Seit knapp 18 Jahren lebt die 78-jährige Maya Kandlbinder mit der Dialyse. Das Blutreinigungsverfahren, das bei Nierenversagen angewendet wird, kann sie auch anderen Betroffenen empfehlen. Im FLZ-Gespräch hat sie von ihren Erfahrungen berichtet.
Über 2700 Dialysen hat Maya Kandlbinder bereits hinter sich. „Das ist meine Lebensversicherung. Sonst wäre ich schon 18 Jahre tot”, sagt die Rentnerin aus dem Ansbacher Ortsteil Höfen und bemerkt trocken: „Mein Mann würde sich nicht freuen, er hat mich lieber lebendig.”
Dienstag, Donnerstag und Samstag sind ihre festen Dialyse-Tage. Ein Fahrdienst, den das Ansbacher Nieren- und Diabeteszentrum in Kooperation mit Beförderungsunternehmen organisiert, holt sie frühmorgens ab und bringt sie auch wieder nach Hause. Die Krankenkassen übernehmen sowohl die Dialyse selbst als auch den Fahrdienst.
Wegen einer Autoimmunerkrankung hatten sich Kandlbinders Blutwerte vor fast zwei Jahrzehnten massiv verschlechtert. Sie war müde und auch sonst ging es ihr schlecht. Die Ärzte teilten ihr mit, dass es ohne das Blutreinigungsverfahren nicht mehr geht. Natürlich war sie zuerst nicht erfreut über diese Aussicht. „Keiner schreit ‚Hier‘, wenn er an die Dialyse muss”, stellt sie fest. Aber schon die ersten Male hätten ihr gutgetan. „Ich habe richtig gemerkt, wie es mir besser gegangen ist.”
Ihren Alltag muss sie allerdings danach richten. Nach der Dialyse „ist der Tag gelaufen, da bin ich müde und muss mich erst einmal hinlegen”, schildert sie. Für den Fall, dass sie etwas Wichtiges vorhat, zum Beispiel eine Geburtstagsfeier, kann sie ihren Termin in Absprache aber ausnahmsweise auf einen anderen Zeitpunkt legen. „Wenn wir eine Chance haben, die Dialyse zu verschieben, machen wir das auch”, versichert Stefan Wöhl, einer der ärztlichen Leiter des Zentrums. „Wir versuchen, die Wünsche der Patienten zu erfüllen.”
Etwa vier Stunden dauert die Dialyse. Einige Patientinnen und Patienten lesen währenddessen, andere sehen mit Kopfhörern fern. „Meistens schlafe ich”, erzählt Kandlbinder. „Ich werde ja schon um halb sieben in der Früh geholt.” Frühstück gibt es auch. „Das ist immer der Lichtblick”, freut sich Kandlbinder, und Wöhl ergänzt mit einem Schmunzeln: „Es dürfen zwei Sachen bei der Dialyse nicht ausfallen: Das eine ist das Frühstück, und das andere ist der Fernseher.”
Ob Maya Kandlbinder einmal mit ihrem Schicksal gehadert hat? „Nein”, winkt sie entschieden ab. „Das gehört dann zum Leben dazu.” Sie hat es geschafft, diesen Einschnitt als neue Normalität anzunehmen. „Ich bin dankbar, dass es die Dialyse gibt. Mir geht's wirklich gut. Gell, Herr Doktor?”