuarbeiter. „Mit Johan zu spielen, ist sehr, sehr einfach. Ihm gehören 95 Prozent dieses Tores“, sagte Embolo über den 20 Jahre alten Profi des SC Freiburg.
Manzambis Marktwert bei dieser WM steigt unaufhaltsam. Insgesamt drei Tore und zwei Vorlagen verbucht er bei dem Turnier. Und das, obwohl er von Cheftrainer Murat Yakin in den ersten beiden Spielen nur als Joker gebracht worden war. Zwar trug sich Manzambi diesmal nicht in die Torschützenliste ein, doch die Einzelleistung vor dem Führungstreffer war erneut der Wegbereiter.
„Er zeigt das jeden Tag im Training. Er will sich jeden Tag verbessern. Wenn man so eine Mentalität hat, kann man ganz große Dinge erreichen“, sagte Xhaka über seinen Mitspieler, der im 4-2-3-1-System inzwischen die Rolle als Zehner einnimmt. Das dürfte für das weitere WM-Turnier auch so bleiben.
Mit jeder Topleistung auf der größten internationalen Fußballbühne sinken die Chancen, dass der Sportclub das Juwel in diesem Sommer halten kann. Angesichts eines Vertrags bis Sommer 2030 steigt dafür die Höhe der Gebote, die in Freiburg eingehen dürften. Manzambi dürfte unmittelbar nach dieser WM ein Kandidat für die Champions League oder die Premier League sein. Während des Turniers will er sich mit den Spekulationen nicht befassen.
Die Feststellung der heimischen Medien, man habe erstmals seit 1938 wieder ein K.-o.-Spiel bei einer WM gewonnen, stimmte zwar. Sie hinkte aber auch, weil es bei dem XXL-Turnier mit 48 Teams erstmals ein Sechzehntelfinale gab. Und ins Achtelfinale hatte es die Nati auch 2006, 2014, 2018 und 2022 geschafft. Dann folgte jeweils das Aus gegen die Ukraine, Argentinien, Schweden und zuletzt Portugal.
Beim problemlosen Erfolg über Algerien mit Toren von Embolo (10. Minute) sowie Dan Ndoye (46.) kam es zudem zu einem Wiedersehen mit dem ehemaligen Trainer Vladimir Petkovic, der bei dieser WM Algerien betreute. Informationen aus seiner siebenjährigen Zeit von 2014 bis 2021 konnte Petkovic aber offensichtlich nicht nutzen. Dafür wirkten die Algerier zu harmlos.
Die Nati hingegen scheint allmählich ihre Elf für die großen Spiele gefunden zu haben. Manzambi besetzt die Zehn, dahinter sichern ihn Kapitän Granit Xhaka und Remo Freuler ab. Und die vakante Rechtsverteidiger-Position übernimmt der vielseitige Denis Zakaria, der gegen Algerien sein bislang bestes Spiel machte.
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