Es ist in Wilhermsdorf seit fast acht Jahren allgegenwärtig: das Bürgermobil (BüMo). Doch seit Januar chauffieren die Ehrenamtlichen ein neues BüMo-Fahrzeug durch den Ort. Dieser Kleinbus hat zum einen noch keine Sponsorenaufkleber angebracht, zum anderen fährt er fast schon lautlos, denn er ist vollelektrisch.
Am 3. Oktober 2016 konnten die Wilhermsdorfer erstmals ihren örtlichen Anrufbus kostenlos nutzen. Der mit Einstiegshilfen versehene Ford Transit war damals mit finanzieller Hilfe des europäischen Leader-Fördertopfes beschafft worden. Doch vor zwei Jahren wurde das Dienstende des Gefährts absehbar: Die rege Nachfrage hatte dem mit einiger Sponsoren-Werbung beklebten Fahrzeug zugesetzt.
Deshalb trat das BüMo-Team um den Seniorenratsvorsitzenden Helmut Tichy an die Gemeinde heran mit der Bitte um möglichst zeitnahe Neubeschaffung. Dem Wunsch stimmte im November 2022 der Wilhermsdorfer Haupt- und Finanzausschuss grundsätzlich zu. Danach kümmerte sich Rathausmitarbeiterin Marion Däumler um die Suche nach dem passenden Vehikel.
Dabei beherzigte sie den Beschluss des Marktgemeinderats aus dem Jahre 2018: „Bei Neubeschaffungen ist ein Elektrofahrzeug zu bevorzugen, soweit wirtschaftlich darstellbar.“ So lief es recht schnell auf einen E-Bus hinaus. Dank einer Rabattaktion stand ein Angebot von 52.000 Euro für einen Opel im Raum. Der Gemeinderat gab im Februar 2023 grünes Licht, und nach einigem Hin und Her beim Liefertermin kam der Elektro-Kleinbus im Januar 2024 in Wilhermsdorf an.
„Es ist gut, dass es so schnell gegangen ist“, sagte Tichy – und das auch noch ohne öffentliche Fördermittel. Er blickt dabei auf die Debatten in einigen Kommunen rund um Wilhermsdorf, wo die Neubeschaffung für betagte Bürgerbusse mal gar nicht, mal mit langem Vorlauf klappt. Denn eines ist nach seiner Aussage völlig klar: „Das Bürgermobil ist aus Wilhermsdorf nicht mehr wegzudenken.“ Vielleicht hat es deshalb für den Neukauf einige Spenden gegeben: Von Nutzern 4500 Euro im Jahr 2023, dazu haben Firmen 4400 Euro zugesagt, und bei der Bürgerstiftung gingen über 2000 Euro dafür ein.
Das BüMo werde im Übrigen nicht nur von Senioren gebraucht, die mangels fahrbarem Untersatz mal zum Arzt, mal zum Einkaufen gebracht und wieder abgeholt werden: beispielsweise fordern es auch Väter oder Mütter mit Kinderwagen an oder Menschen, die wegen einer momentanen körperlichen Einschränkung auf einen Transport in einem Fahrzeug mit viel Platz angewiesen sind.
Apropos Behinderung: die existiert momentan noch beim Einstieg ins „BüMo 2“. „Die Trittstufe muss noch montiert werden“, bestätigt die gemeindliche Quartiersmanagerin Doris Last. Sie ist in der Verwaltung für die Organisation verantwortlich. Und eine solche ist auch notwendig bei aktuell 17 ehrenamtlichen Fahrern und etwa 30 Fahrten täglich.
Die Anzahl der Fahrer (17) – die eine der Schichten von Montag bis Freitag zwischen 8 und 12.30 Uhr sowie zwischen 12.30 und 17 Uhr übernehmen – ist derzeit „das absolute Minimum“. Das ganze Team hofft darauf, dass sich weitere Freiwillige mit Autoführerschein melden. „Man braucht Lust, Interesse, Zeit für eine Schicht. Man kann als ,Fester‘ oder als Springer einsteigen. Zuerst muss man eine Schicht mitfahren, dann folgen Fahrten in Begleitung“, erklärt Doris Last.
Die Mannschaft des Fahrdienstes kennt sich offensichtlich auch untereinander ganz gut, wie bei einem Schichtwechsel um 12.30 Uhr am Bauhof zu erleben ist. Andrea Zeilinger – sie ist von Anfang an beim BüMo dabei – übergibt gerade das Fahrzeug an Werner Herbolzheimer, der sich seit sechs Jahren hier engagiert. Beide gehören übrigens zu jener weit überwiegenden Gruppe von Fahrern, die mit dem neuen E-Fahrzeug sehr gut zurechtkommen: „Weil es so komfortabel ist.“ Und womöglich auch, weil das „Tanken“ nachts an der Bauhof-Steckdose erledigt wird.