Matthias Sammer will am liebsten den Berufsstand ganz abschaffen, und nun teilt auch Uli Hoeneß scharf gegen Berater aus. Nach dem zähen Vertragspoker um Bayern Münchens Dayot Upamecano kündigte der Ehrenpräsident des Rekordmeisters einen Knallhart-Kurs an – sehr zum Ärger von Spielervermittlern und dem Spielerberaterverband, die von platten Vorwürfen und „heillosem Populismus“ sprechen.
„Wir werden es uns nicht mehr gefallen lassen, dass Berater allein bestimmen, wie es läuft. Ihr Beitrag steht zunehmend in keinem Verhältnis mehr zur Honorierung, die aufgerufen und am Ende auch oft gezahlt wird“, hatte der langjährige Bayern-Manager Hoeneß in der „Bild“-Zeitung gesagt. „Sie verdienen viel zu viel Geld für das, was sie leisten – bei einigen geht es nicht über drei Mittagessen mit uns hinaus.“
Hoeneß drohte in diesem Zusammenhang indirekt auch mit einer schwarzen Liste. „Wir werden vielleicht auch den ein oder anderen Berater – wenn er sich unfair verhält – auf eine Liste nehmen und ihm sagen, dass wir Spieler, die er vertritt, nicht mehr verpflichten werden“, sagte er.
Auslöser seiner Wutrede waren die langwierigen Vertragsgespräche mit Verteidiger Upamecano, die von Spekulationen über Handgeld und Ausstiegsklausel begleitet wurden. Erst vergangene Woche unterschrieb der französische Nationalspieler bis 2030. „Im Fall Upamecano wollten die Berater entweder den Preis bei uns hoch- oder ihn zu einem anderen Club treiben, und als Dankeschön sollen wir ihnen Handgeld zahlen“, kritisierte Hoeneß.
Spielervermittler Jörg Neblung kann die Kritik nicht nachvollziehen, sie ist für ihn „platt“ und „heilloser Populismus“. „Die Bayern werden immer zornig, wenn sie ihren Willen nicht kriegen“, sagte der 58-Jährige der Deutschen Presse-Agentur.
Die Deutsche Fußballspieler-Vermittler Vereinigung (DFVV) sprach angesichts der polarisierenden Aussagen über Spielerberater von Hoeneß und auch Borussia Dortmunds Berater Sammer („Ich würde sie abschaffen“) vom „inoffiziellen Monat des Berater-Bashings“.
Dabei werde die Diskussion um den globalen Milliardenmarkt Fußball moralisch aufgeladen, obwohl die Berater ein ganz kleiner Teil des internationalen Fußballgeschäfts seien, der nach ganz normalen Marktmechanismen funktioniere, sagte Geschäftsführer Philipp Wehler und befand: „Ohne diese Vermittlungsfunktion würde der Markt nicht einfacher oder günstiger, sondern intransparenter und konfliktanfälliger.“
Öffentliche Attacken gegen Spielerberater sind nicht neu. Vor einigen Jahren betrachtete Hoeneß Pini Zahavi bei den Vertragsverhandlungen mit David Alaba als größtes Hindernis. „Er hat einen geldgierigen Piranha als Berater“, polterte Hoeneß über den Israeli, der angeblich ein Honorar „im zweistelligen Millionenbereich“ verlangte.
Fußballfunktionär Michael Reschke kann nachvollziehen, „dass es Auswüchse in der Beraterbranche gibt, die einen Clubverantwortlichen zur Weißglut treiben“. Der Arbeitsaufwand rechtfertige in einzelnen Fällen nicht die extrem hohen Provisionen, sagte der frühere Technische Direktor des FC Bayern, der bis vor Kurzem bei der Agentur ICM Stellar Sports tätig war, der dpa.
„Aber bei Upamecano und seinen Beratern sprechen wir natürlich im finanziellen Bereich über eine Ausnahmesituation. Viele Berater leisten für ihre Spieler einen Topjob und sind entscheidend unterstützend“, sagte Reschke weiter. Sowohl junge als auch erfahrene Spieler bräuchten im Normalfall einen seriösen Berater.
Marc Kosicke, der mit seiner Agentur Projectfive zu den bekanntesten Beratern Deutschlands zählt, erklärte, dass viele Vereine ohne Berater keinen Kader zusammenkriegen würden. Gleichzeitig gab Jürgen Klopps Berater bei „transfermarkt.de“ zu: „Ich denke auch, dass wir alle viel zu viel Geld verdienen, da nehme ich mich nicht aus. Aber so ist nun einmal der Markt.“
Hoeneß nimmt beim Verhandlungs-Thema die Spieler mehr in die Pflicht. „Man kann auch dem Spieler einmal sagen: „Wenn dein Berater weiter so unverschämt verhandelt, werden wir mit ihm nicht mehr über deine Zukunft bei uns sprechen.” So weit muss das gehen“, meinte er.
Aber ist ein Zukunftsszenario realistisch, in dem Harry Kane allein am Verhandlungstisch sitzt? „Das ist dummes Zeug. Was würde dann passieren, wenn ein junger Mann mit seinen Eltern, die ganz normalen Berufsbildern nachgehen, zu so einem Monster kommt?“, hatte Spielerberater Roger Wittmann bei Sky mit Blick auf die großen Vereine gesagt: „Wenn es keine Berater geben würde, dann würden die Clubs mit den Spielern machen, was sie wollen.“
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