Kurz vor dem Abgrund greifen Trainer gerne in die mentale Trickkiste. Ob das letztlich ausschlaggebend dafür war, dass der TTV Onlineprintes Neustadt das 2. Spiel der Playdown-Serie gegen die Haching Baskets gewann, sei dahingestellt. In einer umkämpften Partie fuhren die Neustädter einen 75:62-Heimsieg ein und leben weiter.
Überraschenderweise tauchte Holger Wägner mit der Rückennummer 1 auf dem Spielberichtsbogen auf. Die eine Hälfte des TTV-Trainerduos stand trotzdem nur in Straßenklamotten am Spielfeldrand neben Kollege Claus Winkelspecht. „Ich wollte den Jungs klarmachen, dass ich mir nicht zu schade bin, mit einer künstlichen Hüfte da reinzugehen”, erzählte Wägner hinterher.
Zunächst fruchtete die Maßnahme jedenfalls nicht. Neustadt startete nach der 74:86-Niederlage in Haching schwach ins 2. Spiel der Best-of-three-Serie. Die eigenen Würfe waren viel zu überhastet, in der Defensive passte kein Abstand. 4:11 stand es nach nicht ganz fünf Minuten.
Die TTV-Coaches nahmen ein paar Anpassungen vor und ihre Spieler fanden langsam ihren Kampfgeist. Am Ende des ersten Viertels stand es dann tatsächlich 14:14.
Dass die Hachinger nicht davonzogen, lag einmal daran, dass sie mit der Neustädter Zonenverteidigung überhaupt nicht zurechtkamen. Da Spielgestalter Daniel Gebray ausfiel, bekamen sie keinerlei Ordnung in ihre Offensive und standen am Ende bei 18 Turnovern (Neustadt bei 6).
Der starke Scorer Daniel Riedrich versuchte deshalb viele Alleingänge, er hatte aber in der gesamten Partie wenig Wurfglück und wirkte zunehmend frustriert. So blieb es letztlich an Center Johannes Joos hängen, die Offensive am Laufen zu halten. Er kam auch auf 26 Punkte, vom Rest des Teams kam aber viel zu wenig.
Die Onlineprinters verzichteten allerdings auch auf spielerischen Glanz, Abschlüsse konnten auch sie nur selten gut vorbereiten. Bemerkenswert: In der ersten Hälfte kamen beide Teams zusammen auf nur einen erfolgreichen Dreipunktwurf.
Nach der Pause entwickelte sich ein echter Fight. Die lockere Linie der Schiedsrichter aus der ersten Halbzeit passte dazu immer weniger. Irgendwann konnten sie es mit ihren Foulpfiffen beiden Teams nicht mehr recht machen. Neustadts Aaron Winkelspecht leistet sich sogar zwei technische Fouls, womit sein Abend in der 32. Minute beendet war.
Da lag Neustadt 52:47 vorn. Die Gäste wirkten zunehmend kopflos. „Die Unruhe tat uns vielleicht gut, den Hachingern nicht so”, meinte Claus Winkelspecht. Bezeichnend: In der 34. Minute landete ein hoher Pass von Riedrich an der Hallendecke. Den Gästen gelangen im Schlussviertel wieder nur 14 Punkte. Neustadts Sieg war nicht mehr gefährdet.
Claus Winkelspecht fasste zusammen: „Wir dürfen noch einmal nach Unterhaching fahren. Das haben wir uns verdient. Es war kein schönes Spiel für die Zuschauer, aber du musst nicht schön spielen.” Das entscheidende Spiel 3 findet am Sonntag, 12. April, in Unterhaching statt. Wer das gewinnt, sollte den Klassenerhalt sicher haben.
TTV Neustadt: Fernandez (9 Punkte, 23:28 Minuten Einsatzzeit), Herrmann (3, 24:19), A. Winkelspecht (19, 21:40), Noblet-Durruthy (4, 24:42), Ecke (4, 11:05), Krolovitsch (2, 5:23), Lediger (1, 7:41), D. Wägner (14, 27:40), Bittel (6, 24:13), Jenniat (13, 29:49).
Beste Werfer Haching: Joos (26), Riedrich (18), Wohofsky (8).
Viertelstände: 14:14, 22:15, 14:18, 23:14.