„Horrorhaus“-Prozess: Deutschen Eltern drohen 25 Jahre Haft | FLZ.de

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Veröffentlicht am 10.03.2026 10:58, aktualisiert am 10.03.2026 13:08

„Horrorhaus“-Prozess: Deutschen Eltern drohen 25 Jahre Haft

Die Staatsanwaltschaft fordert eine Haftstrafe von über 25 Jahren. (Archivbild) (Foto: Jorge Peteiro/Europapress/dpa)
Die Staatsanwaltschaft fordert eine Haftstrafe von über 25 Jahren. (Archivbild) (Foto: Jorge Peteiro/Europapress/dpa)
Die Staatsanwaltschaft fordert eine Haftstrafe von über 25 Jahren. (Archivbild) (Foto: Jorge Peteiro/Europapress/dpa)

Sogar erfahrene Polizeibeamte trauten ihren Augen nicht, als sie in Oviedo im Norden Spaniens drei kleine deutsche Kinder aus einem Haus voller Müll und Exkremente befreiten. Einsatzleiter Javier Lozano sprach sichtlich betroffen von einem „Horrorhaus“. „Eine solche Situation hatten wir hier in Oviedo noch nie“, erzählte er damals vor Journalisten. Gut zehn Monate nach der Befreiung nahmen die Eltern in Oviedo nun auf der Anklagebank Platz.

Der heute 54 Jahre alte deutsche Vater und seine Frau, eine 49-jährige Deutschamerikanerin, sollen ihre Kinder in Fitoria am Stadtrand Oviedos dreieinhalb Jahre lang eingesperrt haben. Die Staatsanwaltschaft fordert für sie eine Haftstrafe von jeweils 25 Jahren und vier Monaten. Ihnen wird psychische Gewalt in der Familie, Freiheitsberaubung und Vernachlässigung vorgeworfen. 

Urteil wird auf sich warten lassen

Die mündliche Verhandlung vor dem Provinzgericht in Oviedo in der Region Asturien findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, um die minderjährigen Opfer zu schützen. Sie ist auf zwei Tage angesetzt und soll am Mittwoch enden. Das Urteil wird aber erst zu einem späteren Zeitpunkt erwartet. „Das kann je nach Beweislage Tage oder Wochen dauern“, sagte eine Justizsprecherin der Deutschen Presse-Agentur.

Die Kinder, damals achtjährige Zwillinge und ein zehnjähriger Junge, wurden am 28. April 2025 befreit, nachdem eine misstrauische Nachbarin die Polizei alarmiert hatte. Den Beamten bot sich während des dreieinhalbstündigen Einsatzes ein Bild des Grauens. Die vorgefundene Situation ließ laut Lozano selbst erfahrene Ermittler erschaudern. „Alle waren fassungslos“, sagte er.

Erschütternde Details

Medien veröffentlichten unter Berufung auf die Behörden erschütternde Details, die ein Sprecher der Polizei in Oviedo auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. „Die Kinder waren schmutzig, in Schlafanzügen und schwer vernachlässigt“, hieß es. Sie seien auch „deutlich unterernährt“ gewesen. Das Haus sei „überall mit Müll übersät“ gewesen, „selbst unter den Betten“. Man habe dort inmitten von Exkrementen auch eine schwer kranke Katze gefunden.

Die Kinder hätten in zum Teil zu kleinen Gitterbetten schlafen müssen. Sie seien von ihren Eltern gezwungen worden, Windeln und Mundnasenmasken zu tragen, und völlig von der Außenwelt abgeschottet gewesen. Nicht einmal in den Garten des Hauses hätten sie gedurft. „Wir haben drei Minderjährigen das Leben zurückgegeben. Ich hätte nie gedacht, dass so etwas in diesem Land passieren könnte“, sagte Einsatzleiter Lozano damals.

Beim Anblick einer Schnecke „ausgeflippt“

Als die Kleinen von Beamten damals erstmals aus dem Haus geführt wurden, habe eines von ihnen erstaunt mit den Händen das Gras des Rasens berührt, ein anderes sei beim Anblick einer Schnecke „ausgeflippt“. „Sobald wir sie herausgeholt hatten, begannen alle drei tief durchzuatmen, als wären sie noch nie an der frischen Luft gewesen“, sagte ein Ermittler der Zeitung „La Nueva España“.

Es wird vermutet, dass die Kinder seit der Anmietung des Hauses durch die Eltern im Oktober 2021 dort festgehalten wurden. Man weiß nach dem Verhör der Eltern, dass die Kleinen in Spanien nicht gemeldet wurden und sie in Oviedo nie zur Schule oder zum Arzt gegangen waren. Laut Staatsanwaltschaft führte das Einsperren bei den Kindern zu schweren physischen Schäden und zu Verzögerungen in ihrer sozialen Entwicklung.

Achtjährige Zwillinge konnten weder lesen noch schreiben

Die Zwillinge konnten nach dem Bericht der Ermittler, der unter anderem in der Zeitung „El Mundo“ veröffentlicht und der Deutschen Presse-Agentur von den Behörden bestätigt wurde, weder lesen noch schreiben. Alle drei Kinder waren demnach unbeweglich, gingen gebückt und hatten Schwierigkeiten, Treppen zu steigen. Ein Arzt hatte sie zuletzt 2019 in Deutschland gesehen.

Die Eltern sollen ihre gesundheitlichen Probleme selbst diagnostiziert und behandelt haben. Bei der Hausdurchsuchung fand die Polizei auch große Mengen verschiedener Medikamente ohne ärztliche Verschreibung.

Entschädigung für Kinder gefordert 

Neben der Haftstrafe fordert die Staatsanwaltschaft Maßnahmen wie ein Annäherungs- und Kontaktverbot zu den Minderjährigen sowie eine Entschädigung von 15.000 Euro für jedes der kleinen Opfer. Die Kinder werden seit ihrer Befreiung von den Sozialbehörden Asturiens betreut. Im Falle einer Verurteilung der Eltern wird unter anderem erwogen, sie zur Adoption freizugeben.

Die Behörden prüften nach eigenen Angaben zeitweilig, ob die Eltern der Mutter die Vormundschaft für die Kinder übernehmen könnten, nachdem das Gericht den Eltern das Sorgerecht entzogen hatte. Diese Option erwies sich jedoch als wenig praktikabel, da die Großeltern bereits in die USA zurückgekehrt sind. Weitere Angehörige konnten bisher nicht ausfindig gemacht werden.

© dpa-infocom, dpa:260310-930-794781/2


Von dpa
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