Mit dem lang ersehnten Projekt Dorfladen kann es in Mitteleschenbach jetzt losgehen. Die Fördergelder sind zugesagt. Erste Gewerke möchte die Kommune schon in den kommenden Wochen vergeben, blickt Bürgermeister Stefan Bußinger freudig voraus.
Alles steht in den Startlöchern für den Schlusssprint. Im besten Fall soll der Laden noch vor der Kirchweih Mitte Oktober eröffnen. „Ein sportlicher Zeitplan”, gibt Bußinger zu. Jetzt ist der Startschuss gefallen: Das Amt für Ländliche Entwicklung Mittelfranken hat die Förderung zugesagt.
Amtsleiter Wolfgang Neukirchner überreichte Bußinger nun die Urkunde für die „einfache Dorferneuerung“. Unter diesem Begriff läuft das Vorhaben. Zugesagt ist eine Fördersumme von rund 378.000 Euro. Für das ganze Projekt sind Kosten von etwa 971.000 Euro vorgesehen.
Ein Blick auf die Planung: Schon seit der Edeka vor drei Jahren zusperrte, sammelt die Kommune Ideen zu einem Laden. Eine schnelle Lösung gab es nicht. Mehrere Pläne sind über die Jahre verworfen worden.
Vor einem Jahr hat die Gemeinde dann aber das Gebäude im Zentrum des Orts, direkt beim Gänswosn-Brunnen, gekauft. Vorher war dort eine Filiale der VR-Bank. Die Absicht war klar: Hier soll ein Dorfladen entstehen. Mehr noch: ein Begegnungsort.
Kein Personal, dafür rund um die Uhr geöffnet – das ist das Konzept. Nur in wenigen Stunden werden die Betreibenden, Christina und Andreas Sixtbauer, selbst vor Ort sein. Am Anfang möchten sie sich allerdings intensiv um die Kundinnen und Kunden kümmern. Alle Bürgerinnen und Bürger sollen die Möglichkeit haben, das System kennenzulernen. Das Betreiber-Paar bringt Erfahrung mit: Er bringt als Bäckermeister das Fachwissen fürs Handwerk mit, sie steuert ihr Wissen aus einem Edeka-Markt bei.
Wie aus einer Mitteilung der Gemeinde nach dem jüngsten Infoabend für die Bürgerinnen und Bürger hervorgeht, soll der Laden 125 Quadratmeter groß sein. Um hineinzukommen, muss man eine EC- oder Kundenkarte haben. Neben Lebensmitteln werden in den Regalen auch Kosmetika, Reinigungsmittel und mehr stehen. Mit 1500 Artikeln soll es losgehen, heißt es. Das Sortiment soll sich aber weiterentwickeln. Wer einen Wunsch hat, kann ihn auf einem Schwarzen Brett notieren.
Die Firma „Bartels und Langness“ übernimmt die Belieferung. Auch regionale Produkte sollen einen festen Platz haben, so das Versprechen. Für alle, die auf einer Radtour oder auf dem Weg zur Arbeit noch eine Stärkung brauchen, ist auch gesorgt. Eine Kaffeemaschine wird es geben. Außerdem bringt die Bäckerei Kleeberger aus Gunzenhausen täglich frische Backwaren.
Neben der Nahversorgung wird eine weitere Lücke im Ort geschlossen: Mitteleschenbach bekommt öffentliche Toiletten. Die gab es bisher nicht. Was von der VR-Bank bleibt, ist ein Bankautomat. Dort können auch Kundinnen und Kunden der Sparkasse Geld abheben.
Neben dem Laden ist ein Café geplant. Dort ist Platz für rund 30 Gäste. Ein Thekenbereich bildet den Übergang zur Küche. Mit den neuesten Plänen wird diese noch etwas größer, verrät Bußinger. Damit Geräte wie Kombidämpfer ausreichend Platz finden, haben die Verantwortlichen mit der Planerin Katrin Ott von der Bosch Gruppe aus Gunzenhausen noch ein paar Quadratmeter herausgeholt. Die Kommune versucht, das Café zu verpachten, so Bußinger.
Doch auch rund um das Haus ist viel geplant. Ein Teil der gepflasterten Fläche wird begrünt. Ein Spielplatz für Kinder entsteht. Außerdem ist eine Terrasse geplant, die immer zugänglich sein soll. Radelnde können eine Pause einlegen oder Freundesgruppen aus Mitteleschenbach ein Feierabendbier trinken, so die Idee.
Im Café und im Außenbereich sollen die Generationen zusammenkommen, sagte der Rathauschef bei der Übergabe der Dorferneuerungs-Urkunde. Es soll ein Begegnungsort werden. Vereine und Gruppen, die sich bisher oft im Gemeindesaal zusammenfinden, bekommen hier einen Platz. Das ist wichtig für den Ort. Denn viele Wirtshäuser gibt es auch nicht mehr.
Das Gebäude wird barrierefrei. Eine Voraussetzung für die Förderung, erklärte auch ALE-Chef Neukirchner. Das Projekt entspreche den Leitprinzipien des Amtes. Der soziale Zusammenhalt wird mit Café und Außenbereich gestärkt und mit der Einkaufsmöglichkeit wird die Daseinsvorsorge gesichert. „Das ist gelebte Innenentwicklung”, lobte Neukirchner.
Die ersten Gewerke möchte Bußinger schon in den Juni- und Juli-Sitzungen des Gemeinderats beauftragen. Wenn die Handwerksunternehmen dann Hand in Hand arbeiten, kann es mit der Eröffnung im Herbst klappen, blickte er voraus. Auf die freut sich der ALE-Chef schon. Bis dahin wünschte er eine unfallfreie Baustelle.