Mit einem Vortrag der Leiterin der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Bayern (RIAS Bayern), Dr. Annette Seidel-Arpaci, wurde die Veranstaltungsreihe „Jahr der christlich-jüdischen Zusammenarbeit“ in der Karlshalle eröffnet.
Seidel-Arpaci wies auf die neuen Formen des versteckten Antisemitismus hin und darauf, dass viele jüdischen Mitbürger Angst vor Bedrohungen auch in ihrem heimischen Umfeld hätten. RIAS Bayern nehme Meldungen über antisemitische Vorfälle auf und unterstütze Betroffene von Antisemitismus in Bayern, so fasste Dr. Seidel-Arpaci die Arbeit ihrer Stelle zusammen. RIAS Bayern sei beim Verein für Aufklärung und Demokratie (VAD) angesiedelt und werde vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales gefördert.
Auf Grundlage der gemeldeten Fälle und eigener Recherche verfasse RIAS Bayern regelmäßig bayernspezifische Berichte über Antisemitismus. Der Bericht für das Jahr 2024 werde, so die Referentin, in wenigen Tagen vorgestellt. RIAS Bayern betreibe aber auch Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit und trage so zum Kampf gegen Antisemitismus bei.
RIAS Bayern, so Seidel-Arpaci weiter, nehme Antisemitismus jedweder Couleur und Äußerungsform ernst, unabhängig davon, ob es sich beispielsweise um islamischen, rechten, linken, israelbezogenen Antisemitismus oder „jenen alltäglichen der gesellschaftlichen Mitte handelt“. Der Überfall auf Israel am 7. Oktober 2023 wirkte sich sehr stark auf jüdischen Einrichtungen in Bayern aus.
Noch am 7. Oktober sei es zu antisemitischen Vorfällen in Bayern gekommen; seither sei eine große Empathielosigkeit festzustellen. Die Verbrechen würden geleugnet und es sei eine massive Verrohung in der Sprache festzustellen. Dies zeige sich vor allem in den sozialen Medien. Im vergangenen Jahr sei es zu einer massiven Vermehrung der Vorfälle gekommen und es würden oft Gedenkorte der deutschen Erinnerungskultur zu Angriffsflächen. Auch aus Mittelfranken habe es sehr viele Meldungen gegeben.
Dr. Annette Seidel-Arpaci appellierte, antisemitische Vorfälle auch unterhalb von strafrechtlicher Relevanz zu melden und den Betroffenen sofort zu zeigen, dass der Antisemitismus wahrgenommen wurde. „Gehen wir gemeinsam gegen die Verrohung der Sprache vor.“
Ansbachs Oberbürgermeister Thomas Deffner erinnerte in seinem Grußwort an das Motto 2025 des Jahres der christlich-jüdischen Zusammenarbeit „Füreinander Streiten“. Die Veranstaltungen seien eine Einladung zur Begegnung, zum Dialog und zum gemeinsamen Engagement für eine Gesellschaft, die auf Respekt, Verständnis und Menschlichkeit beruhe.
Dazu gehöre auch der angeregte Austausch, um Lösungen zu finden und Entscheidungen zu treffen. „Es ist ein hohe Gut, dass wir Diskurse in und vor allem unter Beteiligung der Öffentlichkeit führen können“, so Deffner. Und weiter sagte der Oberbürgermeister: „Wenn man aber mit beiden Beinen auf den Fundamenten unseres Grundgesetz steht, findet sich immer ein gemeinsamer Nenner.“
Er mahnte, dass gerade Deutsche eine besondere Verantwortung für die Sicherheit jüdischen Lebens hätten. Die gemeinsame Erinnerungskultur und die christlich-jüdische Zusammenarbeit müssten mehr als ein Ritual sein.
Pfarrer Dr. Johannes Wachowski, der dem Initiativkreis zur Vorbereitung der Veranstaltungen im Jahr der christlich-jüdischen Zusammenarbeit vorsitzt, erinnerte an die weiteren Veranstaltungen und an die Möglichkeit, die Ansbacher Synagoge und den jüdischen Friedhof im Rahmen von Führungen kennenzulernen. Musikalisch umrahmt wurde die Eröffnungsfeier von der Klarinettistin Franka Böhm und Frank Zelinsky an der Gitarre.