Will Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir die Nutztierhaltung in Deutschland abschaffen? Diese Frage stellen sich angesichts stets steigender und immer kurzfristiger geänderter Auflagen Tierhalter im Landkreis Ansbach.
Zusammen mit der Schweinehalterin Nadine Krieg aus Adelshofen-Haardt und dem Putenmäster Simon Herrmann aus Volkertsweiler richtete Reinhold Meyer, der der Ansbacher Kreisobmann im Bayerischen Bauernverband ist, auf dem Hof von Andreas und Ilona Zeh in Heilbronn bei Feuchtwangen einen dringenden Appell an die verantwortlichen Agrarpolitiker. Sie sollen den Landwirten mehr Planungssicherheit geben.
Es fehle nicht an der Bereitschaft der Landwirte, das von der Gesellschaft gewünschte Tierwohl zu steigern. Aber verschiedene Anforderungen seien schlicht unmöglich zu erfüllen, sagten Ilona und Andreas Zeh bei einem Pressegespräch, das die Ansbacher Kreisgruppe im Bayerischen Bauernverband auf dem Hof der Familie Zeh organisiert hatte.
Die verpönte Anbindehaltung sei auf ihrem Hof seit 2010 vorbei, als ein neuer Laufstall gebaut wurde. Um künftig jeder Kuh mehr Platz einzuräumen und Bewegung in einem Laufhof zu ermöglichen, wurde vor drei Jahren ein Stallumbau und eine Aufstockung um 40 Tiere geplant.
Doch infolge von Corona haben sich die Baupreise von einer halben auf eine ganze Million Euro verdoppelt. Um auch von dieser Summe den Zuschuss von 25 Prozent zu bekommen, müsste die gesamte Antragsprozedur von Neuem gestartet werden.
Ilona Zeh findet, dass angesichts solcher Summen eine Gewähr gegeben sein müsste, dass ein neues Stallsystem dann auch 20 Jahre genutzt werden darf. Zudem bestehe die Unsicherheit, ob die Milchpreise nicht unter 50 Cent sinken. Schwerer haben es andere Milchviehhalter, bei denen niemand wie vor Jahren der Opa der Familie Zeh den Mut hatte, den Hof aus der beengten Dorflage auszusiedeln. Mit der Konsequenz, dass deshalb nicht genügend Platz für Umbauten ist.
Dass sich die Zahl der Schweinehalter in den vergangen zwölf Jahren halbiert hat, ist hinlänglich bekannt. Doch nach den neuesten Vorgaben aus Berlin könnte sich die Tendenz zu Betriebsaufgaben noch weiter beschleunigen. Wie Nadine Krieg aus Adelshofen berichtete, hat der Ukrainekrieg die Futterpreise derart ansteigen lassen, dass Ferkelabnehmer die Schweinemast aufgaben und ihr Getreide verkauften. Nadine Krieg und ihr Vater haben deshalb einen leeren Stall gepachtet und mästen nun die erzeugten Ferkel selbst.
Doch Nadine Krieg plagen Angst und Zweifel. Sie weiß nicht, wie es weitergeht, wenn den Tieren fast doppelt so viel Platz wie bisher eingeräumt werden soll und ihr noch mehr Steine in den Weg gelegt werden.
Putenmäster Simon Herrmann steht zwar nicht vor der Herausforderung, umbauen zu müssen. Doch nach den Vorgaben aus Berlin müssten die Tierzahlen um ein Drittel reduziert werden. Herrmann hat nichts dagegen, den Tieren mehr Platz zu gewähren, doch müsse dies auch im Einklang mit der Nachfrage nach deutschem Fleisch erfolgen. Der Junglandwirt sorgt sich, dass Deutschland dem Beispiel Österreichs folgen könnte, wo nach einer Reduktion der Besatzdichte der Selbstversorgungsgrad auf 30 Prozent gesunken ist.
Für ihn stellt sich dann auch die Frage nach den Transportzeiten zu den Schlachtstätten. Nachdem eine solche in Rot am See geschlossen worden sei, erfolge die Schlachtung jetzt nahe Mühldorf.
Wie Meyer feststellte, seien die Enttäuschung und der Frust über die Agrarpolitik nicht nur bei Tierhaltern groß. Die Auflagen in Roten Gebieten und entlang von Gewässern sowie das Düngeverbot für Wintergerste und Zwischenfrüchte stießen auf großes Unverständnis.
Laut Meyer überlegte schon mancher Landwirt, keinen Mehrfachantrag für die Auszahlung der reduzierten Flächenprämien mehr abzugeben, um der Verpflichtung zur Flächenstilllegung in Höhe von vier Prozent zu entgehen. Insgesamt stelle sich die Frage, wie eine ausreichende Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln gewährleistet werden kann.