In Städten ist es durchaus üblich, auf dem Land eher ungewöhnlich: Brücken einer Persönlichkeit zu widmen. Doch genau das soll in Gutenstetten bald Wirklichkeit werden, wenn es nach den Freunden von St. Hilaire und der Ratsmehrheit geht. Der Steinachbrücken-Neubau soll „Robert-Picat-Brücke“ getauft werden. Noch aber gibt es einen Haken.
Robert wer? Sollte sich jemand diese Frage stellen, sind ihm die Wurzeln der Gutenstettener Partnerschaftsgeschichte mit dem französischen Saint-Hilaire-les-Places nicht allzu vertraut. Picat war gewissermaßen die treibende Kraft auf französischer Seite hinter der mittlerweile 35 Jahre währenden Freundschaft zu Gutenstetten – und das, obwohl er einst noch selbst gegen die Deutschen gekämpft hatte.
Robert Picat, der im Jahr 2014 verstorben ist, war zur Zeit des Krieges „erbitterter Kämpfer der Résistance während der deutschen Besetzung Frankreichs“, erläuterte Alexander Scheumann, Gemeinderat und Vorsitzender des Partnerschaftsvereins, den Widmungsantrag in der jüngsten Ratssitzung. Außerdem verlor auch Picat – wie viele andere Bürger der Partnerregion – Angehörige und Freunde beim Massaker in Oradour sur Glane, welches heute als nationales Dokuzentrum an die Gräueltaten des Zweiten Weltkrieges und eines jeden Krieges erinnert.
Scheumann: „Dass sich also ein Mensch mit einer solchen Geschichte so treibend für die Völkerverständigung, den Frieden und die Freundschaft, ausgerechnet mit Deutschland, eingesetzt hat, muss uns einen Platz in unserer Gegenwart wert sein.“ Picat war von 1959 bis 1995 Bürgermeister von Saint-Hilaire-les-Places und schob die Partnerschaft mit Gutenstetten entscheidend an. Entsprechend gab es den Gedanken, Robert Picat posthum zu ehren, schon seit längerer Zeit.
Bislang hatte sich nur die Frage nach dem Wie gestellt. Die Freunde von St. Hilaire hatten bereits vor einigen Jahren den Wunsch geäußert, eine Straße oder einen Platz nach dem Franzosen zu benennen. Dieses Anliegen war seinerzeit kurz im Ratsgremium besprochen worden, ein klares Ja oder ein klares Nein hatte es allerdings nicht gegeben. „Es lag ja auch kein konkreter Vorschlag für eine Straße oder Ähnliches vor“, betont Scheumann im Antrag.
In der jüngsten Vorstandssitzung des Vereins kam das Thema dann wieder auf den Tisch. „Im Bereich Straße oder Platz waren wir uns selbst nicht mehr so ganz sicher, da die aktuellen Neuerschließungen eher ortsabrundender oder ergänzender Natur sind und sein werden.“ Die Umwidmung einer bestehenden Straße gestalte sich ebenfalls schwierig, „der Aufwand steht dann doch nicht ganz im Verhältnis zum symbolischen Wert“, schreibt der Partnerschaftsvereinsvorsitzende.
Auch wurde über einen Findling samt Tafel gesprochen, der im Kolb-Hof neben dem Backhäusle einen Ehrenplatz erhalten könnte. „Hier ist ein Platz der Begegnung, es liegt zentral, die eine Bank aus St. Hilaire (das Gastgeschenk zum Jubiläum) soll ja ebenfalls im Hof ihren Platz finden, wir haben dort das Jubiläum gefeiert: Es sprach einiges dafür. Noch besser gefiel uns allerdings folgende Idee: Die neue Steinachbrücke könnte doch Robert Picat gewidmet werden“, führt Alexander Scheumann im Antrag aus.
„Symbolisch für den Brückenschlag zwischen Deutschland und Frankreich, zentraler geht es fast nicht, es sind keine Änderungen bei Straßennamen vorzunehmen und es ist ebenfalls mit einem angrenzenden Stein mit Tafel oder einer Tafel direkt an der Brücke leicht umzusetzen.“ Der Partnerschaftsverein würde Kosten bis 1000 Euro tragen, für eventuelle Mehrkosten schlagen die Freunde von St. Hilaire eine entsprechende Aufteilung vor.
Mit dem Staatlichen Bauamt Ansbach habe er bereits das Gespräch gesucht, erläuterte Scheumann. Die Juristin habe den Vorschlag nicht als großes Problem gesehen, forderte allerdings einen Gemeinderatsbeschluss. Und so tauchte der Antrag des Partnerschaftsvereins in der Ratssitzung am Montag unter „Verschiedenes“ auf.
Ursula Pfäfflin Nefian fand die Idee „superklasse. In einer Zeit, wo alles auseinanderdriftet, wäre das ein starkes Symbol.“ Dietmar Rückert lobte ebenfalls: „hervorragend“. Die Brücke sei „prädestiniert“ dafür. Allerdings sah er Bedarf, über Picats Vita auf einer Tafel aufzuklären.
Vize-Bürgermeister Richard Frühwald sah den Vorschlag hingegen kritisch. Er schlug vor, die Meinung der Bevölkerung einzuholen. „Viele kennen Picat gar nicht“, war Frühwald überzeugt. Er hielt es für „überzogen“, ihm eine Brücke zu widmen. Schließlich kämen da auch andere Gutenstettener Persönlichkeiten in Frage, beispielsweise Robert Maderer, der das große Gewerbegebiet auf den Weg gebracht hat, „wovon Gutenstetten heute noch lebt“.
Eine „Robert-Maderer-Brücke“ mache keinen Sinn, befand Scheumann. Es gehe ja um den symbolischen Wert des Brückenschlags – zwischen Deutschland und Frankreich. Siegfried Faust fand die Idee grundsätzlich gut. Allerdings plädierte er dafür, das Bauwerk nicht nach einer Person zu benennen. „Wir sollten es vielleicht allgemeiner fassen.“
Faust schlug „Brücke der Freundschaft“ vor. Mit Persönlichkeiten sei es schwierig, „irgendjemand fühlt sich immer übergangen“. In dieselbe Kerbe schlug Gerhard Knöchlein: „Mir gefällt sowas auch nicht.“ Ja, Robert Picat habe sehr viel geleistet, trotzdem würde ihm der Findlingsvorschlag auf dem Kolb-Areal deutlich besser gefallen.
Letztlich fiel das Votum mit 7:4 Stimmen für die Brückenwidmung aus – die Weichen sind also gestellt. Damit ist der Fall aber noch nicht beschlossen: Noch muss der Leiter des Staatlichen Bauamts Ansbach, Heinrich Schmidt, seinen Segen geben.