Der Heimatverein Markt Erlbach hatte genau den richtigen Zeitpunkt zur Enthüllung einer Gedenkstele für die ermordeten Mitglieder der früheren jüdischen Gemeinde gewählt. Das wurde bei der Einweihung mit 50 Leuten schmerzhaft bewusst.
Als stellvertretender Landrat zitierte Reinhard Streng aus einer Mail, die er in letzter Zeit wiederholt erhalten hat und die mit den Worten beginnt: „Erschöpft von jahrzehntelanger Schuldkultbombardierung und von der deutschenfeindlichen Regime- und Lügenpresse mit der täglich verabreichten Dosis Deutschenanklage und Fremdenanbetung hinterlistig manipuliert“.
Das war schon Antwort genug auf die Frage, die der Heimatvereinsvorsitzende Reiner Leinsle zu Beginn seiner Rede gestellt hatte: „Warum machen wir das?“ Der Hass gegen die Juden sei nicht plötzlich dagewesen, sondern wuchs nach und nach durch ständige Propaganda über Jahre hinweg. „Und heute, 80 Jahre nach Kriegsende, müssen wir erkennen, dass sich erneut in unserem Land ein Hass aufbaut. Diesen Strömungen müssen wir alle entgegenwirken.“
„Nie, nie wieder!“ lautete auch der Tenor der Rede des Ehrenvorsitzenden Gerhard Wagner bei der Vorstellung der Personen, die hinter den Namen auf der Stele stehen (die FLZ berichtete). Er hatte in unzähligen Stunden – unterstützt von Robert Zöllner vom Heimatverein und Ralf Rossmeissl vom Fränkischen Freilandmuseum – das Leben der aufgeführten Personen erforscht und mit seiner bekannten Hartnäckigkeit die Errichtung der Stele durchgesetzt.
Bürgermeisterin Dr. Birgit Kreß berichtete über die kleine Markt Erlbacher Gemeinde, die formal zu Wilhermsdorf gehörte, wo ihre Mitglieder bestattet wurden. Berühmte Mitglieder hatte sie auch: Das Bankhaus Kohn, das eines der schönsten Gebäude in Nürnberg am Lorenzplatz errichtete, stammte von hier, erinnerte sie.
Gerade weil Markt Erlbach kein sichtbares Zeichen der jüdischen Geschichte wie zum Beispiel einen jüdischen Friedhof hat, ist die Stele besonders wichtig. Im Keller des Bank- und Wohnhauses der Familie Ickelheimer – gegen Martin Ickelheimer wurde im nationalsozialistischen „Stürmer“ übelst gehetzt – ist allerdings eine Mikwe, ein Ritualbad erhalten, das die Heimatvereinsmitglieder erst vor kurzem besichtigen konnten, wie Gerhard Wagner ergänzte.
Von drei der Personen auf dem Gedenkstein ist die Adresse in Markt Erlbach unbekannt. Allein schon deshalb sei die Verlegung von Stolpersteinen vor einigen Jahren unbefriedigend gewesen.
Mit Würzburger Hilfe war auch heutiges jüdisches Leben Teil der Einweihungsfeier: Der Opernsänger Igor Dubovsky sang hebräische und jiddische Lieder sowie die israelische Nationalhymne. Rabbi Shlomo Zelig Avrasin vom Zentralrat der Juden in Würzburg betete und trug einen Psalm vor.
Bürgermeisterin Dr. Birgit Kreß hatte die Ehre, das Mahnmal zu enthüllen. Die Kosten in Höhe von rund 13.000 Euro waren über das Regionalbudget der Kommunalen Allianz und durch Spenden an den Heimatverein gesammelt worden.