Hingucker in Bad Windsheim: Das machten Kletterer auf dem Dach von St. Kilian | FLZ.de

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Veröffentlicht am 03.06.2026 07:00

Hingucker in Bad Windsheim: Das machten Kletterer auf dem Dach von St. Kilian

Das Netz am Turm hängt dort seit drei Jahren, nun wurde auch das Dach des Chores mit einem Schutz umfangen. (Foto: Nina Daebel)
Das Netz am Turm hängt dort seit drei Jahren, nun wurde auch das Dach des Chores mit einem Schutz umfangen. (Foto: Nina Daebel)
Das Netz am Turm hängt dort seit drei Jahren, nun wurde auch das Dach des Chores mit einem Schutz umfangen. (Foto: Nina Daebel)

Es dauerte nicht lange und die ersten Neugierigen blieben auf dem Marktplatz in Bad Windsheim stehen und fragten: „Was ist denn da kaputt? Was wird denn da gemacht?” Die Antwort: Drei Industriekletterer waren vier Tage lang im Einsatz, um weitere Fangnetze an der Stadtkirche St. Kilian zu befestigen.

Das war nötig geworden, weil „in einem weiteren Bereich Ziegel lose waren”. Darüber informierte Dekan Max von Egidy auf Nachfrage unserer Redaktion. Er wies in diesem Zusammenhang auch darauf hin, dass die Verkehrssicherung oberste Priorität habe.

Schon 2022 waren Steine aus der Fassade gebrochen

Dass genau diese Verkehrssicherung bei ihrem Auftrag im Fokus stand, bestätigten auch die Industriekletterer vor Ort. Schließlich stehe dieser Teil der Kirche inmitten der Einflugschneise zum Marktplatz in Bad Windsheim. Fünf Netze sollten insgesamt befestigt werden. Diesmal im Bereich des Daches, direkt neben dem Turm der Stadtkirche. Dessen Fassade ist seit nunmehr drei Jahren komplett von Schutznetzen umfangen, weil im November 2022 Steine herausgebrochen und in die Tiefe gestürzt waren.

Der Schrecken war damals groß, zumal einer der Brocken zu Füßen des benachbarten Kriegerdenkmals, vor dem „Roland”, entdeckt worden war. Zuletzt war seitens der Kirche mitgeteilt worden, man wolle die baulichen Schäden und den Sanierungsbedarf von Turm und Dachstuhl nun erst einmal von Experten ermitteln lassen. Es seien umfangreiche Voruntersuchungen des Mauerwerks und der Statik notwendig. Und auch der Untergrund müsse geprüft werden, hieß es. Die Kosten für die Voruntersuchungen sind seitens der Kirche bislang mit rund 300.000 Euro veranschlagt worden.

Die Fangnetze können keine Lösung auf Dauer sein

Dass Fangnetze in einem solchen Fall wie bei der Stadtkirche St. Kilian keine Dauerlösung sein könnten, betonten die Industriekletterer der Firma 3KER RASGroup mit Sitz in Schweinfurt, Berlin, Dortmund und Hamburg. Es sei immer nur eine zeitlich begrenzte Maßnahme. „Es ist ein Provisorium, keine endgültige Lösung”, hieß es.

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Für sie als Industriekletterer sei ein solcher Einsatz an einer Kirche indes eher die Ausnahme. Sehr viel häufiger sind sie beispielsweise an Windkraftanlagen oder Zementwerken im Einsatz. „Wir waren auch schon an der Elbphilharmonie in Hamburg. Als Glasreiniger”, erzählte Jens Gruschka, der den Einsatz an St. Kilian koordinierte und dafür sorgte, dass alles Material bereitlag und ausreichend vorhanden war.

Geplant war, fünf Netze mit einer Spannweite von jeweils vier mal acht Metern anzubringen. Also eine Fläche von rund 120 Quadratmetern. Die verwendeten Netze werden Gruschka zufolge auch in der Industrie eingesetzt, beispielsweise zum Abspannen unter Dachflächen. Sollte ein Arbeiter den Halt verlieren, werde er von solchen Netzen aufgefangen.

Ein Schutz wie das Netz einer Spinne

Weil dafür natürlich nicht irgendwelche Netze verwendet werden dürfen, sind sie zertifiziert und haben eine Norm, zudem sind sie offiziell abgestempelt. So wie die, die jetzt das Dach des Chorraumes umspannen. Befestigt wurden sie über einem Stahlseilrahmen. So würde das Schutz-Konstrukt quasi dem Netz einer Spinne ähneln, hieß es.

Während seine Kollegen Sascha und Fabian bereits im Korb des Hubwagens zum Dach emporgefahren waren, harrte Samuel Fischer noch am Boden aus. Das Trio war mit Helmen und Industrieklettererausrüstung unterwegs. „Unsere Ausrüstung hat nichts mit der zum Klettern in den Bergen zu tun”, erklärte Fischer, für den es der erste Einsatz an einer Kirche gewesen ist.

Für ihn macht genau das den Reiz seines Berufes aus: dass er an außergewöhnliche und schöne Orte kommt und in den Genuss „ganz anderer Perspektiven“. Zur Industriekletterei hatte Fischer auf Umwegen gefunden. Zuvor war er als Zimmermann und Baumpfleger tätig. Sein Herz als Zimmermann schlug denn auch beim Anblick des Dachstuhls der Stadtkirche St. Kilian in Bad Windsheim höher. „Ich weiß, was es heißt, einen Dachstuhl zu planen und zu bauen”, sagte er und zeigte Bilder des Holzkonstrukts, die er mit seinem Handy gemacht hatte.

Klettertrip über Bad Windsheim bei „super” Wetter

Zwar habe er nicht viel Zeit gehabt, sich genauer umzuschauen. Doch für ihn sehe der Dachstuhl „solide” aus. Erwartet hätte er eigentlich einen schlechteren Zustand. „Da habe ich jüngere Gebäude gesehen, die schlechter beisammen waren.”

Das Wetter war während des Einsatzes der Industriekletterer an der Kirche St. Kilian „super”, wie sie betonten. Kein Wind, stattdessen sonnig und trocken. Im Sommer könne die Temperatur auf einem Dach aber durchaus auch mal auf um die 50 Grad steigen. Bei Aufträgen im Februar hingegen hätte man mit anderen Herausforderungen zu kämpfen, beispielsweise damit, dass es sehr viel früher dunkel werde und man sich sputen müsse, fertig zu werden. Für Fischer ist der Beruf des Industriekletterers ein Stück weit ein Privileg. „Es ist wunderschön, so etwas machen zu dürfen.”

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