Landrat Dr. Christian von Dobschütz gilt als guter Vermittler – er sieht alle 38 Landkreiskommunen und das Landratsamt als Partner auf Augenhöhe und schätzt interkommunale Zusammenarbeit. Die soll nun auf ein neues Level gehoben werden: mit gemeinsamen Gewerbegebieten. So wollen Landrat und Wirtschaftsförderung auch die Großen anlocken.
Viele namhafte Unternehmen sind im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim ansässig, ob in der Musik-Branche, für Lastwagenspiegel oder selbstverständlich auch Sportartikel. Trotzdem rangiert man in Sachen Wirtschaftskraft eher in der Abstiegszone. Dabei hat der Landkreis schon bald zwei große Pfunde, mit denen er wuchern kann: das Wasserstoff-Kernnetz soll hindurchlaufen und die Anbindung mit Autobahnen (A7 Langensteinach und A3 bei Burghaslach) und Bundesstraßen kann sich durchaus sehen lassen, findet von Dobschütz. Genau das hat im Landratsamt gewisse Gedankenspiele ins Laufen gebracht.
Wo sind passende Flächen? Diese Frage sei dabei im Fokus gestanden – und entsprechende Areale, die in Frage kommen könnten, seien dingfest gemacht worden. Die gehören aber dem Landkreis nicht, in welcher Rollen sehen sich also der Landrat und die Wirtschaftsförderung? Von Dobschütz sieht die Stärken des Landratsamts vor allem in der Standortakquise und „dass wir als Vermarkter draußen rumlaufen” – frei nach dem Motto: „Guckt mal hier, Frankens Mehrregion ist auch Wirtschaftsregion”. Er sei häufig auf Tagungen und Netzwerktreffen, auf denen sich die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister eben nicht finden, habe entsprechende Kontakte.
Natürlich, gesteht der Landrat, werde das nicht einfach, nicht jedes Gemeindeoberhaupt wird darüber glücklich sein, Stichwort kommunale Selbstverwaltung. Aber: „Die Not ist groß.” Auch die Kommunen brauchen Geld und er kann sich schon allein deshalb nicht vorstellen, dass Bürgermeisterinnen und Bürgermeister grundsätzlich absagen, wenn ihnen gute Gewerbesteuereinnahmen winken könnten.
Claus Seifert, der Scheinfelder Altbürgermeister, der am Montag seinen ersten Arbeitstag in der Wirtschaftsförderung hatte, sagt klar: „Wir sollten die Anfragen der letzten Jahre auswerten.” Denn diese seien durchaus da und so mancher sei auch heutzutage noch interessiert. „Dann müssen wir uns fragen: Wollen wir das? Und wenn ja: Wo soll das hin?”
Bislang habe gerade bei Ansiedlungen größerer Firmen das Prinzip Zufall gezählt. Seifert und seine Kollegin Julia Tschadarow wollen dafür aber „eine konkrete Struktur, eine Strategie” machen und solche Global Player „anlocken”. Und, ergänzt von Dobschütz: „Wir sind Entwicklungspartner. Wir sehen einfach, dass es Innoparks braucht.” So könnten nicht zuletzt auch „schwierige Flächen einer Nutzung” zugeführt werden. Der Landkreis sieht sich als „Türöffner”. Denn, so sagt der Landrat in Richtung der Kommunen: „Wenn es euch gut geht, geht es uns auch gut.”
Auch bei stockenden Projekten möchte von Dobschütz vermitteln, „anschieben” und „Impulsgeber” sein. „Ansonsten bleibt Gemeinde Gemeinde und Landkreis Landkreis.” Seifert: „Dann bekommen wir diese Global Player nicht und bleiben Fünftletzter bei der Wirtschaftskraft in Bayern.” Klar, sagt der Landrat: „Die Euros werden sicherlich ein Thema sein”, die Finanzierung. Landkreis und Kommunen könnten sich aber Kosten und Einnahmen aufteilen.
Energieintensive Branchen könnten dann beispielsweise in interkommunale Gewerbegebiete entlang des Wasserstoff-Kernnetzes ziehen oder eine Direktleitung zum Windrad in direkter Nachbarschaft bekommen, Logistiker sich eher in Autobahnnähe ansiedeln. Manche Kommunen im Landkreis hatten entsprechende Vorhaben schon in Planung, kein Geheimnis mehr sind beispielsweise die Gespräche zwischen Neustadt und Diespeck. Von Dobschütz: „Die einen haben vielleicht das Geld, die anderen die Fläche.” So könnten beide profitieren, ein Musterbeispiel hierfür ist etwa das GollIpp, ein Gewerbegebiet für Gollhofen, Ippesheim und weitere Kommunen.
Landrat und Wirtschaftsförderung könnten sich vorstellen, einige solcher interkommunalen Gewerbegebiete bis zur Planreife zu treiben, „dann liegen schon einmal alle Genehmigungen vor”. Bei entsprechenden Anfragen und auch aktiv könnte man jene Flächen dann passenden Unternehmen anbieten „und die Gebiete erst erschließen, wenn wir den Plan haben”. Claus Seifert nennt das „Masterplan”. Es gehe um die Größeren in der Metropolregion, um die Externen.
Auch der Landrat findet: „Der Landkreis ist in der Metropolregion zu wenig präsent.” Ein bisschen Karpfen, ein wenig Bier. „Das Thema Wirtschaft gehört dazu.” Für den Landkreis müsse die Metropolregion Nürnberg zum „internationalen Anker” werden. „Wir müssen einen Teil davon abbekommen und auch Büroflächen mitdenken.”
Über konkrete Vorhaben aber hat von Dobschütz in der Presserunde noch nicht gesprochen. Erste Ideen seien im Landratsamt entwickelt worden, nun wolle er Gespräche suchen. Damit Frankens Mehrregion wirklich zur Wirtschaftsregion werden kann.