Hans Böckler ist nicht wenigen Menschen in Ansbach als Zahnarzt wohlbekannt. Im Ruhestand engagiert sich der inzwischen 70-Jährige nun für die ungewöhnliche Einrichtung in Schmalenbach. Den derzeit behördlich geschlossenen Gnadenhof sieht Böckler der Willkür des Veterinäramtes ausgesetzt, weshalb er einen Unterstützerkreis initiierte.
Nur ein paar Tage ist es her, dass Böckler mit seiner Idee an Katrin Schülein, Betreiberin des tierischen Asyls im Lehrberger Ortsteil Schmalenbach, herantrat. Aus der Schar an Freunden, Gästen und Tierliebhabern haben sich aktuell 73 Menschen zusammengefunden, die Schülein und ihr Projekt unterstützen wollen.
Dazu hat Böckler ein Schreiben an die bayerische Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Michaela Kaniber, geschickt. In dem der FLZ vorliegenden Brief prangert Böckler vor allem die Amtsführung von Veterinäramts-Chef Dr. Ralf Zechmeister an. „Trotz aller Bemühungen, den gestellten Anforderungen gerecht zu werden, werden immer wieder neue abstruse Vorwürfe konstruiert“, heißt es da. Laut Böckler hat sich das Veterinäramt offenbar zum Ziel gesetzt, „diese Einrichtung zu liquidieren“.
Seit Anfang des Jahres betreibt Schülein den Gnadenhof für Tiere, die bei ihren bisherigen Besitzern nicht mehr bleiben können, aufgrund ihres Alters hohe Rechnungen beim Tierarzt nach sich ziehen oder schlichtweg überzählig sind. Ihnen gewährt Schülein ein Obdach – vom Kaninchen bis zum Lama.
Da die Freizeitoase aber seit August geschlossen bleiben muss, verdient sie kein Geld. Die Betreiberin hat gegen die Schließungsanordnung des Landratsamtes geklagt.
Weil bisher keine Lösung in Sicht ist, aber weiterhin Futterkosten und Tierarztrechnungen anfallen, wird nun die Unterstützergruppe um Böckler aktiv. „Das ist eine nette, heimelige Einrichtung. Ich selbst habe mit meiner Familie dort schon einen vergnüglichen Nachmittag verbracht. Die Kinder waren selig“, schildert Böckler seine persönlichen Erfahrungen.
Mit dem an die Ministerin adressierten Schreiben übergeht Böckler bewusst Landrat Dr. Jürgen Ludwig, den direkten Vorgesetzten des Veterinäramtsleiters. „Bei ihm habe ich keine große Hoffnung, dass sich in der Sache etwas bewegt“, meint Böckler, der den üblichen Beschwerdeweg über das Landratsamt als „Sackgasse“ betrachtet. „Ich gehe nicht zum Schmiedler, ich gehe zum Schmied.“
Böckler weist die Ministerin auch darauf hin, dass das Angebot der Freizeitoase bislang regelmäßig von verschiedenen sozialen und therapeutischen Einrichtungen aus Stadt und Landkreis genutzt wird. „Das ist ein ganz wichtiger sozialer Aspekt“, findet Böckler: „Ohne die Freizeitoase würde etwas fehlen.“
Unterstützung hat auch die ÖDP zugesagt. Sie plant am 30. Dezember einen Infostand zum Thema „Futter statt Böller“ in der Innenstadt und will dabei Geld für den Gnadenhof sammeln.