„Meine Sachen passen eigentlich jedem. Einfach reinschlüpfen und wohlfühlen“, sagt Bettina van Recum. Bei ihr gibt es nur eine Größe, nichts ist tailliert, jedes Kleidungsstück ist ein Unikat. Das macht ihre Kleider, Jacken, Röcke, Blusen, Hosen und Shorts zu etwas Besonderem. Dabei hat die 52-Jährige das Nähen nie gelernt.
Die gebürtige Bambergerin arbeitet schon seit mehr als 25 Jahren für den Bayerischen Rundfunk als Kamerafrau. Vor ein paar Jahren erstand sie eine Nähmaschine und wollte einen Nähkurs belegen. Daraus wurde jedoch nichts „Ich habe es nie geschafft.“ Als eine Freundin sich eine gute Nähmaschine kaufte, um Bio-Bekleidung zu kreieren, erstand auch sie ein hochwertiges Exemplar und schneiderte sich ein Kleid, das sie zur Arbeit anzog. Dieses gefiel einer Kollegin so gut, dass sie auch eines haben wollte. Es folgten weitere Aufträge. Inzwischen hat die ausgebildete Fotografin ihre Stelle beim Fernsehen auf 50 Prozent gekürzt, um sich verstärkt ihrer großen Leidenschaft – dem Nähen – in Hagenbüchach zu widmen.
Inzwischen vergeht kaum ein Tag, an dem sie nicht an der Nähmaschine sitzt. „Ich kann gar nicht anders“, sagt die fröhliche 52-Jährige mit den orange-gelb gefärbten Haaren. „Ich mache es mit Herzblut und habe immer Ideen im Kopf, die ich umsetzen will.“ Wenn ihr etwas einfällt, entschwindet sie in ihr lichtdurchfluteten Atelier, das sie sich im Haus eingerichtet hat und legt los.
Sie sieht es inzwischen als Vorteil an, das Nähen nicht gelernt zu haben. „Es muss nicht perfekt sein. Man ist frei, wenn man nicht weiß, wie es richtig geht. Ich mache es so, wie ich es denke“, stellte sie fest und grinst. „Ich nähe einfach drauf los.“ Wenn sie einmal nicht weiter weiß, ist das Internet behilflich. In den Sozialen Medien finden sich Videos, die ihr auf die Sprünge helfen. „Zur Not trenne ich eine Naht eben zehn Mal wieder auf.“ Entmutigen lässt sie sich nicht. Sie hat ihren Stil gefunden. Den einmal entworfenen Grundschritt hat sie über die Jahre modifiziert und ändert ihn nach Lust und Laune. Wichtig ist ihr eines: Sie will wenig Stoff verschwenden und wegwerfen. Reißverschlüsse verwendet sie nicht. Hosen bekommen einen Gummibund verpasst – das ist schön bequem.
„Meine Sachen sind quadratisch, praktisch, gut.“ Viel Schnickschnack gibt es nicht. Sie liebt bunte Farben auch im Haus und Garten. Dies stellt jeder fest, der sie besucht. Der Stoff ihrer Kleidung soll sich gut anfühlen, hochwertig sein, am besten Bioqualität haben.
Bei einem Großteil ihrer Kleidungsstücke handelt es sich um Upcycling. Aus alten Klamotten, die sie etwa auf Flohmärkten oder in Secondhandläden ersteht, oder aus überschüssigen Bettlaken, Decken oder Bett- und Tischwäsche kreiert sie etwas Neues – schlichtweg Unikate. Alles wird bunt gemixt – Farben, Muster und Stoffmaterialien. So gibt es ein modisches Upgrade für Ausrangiertes. Eine Jeansjacke wird etwa mit Teilen eines Kleides, Omas Häkeldeckchen und dem Bund einer Hose aufgemotzt.
Erlaubt ist, was ihr gefällt. Und das lieben ihre Kundinnen und Kunden. Zu erstehen sind ihre Sachen auf Märkten, die sie besucht. Gut laufen die Geschäfte in Österreich und im Raum Frankfurt. Dort hat sie schon Stammkundschaft. Man kann aber auch bei ihr vorbeikommen, nachdem im Vorfeld ein Termin vereinbart wurde, unter der Telefonnummer 0170/4 16 72 82 oder hi@schneebeere.com. Einige Sachen hat sie immer parat. Auf Bestellung fertigt sie nichts an, einen Online-Shop betreibt sie nicht. Auf ihrer Homepage hat sie einige Sachen ansprechend in Szene gesetzt. Eine Bekannte fungiert als Model. Wie man sie ins rechte Licht rückt, das weiß Bettina van Recum dank ihre Ausbildung zur Fotografin genau.
Inzwischen hat sie sogar ein eigenes Label. Unter dem Namen „Schneebeere“ vertreibt sie ihre Sachen. Die Idee lieferte ihr aus dem Jahre 1970 stammendes Auto, ein weißer MG. Die 1970er stehen auch sonst bei Farbkombinationen und Mustern Pate. Die Kreationen sind dann aber meistens leuchtend bunt und wildgemustert.