„Geh' in ein Büro” rieten ihr noch die Eltern, doch sie zog es in die Pflege. Zunächst Krankenschwester im Ansbacher Krankenhaus, wechselte Inge Braun schließlich zur Diakoniestation in Ansbach und übernahm dort die Leitung. Nun geht sie in den Ruhestand. Doch ganz hört sie nicht auf.
Der Glaube und die Sorge um das Wohl ihrer Mitmenschen beschäftigten Inge Braun schon in Kindestagen, erzählt sie. „Unbedingt“ wollte sie deshalb in der Pflege arbeiten. An der Ansbacher Wirtschaftsschule absolvierte sie die mittlere Reife. Sie machte die Ausbildung zur Krankenschwester. Zehn Jahre arbeitete sie auf der Chirurgie-Station im Stadt- und Kreiskrankenhaus. „So hieß das damals“, merkt Inge Braun an.
1989 wechselte sie zur Diakoniestation. „Drei bis vier junge Frauen waren wir da”, Altenpflegerinnen und Krankenschwestern. Und die „wollten was bewegen“, blickt Inge Braun zurück. Die katholische Akademie besuchte sie „ganz im Geist der Ökumene”, merkt sie schmunzelnd an. Dort qualifizierte sich die aus Borsbach bei Flachslanden stammende Inge Braun zur Fachschwester. Zusätzlich absolvierte sie die Weiterbildung zur Pflegedienstleitung.
1993 war es so weit und sie übernahm die Leitung. Eine Tätigkeit, die in Ansbach und Umgebung für einen enormen Bekanntheitsgrad gesorgt hat. Wer mit der Diakoniestation zu tun hatte, hatte irgendwann unweigerlich Kontakt mit Inge Braun.
Anders als ihre Vorgängerin, Schwester Else Düll, gehört die Noch-Chefin keiner Schwesternschaft an. Das war damals ein Umbruch, der Fragen zur Folge hatte. Etwa ob sie denn auch in der Pflegestation wohnen wird. Das musste sie zwar verneinen, „das Licht brannte trotzdem oft bis in die späten Abendstunden“, wie Martin Nehmeyer, Leiter des Diakonieverbunds Ansbach, anmerkt. Der Diakonieverbund betreibt die Station.
Viel hat sich in den vergangenen mehr als 30 Jahren getan. Als Inge Braun anfing, haben die Pflegerinnen oft versucht, sich mit einfachen Mitteln zu helfen. „Das modernste war anfangs ein Auto oder der Anrufbeantworter“, erinnert sich die Pflegedienstleiterin. Früher mussten noch „Krankenbetten irgendwo organisiert werden“. „Heute gibt es Inkontinenzeinlagen in allen Variationen“, nennt Nehmeyer ein Beispiel für Veränderungen.
Als Leiterin bestand die Aufgabe von Inge Braun nun in der Koordination der Pflegearbeit und der Zusammenarbeit mit Vereinen. Auch bei Projekten wie der „Initiative Brücke“ wirkte sie mit. Den persönlichen Kontakt zu den Patientinnen und Patienten gab sie aber nie auf. Wenn Mitarbeiterinnen ausfielen, sprang die Chefin selbst ein und war wieder Pflegefachkraft.
Aus ihrer praktischen Erfahrung weiß Inge Braun, wie sehr Abschiednehmen Teil der täglichen Arbeit in der ambulanten Pflege ist. Eine krebskranke Frau ist ihr in all den Jahren nicht aus dem Kopf gegangen. „Jeden Tag hat sie sich gewünscht, dass ich ihr aus dem Gesangsbuch vorlese.“ „Ach, da kommen Sie“, war die Standardbegrüßung, wenn die junge Inge Braun bei ihr Halt machte. Ihr Tod, geht der mittlerweile 65_jährigen noch immer sichtlich nahe. Gegen die Trauer helfen ihr Rituale wie Friedhofsbesuche oder Blumenpflücken. Aber: „Man wird nie jedem ganz gerecht, damit muss man leben.“
Neben der Organisation und der Weiterentwicklung der Diakoniestation ging es für die Leiterin des Pflegedienstes auch um grundsätzliche Fragen: „Wie sind wirtschaftliche Notwendigkeit und der diakonische Auftrag miteinander auszuhandeln?“ Hier fand sie die Balance zwischen „nochmal zusätzlich zum Patienten fahren“ und einem „das können wir jetzt nicht“, wie Nehmeyer beschreibt.
Im Juni wird das Leben von Inge Braun ruhiger. Vera Rebelein übernimmt dann die Leitung der Diakoniestation. Eine komplette Zäsur wird der Ruhestand aber nicht. Vielmehr geht es wieder ein Stück zurück zur Basis. Gelegentlich wird sie für Beratungseinsätze unterwegs sein. Und darüber ist sie merklich froh. „Sich nichts beweisen müssen“ und „keine wirtschaftlichen Fragen stellen“ zählt sie als Pluspunkte auf.
Auch sonst plant die 65-Jährige nicht auf der Stelle zu stehen. Demnächst geht es mit einer Freundin nach Korfu. Geplant sind auch Ausflüge mit dem neuen E‑Fahrrad. Was aber in ihrem Ruhestand auf keinen Fall fehlen darf: „Einfach ein bisschen langsamer – dann trifft man den Nachbarn, trinkt einen Kaffee.“
In der Kirche St. Gumbertus findet für Inge Braun am Samstag, 16. Mai, um 14.30 Uhr, ein Abschiedsgottesdienst statt.