Besser hätte das Wetter zum Auftakt der Neustädter Kirchweih nicht sein können: Trocken und nicht zu heiß. Nach dem Aufstellen der Kirchweihfichte am Freitag ging es Samstag mit dem großen Umzug weiter. Dazu gab es eine Premiere. Der neue Bürgermeister Alexander Müller stach sein erstes Festbierfass beim Fest der Feste im Landkreis an.
Um es gleich vorwegzunehmen: Müller „schlug” sich (und den Zapfhahn) ausgesprochen wacker und nach vier Schlägen floss der Gerstensaft in die bereit stehenden Maßkrüge. Viele durstige Zeitgenossinnen und Zeitgenossen streckten sich diesen entgegen, als sie nach und nach verteilt wurden. Zuvor hatten viele am Marktplatz die Ankunft des Festumzugs erwartet. Die daran Teilnehmenden stellte Moderatorin Marion von Poschinger wie bereits im Vorjahr vor, mit dabei war auch viel Prominenz. Angeführt wurde der stattliche Tross von einem liebevoll gestalteten Modell der Stadtkirche.
Auf dem Marktplatz unterhielten Grundschulkinder und die Volkstanzgruppe Eschenbach das Publikum. Für Musik sorgten die Stadtkapelle Frankenland und der Musikverein Diespeck. Danach zogen die vielen Gruppen und die prächtig geschmückten Pferdegespanne weiter. Auf Höhe der Stadtkirche, legte man einen Stopp ein zum ökumenischen Kirchweihsingen, wenige Meter weiter am Geburtshaus von Adolf Scherzer, wo der bayerische Defiliermarsch gespielt wurde.
Von da aus ging es zügig zum Musikpavillon, wo sich nach und nach immer mehr Menschen einfanden. Dekanin Ursula Brecht erinnerte an den 470. Geburtstag der Stadtkirche. Sie sei der eigentliche Grund, weshalb die Kirchweih stattfindet. In diesem Jahr naturgemäß zum 470. Mal. „Wie bei einem Geburtstag üblich, wollen wir aber nicht nur gratulieren, sondern auch feiern”, betonte sie und lud alle zum Festgottesdienst am nächsten Morgen ein. Diese Einladung nahmen viele am Sonntag an. Brecht wünschte sich, dass mit viel Schwung, aber ohne Katastrophe, mit viel Begeisterung, aber ohne Zank, mit viel Sonne, aber ohne Sonnenstich und niederschlagsfrei gefeiert wird.
Danach begrüßte Bürgermeister Alexander Müller die Gäste aus Nah und Fern, von denen viele ehemalige Ortsbewohner extra zur Kirchweih angereist waren . „Einmal Neustädter immer Neustädter”, betonte Müller folgerichtig unter Beifall und begrüßte die zahlreichen Ehrengäste und Zugteilnehmerinnen und -teilnehmer.
Nachdem er alle bis auf die Fastnachtsgesellschaft Geißbock aufgelistet hatte, machten sich diese lautstark bemerkbar und wurden noch einmal gesondert willkommen geheißen. Mit dabei waren in diesem Jahr auch wieder die Abiturientinnen und Abiturienten des Neustädter Friedrich-Alexander-Gymnasiums.
Für die Neustädter beginne mit dem Kirchweihauftakt der wichtigste Tag im Jahr, stellte Müller fest. Dies sei ein guter Grund für ihn gewesen, sich in Schale zu werfen und sogar eine Krawatte zu tragen, so der neue Bürgermeister weiter. „Seit Generationen gehört die Kirchweih fest zu unserer Stadt und ist weit über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt.” Neun Tage werde nun gefeiert, gelacht, getanzt und unter den Bäumen gesessen. Als etwas Besonderes und als Alleinstellungsmerkmal hob er das Kerwadorf hervor. Tradition, Gemeinschaft und Lebensfreude machten die Kirchweih aus.
Müllers Dank galt all denen, die das große Fest erst möglich machten, den Vereinen, Schaustellern, Gastronomen, den vielen Helferinnen und Helfern, dem Bauhof, den Mitarbeitenden der Stadtverwaltung, aber auch dem BRK, der Feuerwehr, dem THW und der Polizei. Nicht unerwähnt blieben die Spender. „Ohne sie wäre die Kerwa in Zeiten knapper Kassen nicht möglich.”
Gut besucht war nach der Andacht am Sonntag in der Stadtkirche auch der Kirchweihgottesdienst auf dem Festplatz, der im Schatten der Bäume gefeiert wurde. Für die musikalische Umrahmung sorgte der Posaunenchor. Die Predigt hielt Pfarrerin Ruth Neufeld, sie hatte den Gottesdienst gemeinsam mit dem Kirchenvorstand vorbereitet. Im Mittelpunkt stand die Zachäus-Geschichte aus dem Lukas-Evangelium. Hier gehe es, so Neufeld, darum, sich auf Augenhöhe und mit Respekt zu begegnen. Wichtig sei, nicht nur seine eigenen Probleme zu sehen, sondern offen für die Menschen zu sein, die uns begegnen – auch auf der Kirchweih. Eine Anregung, die die meisten sicherlich gern in den nächsten Tagen auf dem Festplatz beherzigen werden.