„Lake America“: Warum Trump einen Grenzsee umbenennt | FLZ.de

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Veröffentlicht am 28.08.2026 05:24

„Lake America“: Warum Trump einen Grenzsee umbenennt

Trump hat einen Grenzsee umbenannt.  (Foto: Manuel Balce Ceneta/AP/dpa)
Trump hat einen Grenzsee umbenannt. (Foto: Manuel Balce Ceneta/AP/dpa)
Trump hat einen Grenzsee umbenannt. (Foto: Manuel Balce Ceneta/AP/dpa)

Donald Trump nimmt sich schon wieder die Landkarte vor und ersetzt einen Namen. Mit einem dicken Filzstift unterschreibt der US-Präsident im Oval Office eine Verfügung: Ab jetzt soll nach seinem Willen der US-kanadische Grenzsee Lake Ontario „Lake America“ heißen. 

Lake Ontario ist einer der sogenannten fünf Großen Seen. Durch vier von ihnen verläuft die Grenze zwischen den USA und Kanada. Trump nutzt die Umbenennung in seiner zweiten Amtszeit häufiger als Mittel der Machtdemonstration. 

Er ärgert sich im konkreten Fall über Kanada, weil das Land im Zollstreit mit den Vereinigten Staaten nicht einlenkt. Jetzt stellt sich die Frage, ob der See nun mehrere Namen hat, weil die Kanadier sich wohl kaum an Trumps Order halten werden. 

Die Reaktion des kanadischen Premierministers Mark Carney kam noch am selben Tag: Die Realität sei, dass der See Lake Ontario heiße - „früher, jetzt und für immer“, schrieb er auf der Plattform X. „Der Name ist über 400 Jahre alt und älter als sowohl die Konföderation Kanadas als auch die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika.“

Trump sinniert: Erst ein Golf, dann ein See - und irgendwann ein Ozean?

Wie Trophäen zählt Trump zuvor vor laufenden Kameras auf, was er schon umbenannt hat. Den Golf von Mexiko in „Golf von Amerika“, jetzt folgt der See - und Trump sinniert laut weiter: „Wir haben einen Golf und einen See. Jetzt fehlt uns nur noch ein Ozean. Vielleicht werden wir also den Namen des Atlantiks und/oder des Pazifiks ändern müssen.“

Neben seinem Schreibtisch im Oval Office ist eine große Karte aufgestellt, die die Grenzseenlandschaft abbildet. Überschrift: „Die Großen Seen noch großartiger machen“ („Making the Great Lakes Even Greater“). 

Das ist eine Anlehnung an Trumps Leitspruch und den seiner unterstützenden Bewegung: „Make America Great Again“ (MAGA) - also: Macht Amerika wieder groß. Trump, der im eigenen Land wegen des sich in die Länge ziehenden Iran-Kriegs stark unter Druck geraten ist, bedient nun mit der Umbenennung erneut das Bild von Amerikas Größe.

Das Weiße Haus hatte auf seinem offiziellen X-Account am Vortag ein Tierfoto gepostet, in das man viel hineininterpretieren konnte: Ein Adler - steht auch für Amerika - bekämpft eine Gans - ein inoffizielles Symbol für Kanada.

Warum sich Trump über Kanada ärgert

Vor Tagen hatte Trump die Umbenennung des Sees ins Spiel gebracht und dies mit einem wirtschaftlichen Aspekt verknüpft: „Die Vereinigten Staaten erwägen ernsthaft, den Lake Ontario in „Lake America” umzubenennen, da wir nicht mehr damit rechnen, nennenswerte Geschäfte mit Ontario zu tätigen“, hatte er auf der Plattform Truth Social geschrieben. Ontario ist Kanadas bevölkerungsreichste Provinz und wirtschaftlich eng mit den USA verflochten.

Seit dem Scheitern der Handelsgespräche zwischen Washington und Ottawa Ende vergangener Woche hat sich der Streit zwischen den Nachbarländern deutlich verschärft.

Reuben Rose-Redwood, Professor für Geografie an der University of Victoria, nannte Trumps Vorgehen „reine Provokation“, die darauf abziele, „die Wut der Kanadier zu schüren und gleichzeitig die Amerikaner davon abzulenken, dass Trump bei den Handelsverhandlungen mit Kanada den Bogen überspannt hat“, sagte er dem „Newsweek“-Magazin.

Namensgebung: Trumps eigener Name spielt auch eine Rolle

Umbenennungen spielen für Trump in unterschiedlichen Kontexten eine große Rolle. Er taufte vor längerer Zeit das Verteidigungsministerium in „Kriegsministerium“ um - auch um Kriegerethos zu beschwören. Nordamerikas höchsten Berg in Alaska benannte er wieder in Mount McKinley um, nachdem sein Vorvorgänger Barack Obama den Berg in Denali umbenannt hatte - der Sprache der indigenen Bevölkerung entlehnt.

Trumps eigener Name spielt auch immer wieder eine Rolle. Der US-Präsident will erreichen, dass der Name Trump an der Fassade der berühmten Kultureinrichtung Kennedy Center in Washington steht. Ein Richter hatte jedoch verfügt, dass der Name nicht einfach ohne den US-Kongress umbenannt werden dürfe. Die Buchstaben Trumps mussten wieder verschwinden.

Doch der Präsident lässt nicht locker. Immer wieder kokettiert er mit weiteren Namen. Jüngst nannte er die Straße von Hormus halb im Scherz „Straße von Trump“. Später sprach er sogar davon, dass das Gebiet US-Territorium werden sollte.

Der Konter aus Mexiko

Geräuschlos verlaufen solche Umbenennungen nicht. Beim „Golf von Amerika“ formierte sich Kritik. Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum konterte ironisch mit dem Vorschlag, den Süden der USA wieder „America Mexicana“ zu nennen - so wie es auf Weltkarten des 17. Jahrhunderts verzeichnet war. „Warum nennen wir es nicht mexikanisches Amerika? Klingt gut, nicht wahr?“, sagte sie vor einer alten Landkarte. Sheinbaum kündigte sogar eine Klage gegen Google wegen der Umbenennung des gesamten Golfs von Mexiko an. Diese wurde jedoch von einem mexikanischen Bundesrichter abgewiesen.

© dpa-infocom, dpa:260828-930-593932/1


Von dpa
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