Leiter des Hausenhofs geht: Emotionaler Abschied nach 28 Jahren | FLZ.de

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Veröffentlicht am 26.02.2025 17:23

Leiter des Hausenhofs geht: Emotionaler Abschied nach 28 Jahren

Dr. Konstantin Josek ist während seiner offiziellen Verabschiedung von seinem Team und den Bewohnern der Dorfgemeinschaft reich beschenkt worden. (Foto: Nina Daebel)
Dr. Konstantin Josek ist während seiner offiziellen Verabschiedung von seinem Team und den Bewohnern der Dorfgemeinschaft reich beschenkt worden. (Foto: Nina Daebel)
Dr. Konstantin Josek ist während seiner offiziellen Verabschiedung von seinem Team und den Bewohnern der Dorfgemeinschaft reich beschenkt worden. (Foto: Nina Daebel)

Dr. Konstantin Josek war 28 Jahre lang als Geschäftsführer der Camphill Dorfgemeinschaft Hausenhof tätig. Jetzt hat er sich beruflich neu orientiert. Beim Abschied von seinem Team und den Bewohnern wurde es emotional. Man ließ Josek nur sehr ungern ziehen und würdigte seine Verdienste für die Gemeinschaft.

Manchmal muss man einfach etwas Neues wagen, um dem Leben noch einmal eine neue Richtung zu geben. Denn wenn der persönliche Akku sich nur noch schwer wieder aufladen lässt und Energie nicht mehr ausreichend zur Verfügung steht, muss man mitunter die Reißleine ziehen.

Genau das hat Josek getan. Er sei durch eine „schwierige Phase“ gegangen, die in ihm den Entschluss hatte reifen lassen, sich beruflich noch einmal neu zu erfinden. So wird der 61-Jährige künftig beim Evangelischen Siedlungswerk Nürnberg arbeiten. Dort ist er nun für die klimafreundliche Sanierung der Wohnungen zuständig. Davon gibt es immerhin rund 6000. „Ich gehe mit frischem Elan an diese Aufgabe“, sagte er während seiner Verabschiedung im großen Saal der Dorfgemeinschaft.

Vorstellungsgespräche werden gerade geführt

Ein Nachfolger als Geschäftsführer des Hausenhofes war eigentlich längst gefunden. Die Verträge waren unterschrieben und der erste Arbeitstag stand fest. Doch dann sei Anfang Januar ein niederschmetternder Anruf gekommen, wie Josek berichtete. Plötzlich und unerwartet sei der designierte Geschäftsführer verstorben. Es sei ein herber Schlag gewesen. Kurzfristig sei daraufhin erst einmal ein Geschäftsführer eingesetzt worden, der zeitlich begrenzt tätig sein wird. Geplant ist, die Stelle innerhalb der nächsten sechs Monate dauerhaft neu zu besetzen. Die ersten Vorstellungsgespräche laufen bereits.

Doch die Fußstapfen, in die der Nachfolger treten wird, sind riesengroß. Dafür hat Josek 28 Jahre lang mit seine engagierten und positiven Art gesorgt. Das wurde während der Verabschiedung im Saal der Camphill Dorfgemeinschaft deutlich. Die Dorfversammlung, mit der die Mitarbeiter und Bewohner des Hausenhofes jeden Montag gemeinsam in die Woche starten und bei der Aktuelles besprochen wird, war als Rahmen für die offizielle Verabschiedung von Josek gewählt worden.

„Wir hatten viel Spaß zusammen”

Sebastian Röhm, Werkstattleiter am Hausenhof, erinnerte dabei an Joseks erste Zeit in der Gemeinschaft und an das Kellerbüro, in dem er einst angefangen hatte. Röhm selbst gehört ebenfalls zu denen, die Pionierarbeit am Hausenhof geleistet haben. Er ist seit 25 Jahren dabei. Und so gelang es ihm auch problemlos, viele schöne Erinnerungen aufzuzählen, die der scheidende Geschäftsführer maßgeblich geprägt hatte.

Der ergriff denn sogleich auch selbst das Wort. „Wir hatten viel Spaß zusammen“, sagte er. Josek dankte all jenen, die den Berufsalltag für ihn durch ein Lächeln oder ein freundliches Wort immer wieder aufs Neue zu etwas Besonderem gemacht hatten. „Das gibt es so wohl in keiner anderen Firma.“ Ein großer Dank ging zudem an sein Team, mit dem er stets konstruktiv zusammen gearbeitet habe.

Viele Aktionen voran getrieben

Und dann folgte die lange Liste der Aktionen und Aktivitäten, die Josek am Hausenhof in den vergangenen 28 Jahren initiiert oder voran getrieben hatte. Dazu gehörte unter anderem die Gründung einer Trommel- und Fußballgruppe. An Wochenenddiensten hat er Ausflüge organisiert oder ist mit den Bewohnern ins Schwimmbad nach Neustadt gefahren. Und vor rund 17 Jahren hat Josek eine Energiegruppe gegründet. Sie hat maßgeblich dazu beigetragen, dass der Hausenhof heute energieautark ist. „Ich bin froh über die vielen Aufgaben, die ich tun konnte“, resümierte der 61-Jährige.

Den Tränen nah war er schließlich, als er sich ganz persönlich mit dem Lied „My Way“ von Frank Sinatra verabschiedete. Damit auch jeder im Saal den Text verstehen konnte, übersetzte Josek ihn zunächst ins Deutsche. „Ich habe geliebt, gelacht, geweint, habe einstecken müssen, habe alles zu Ende gebracht. Ich habe es auf meine Art getan.“ Anschließend setzte sich Josek an den Flügel und ließ dem Text die Töne folgen.

Der Werkstattleiter Röhm erinnerte daran, dass der scheidende Geschäftsführer 22 Jahre lang auch auf dem Hausenhof gewohnt hatte. Er habe Strukturen aufgebaut und die Grundlagen für vieles gelegt, „was heute selbstverständlich für uns ist“. So habe Josek auch dafür gesorgt, dass die Gemeinschaft heute über Internet verfügt. „Die ersten Kabel hat er noch eigenhändig verlegt.“

Das Thema Energie war ihm wichtig

Das Thema Energie sei ihm stets eine Herzensangelegenheit gewesen. So sei es seiner Initiative zu verdanken, dass der Hausenhof über E-Autos und E-Tankstellen verfüge, dass mit Hackschnitzeln geheizt werde, es Photovoltaik-Anlagen gebe und eine Stromzentrale. Zudem habe er zahlreiche Bauprojekte verantwortet und dabei stets darauf geachtet, dass es der Gemeinschaft finanziell gut geht. Das sei mitunter sehr fordernd gewesen. Genauso wie die Vernetzung des Hausenhofes mit externen Akteuren. Doch beides sei wichtig und weitsichtig gewesen, so Röhm.

Er betonte zudem, dass Josek zwar viel Zeit mit Zahlen und Tabellen verbracht, dass er sich aber trotzdem nicht in seinem Büro eingeschlossen habe. „Er hat die Menschen drumrum nie vergessen.“ Wo immer Hilfe benötigt worden sei, habe er mit angepackt. Ihm sei keine Arbeit zu schwer gewesen und egal, was er getan habe, er habe stets vollen Einsatz gezeigt. Dazu habe auch gehört, dass er mal zur Schaufel gegriffen, die Asche aus den Öfen gekehrt oder pflegerische Tätigkeiten übernommen habe. „Du warst weit mehr als ein normaler Geschäftsführer. Du warst Springer, Helfer in der Not, Erfinder, Künstler. Du hast auf dem Hausenhof sehr viel bewegt.“

Es gab viele Geschenke

Deswegen hätte Röhm ihm eigentlich gerne das Bundesverdienstkreuz verliehen. Weil er darauf aber keinen Zugriff habe, sei es nun eben das „erste bunte Verdienstkreuz“ geworden, gefilzt in einer der Hausenhof-Werkstätten. Josek freute sich sehr über diese Auszeichnung und empfahl, daraus eine Tradition zu machen. Weitere Geschenke folgten: ein ebenfalls in den Werkstätten hergestellter Nistkasten mit dem Schriftzug „Villa Josek“, eine in der Hausenhof-Bäckerei hergestellte Brot-Sonne sowie ein Baukasten für einen Solarroboter. Auch ein Köfferchen mit Geldschokolade und eine Mausefalle gab es zum Abschied. Mit letzterer wurde an die Zeit erinnert, in der Josek die Mäuse in seinem Büro mittels Lebendfalle gefangen und im Wald ausgesetzt hatte.

Walter Seel, Vorstandsmitglied des Hausenhof-Trägervereins und langjähriger Wegbegleiter des scheidenden Geschäftsführers, dankte auf seine Art für die geleistete Arbeit: mit einem Sketch und einem Lied. Und auch der Hausenhof-Chor würdigte Josek mit einem Lied. Der versprach, den Kontakt auf jeden Fall halten zu wollen und spätestens zum Sommerfest vorbei zu schauen. Außerdem stehe schon ein Termin mit ihm für einen musikalischen Auftritt im Saal des Hausenhofes fest.

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