Ohne Lisbeth Betz und Jürgen Brenner, ohne Volker Schmidt, ohne den schwer erkrankten Bernd Schnizlein und vor allem: ohne Bürgermeister Klaus Meier: Die Liste der Neustädter SPD für die Kommunalwahl 2026 kommt ohne etliche bekannte Namen aus, nicht aber ohne örtliche Prominenz.
Auf Listenplatz 1 steht demnach die amtierende dritte Bürgermeister und bereits als Kandidatin für Klaus Meiers Nachfolge nominierte Heike Gareis. Eine Aufbruchstimmung habe sie in ihrem Ortsverein zuletzt wahrgenommen, sagte sie eingangs der Versammlung und skizzierte in aller Kürze die Schwerpunkte ihrer Kampagne: Erhalt der Kliniken, Förderung der Schulen und Kindertagesstätten („Keiner hat mehr dafür getan als Klaus Meier”) sowie die Wirtschaftsförderung als „Chefsache”.
Beim Fürther Oberbürgermeister Thomas Jung sei sie neulich gewesen, habe sich die dortigen Konzepte für eine lebendige Innenstadt erläutern lassen und daraus Schlüsse gezogen: „Wir sollten Wohlfühlorte schaffen, Aufenthaltsqualität, das bringt Frequenz in die Stadt.”
Mit Manfred Dietlein findet sich der aktuelle Fraktionsvorsitzende auf Listenplatz 2, sein Stadtratskollege Markus Simon rangiert auf Platz 4. Dazwischen – zumindest bis Platz 11 wurde das Reißverschlussverfahren zwischen Frauen und Männern angewandt – steht mit der 36-jährigen Angela Steuer-Kather ein neues Gesicht, die in ihrer kurzen Vorstellung ihre Wahlheimat als „lebens- und liebenswerte Stadt” und sich selbst als „noch jung, aber zu alt für die Jusos” bezeichnete.
Diese Art von entspannter Ironie zog sich dann auch wie ein roter Faden durch die Präsentation. Wahlleiter Walter Billmann hatte eine Ansprachenhöchstdauer von zehn Minuten vorgegeben – niemand reizte dies auch nur annähernd aus. Simone Göbel, Leiterin des Sachgebiets „Personal” am Landratsamt, bekannte, in Bad Windsheim geboren zu sein und kassierte prompt den Zwischenruf „kann passieren”.
Berückend ehrlich stellte sich auf Listenplatz 11 Anne Falter als „schwierige Persönlichkeit” vor, die ihre Meinung „immer sagen” müsse – sie könne einfach nicht anders. Der 35-jährige Michael Schütz, Vorsitzender des Schweinacher Ortsvereins, „outete” sich selbst als Beamter, in der Staatskanzlei ausgerechnet für den Bürokratieabbau zuständig und nahm die unvermeidlichen Kommentare lächelnd und gelassen zur Kenntnis.
Eine „bunte Mischung” aus Jung und Alt, aus diversen Interessens- und Tätigkeitsbereichen, eine „tolle” Mannschaft habe man da gefunden, sagte Heike Gareis. Ärzte wie Dr. Johannes Wiesnet und Stefan Wust, Wissenschaftler wie Dr. Christoph Strehl, mit Thorsten Lehrer ein Gastronom, Beamte, Arbeiter, Angestellte und Selbstständige sind vertreten.
Auch Gerhard Gröner, Urgestein der Landkreis SPD, will auf Listenplatz 21 seiner Partei, „in die ich vor 62 Jahren eingetreten bin” noch ein paar zusätzliche Stimmen sichern. Warum? „Weil ich immer die demokratische Gesellschaft unterstützen wollte und will.” Oder, wie es Tanja Simon (Listenplatz 14) ausdrückte: „Wir Menschen aus der Mitte der Gesellschaft müssen uns bewerben, denn der rechte Rand wird immer lauter und intoleranter.” Mit 78 Jahren ist Gröner übrigens der älteste Bewerber, jüngster Kandidat ist der 19-jährige Leon Bietz, Student und Social-Media-Experte der Jusos.
Einig war sich die Runde, dass der Schwerpunkt der Arbeit im Stadtrat auf dem Erhalt einer lebendigen Innenstadt liegen müsse, auf der Bewahrung von Arbeitsplätzen, der Förderung der einheimischen Wirtschaft. Unabhängig davon präsentierten einige Bewerber und Bewerberinnen auch ganz persönliche Zielsetzungen: Dr. Christiane Wolfart (Platz 9), weithin bekannt für ihre Unterstützung hier lebender Geflüchteter, sieht darin auch ihren persönlichen Fokus, Stefan Wust, heute Klinikarzt in Ansbach, legt durch seine langjährige Verbundenheit mit dem Roten Kreuz den Schwerpunkt auf Gesundheit und Katastrophenschutz.
Gewählt wurde die Liste mit allen 30 Stimmen von den 30 Wahlberechtigten im Gesamtpaket.
1. Heike Gareis (56 Jahre; Laborantin)
2. Manfred Dietlein, (61; techn. Betriebswirt)
3. Angela Steuer-Kather (36; Steuerfachwirtin)
4. Markus Simon (50; Fachkrankenpfleger)
5. Simone Göbel (42; Diplom-Verwaltungswirtin, TH)
6. Stefan Wust (42; Arzt)
7. Jasmin Obenauf (37; M.A. Management)
8. Thorsten Lehrer (47; Gastronom)
9. Dr. Christiane Wolfart (47; Tierärztin)
10. Dr. Johannes Wiesnet (49; Arzt)
11. Anne Falter (61; Fachlehrerin a.D.)
12. Franz Ströbel (27; Hörakustik- u. Augenoptikermeister)
13. Uwe Bachmayer (52; Prozessplaner)
14. Tanja Simon (47; Steuerfachangestellte)
15. Wolfgang Hille (73; Rentner)
16. Michael Schütz (36; Beamter i.d. Staatskanzlei)
17. Markus Erdreich (26; Buchhalter)
18. Leon Bietz (19, Student)
19. Armin Held (60; Diplom-Kommunikationswirt)
20. Dr. Christoph Strehl (54; Forschungskoordinator)
21. Gerhard Gröner (78; Rentner, Masterinstruktor)
22. Jörg Wägner (47; Angestellter)
23. Silvia Maier (58; Erzieherin)
24. Stefan Grau (53; Bilanzbuchhalter)
Die Altersangaben beziehen sich auf den Zeitpunkt der Wahl.