Fahrbericht Toyota bZ4X: Warum nicht gleich so? | FLZ.de

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Veröffentlicht am 13.02.2026 06:00

Fahrbericht Toyota bZ4X: Warum nicht gleich so?

Der überarbeitete Toyota bZ4X. (Foto: Toyota via Autoren-Union Mobilität)
Der überarbeitete Toyota bZ4X. (Foto: Toyota via Autoren-Union Mobilität)
Der überarbeitete Toyota bZ4X. (Foto: Toyota via Autoren-Union Mobilität)

Zu seinem Marktstart im Sommer 2022 hatte es der Toyota bZ4X nicht leicht. Während er in Norwegen zum Verkaufsschlager avancierte, blieb Toyotas erstes reines Elektroauto in Deutschland ein Nischenmodell.

An der abstrakten Modellbezeichnung lag das allerdings weniger: Das „bZ“ steht für „Beyond Zero“ und bezeichnet Toyotas Elektro-Submarke, die „4“ ordnet das Auto größenmäßig etwa auf RAV4-Niveau ein, und das „X“ weist auf die Crossover-Bauform hin.

Entscheidend für den schweren Start waren vielmehr die mäßigen Ladezeiten und die überschaubare Reichweite, durch die der Japaner im Vergleich zur Elektrokonkurrenz ins Hintertreffen geriet. Deshalb will Toyota den bZ4X mit einer umfassenden Modellüberarbeitung nun nach vorne bringen.

Umfassendes Update

Das ab diesem Januar erhältliche Update umfasst nicht nur optische Änderungen, sondern vor allem technische Neuerungen, die dem japanischen ID-4-Konkurrenten eine zweite Chance im hart umkämpften Elektro-SUV-Segment sichern sollen.

Die auffälligsten optischen Retuschen betreffen die Frontpartie. Mit der spitz zulaufenden Nase, dem schmalen Tagfahrlichtband und den filigranen Blinkern wirkt der bZ4X nun deutlich dynamischer. Die Hauptscheinwerfer sitzen jetzt tiefer im Stoßfänger. Seitlich sorgen hochglänzend schwarz lackierte Radhausverkleidungen für einen wertigeren Eindruck, wo zuvor unlackierter Kunststoff zum Einsatz kam.

Die Karosserieform und Abmessungen des 4,69 Meter langen SUV bleiben unverändert, ebenso die links positionierte Ladeklappe, die beim Stromtanken je nach Ladesäule nicht immer ideal liegt.

Mehr Reichweite mit kräftiger Batterie

Dafür wurde der elektrische Antriebsstrang kräftig überarbeitet. Anstelle von nur einer Batterie bietet Toyota nun wahlweise zwei Größen an. Das neu eingeführte Basismodell mit 123 kW (163 PS) hat zwar nur einen 57,7 kWh-Akku an Bord, doch dürfte eine Reichweite von bis zu 444 Kilometern für die meisten Pendler ausreichen.

Dank eines neuen Batteriedesigns mit optimierter Zellstruktur konnte jedoch die Kapazität für die weiteren Varianten leicht erhöht werden, ohne die e-TNGA-Plattform grundlegend zu verändern. So stieg die Akkukapazität der kräftigeren Ausführungen von 71,4 auf 73,1 Kilowattstunden.

Während die Leistung der Frontantriebsversion um 5 Kilowatt (6 PS) auf 165 kW (224 PS) erhöht wurde, kommt das Allradmodell jetzt auf üppige 252 kW (343 PS) statt zuvor lediglich 160 kW (218 PS). Die Reichweite des Fronttrieblers liegt bei 569 Kilometern, mit Allrad beträgt der maximale Aktionsradius 516 Kilometer. Das sind rund 100 Kilometer mehr als bisher.

Darüber hinaus verfügt die AWD-Variante nun über eine Anhängelast von 1,5 Tonnen, während sie bei den beiden Fronttrieblern mit 750 kg gleichgeblieben ist.

Vorkonditionierung serienmäßig

Mit Vorderradantrieb fließt der Wechselstrom dreiphasig und mit 11 kW, während der Allradler an der Wallbox mit flotteren 22 kW seinen Strom zapft. In puncto Schnellladen bleibt es bei allen Modellen hingegen bei maximalen 150 kW. So dauert es rund 28 Minuten, um die Akkus von 10 auf 80 Prozent zu füllen – damit liegt der bZ4X eher im Durchschnitt. Neu ist jedoch die Möglichkeit, das Speicherdepot vorzuwärmen. Das reduziert insbesondere bei niedrigen Temperaturen die Standzeiten an der CCS-Ladesäule.

Agil und trotzdem komfortabel

Der gefahrene Fronttriebler erweist sich als angenehm. Seine 224 PS gehen tatkräftig zur Sache und da Toyota auch das Fahrwerk modifiziert hat, umrundet er Kurven nun spürbar handlicher sowie präziser.

Positiv ist auch, dass der Fahrkomfort nach der Überarbeitung nicht beeinträchtigt wird. So spricht der bZ4X weiterhin sehr feinfühlig auf Unebenheiten an und erweist sich als sehr leise. Dass dabei ebenfalls die Abroll- und Windgeräusche auf einem erfreulich niedrigen Niveau liegen, ist vor allem der verbesserten Geräuschdämmung zu verdanken: Neben mehr Dämmung in den Radkästen verfügt der Toyota nun über eine doppelte Akustikverglasung in den Vordertüren.

Überarbeitung des Innenraumes

Im Zuge des Facelifts wurde auch der Innenraum umgestaltet. Der Fahrer blickt nun auf ein klar strukturiertes Kombiinstrument, das sich einfacher ablesen lässt und wie zuvor oberhalb der Windschutzscheibe positioniert ist. Rechts daneben macht sich das Multimedia breit, denn der Touchscreen ist von 12,3 auf 14 Zoll gewachsen. Das einfach bedienbare Infotainment arbeitet schnell und reagiert zuverlässig auf Sprachbefehle und bezieht jetzt auch Ladestationen in die Routenführung der Online-Navigation mit ein.

Das Platzangebot im Toyota ist nach wie vor üppig. Obwohl auf ein klassisches Handschuhfach verzichtet wurde, stehen genügend Ablagemöglichkeiten zur Verfügung. In der Mittelkonsole gibt es außerdem nun zwei induktive Ladestationen für Smartphones statt bisher nur eine.

Zugelegt hat der Japaner auch in Sachen Materialanmutung. Die verwendeten Kunststoffe am Cockpit und an den Türen sehen nicht nur wertiger aus, sondern fühlen sich auch genauso gut an.


Von Guido Borck/aum
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