In Neustadt/Aisch ist am frühen Dienstagmorgen erneut ein Wohnhaus in der Buchberg-Siedlung durchsucht worden. Wie mehrere Anwohnende übereinstimmend berichten, sollen Spezialkräfte der Polizei mit Gewalt in das Haus eingedrungen sein. Die Razzia lief über Stunden.
Das Haus war bereits am 22. Oktober Ziel einer Durchsuchungsaktion unter Federführung der Staatsanwaltschaft Frankfurt. Sie ermittelt gegen einen 50-Jährigen „wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz und der Geldwäsche”.
Der Geschäftsmann wohnte zumindest zeitweise in Neustadt, auch am Klingelschild ist der entsprechende Nachname angeschrieben. Das große Anwesen verbirgt sich hinter hohen Mauern, ist kaum einsehbar. Am Gartentor warnt ein Schild Neugierige deutlich: „Betreten verboten”, darüber ein Hund.
Die Polizei hielt das allerdings nicht ab: Die Razzia begann nach Beobachtung von Anwohnenden am frühen Morgen gegen 6.30 Uhr. „Es gab einen lauten Knall, fast wie ein Kanonenschlag. Ich habe schon gedacht, da ist eine Bombe hochgegangen”, erzählt eine Person aus der Nachbarschaft. „Da haben fast die Fensterscheiben gewackelt.” Anschließend seien weitere kurze Schläge erklungen. Einen Schusswaffeneinsatz dementiert das beteiligte Polizeipräsidium Mittelfranken auf FLZ-Anfrage und verweist in allen anderen Belangen auf die Frankfurter Staatsanwaltschaft. Offenbar wurde aber mindestens eine Eingangstür aufgesprengt.
Auf der Straße seien schwer bewaffnete Polizisten gestanden, berichtet ein Beobachter. Auch die Feuerwehr war mit mehreren Fahrzeugen vor Ort. Wer in der Umgebung sein Haus verlassen wollte, sei von den Einsatzkräften gedrängt worden, wieder ins Innere zu gehen. Außerdem sei eine Durchsage erklungen, wonach etwaige Personen im durchsuchten Anwesen „mit erhobenen Händen” das Haus verlassen sollten.
Nach Aussage der Staatsanwaltschaft handelte es sich bei der Razzia „um eine Folgemaßnahme” zur zurückliegenden Durchsuchung im Oktober. Ob sich im Haus Personen befanden und ob es zu Festnahmen kam, dazu erteilte die Pressestelle keine Auskunft. Keine Antwort gab es zudem auf die Frage, ob gegen den 50-Jährigen ein Haftbefehl vorliegt.
Im Neustädter Wohnviertel ist der Mann jedenfalls durchaus bekannt, auch wenn er in den vergangenen Jahren zunehmend seltener gesehen wurde. Von der Nachbarschaft zurückgezogen, gleichzeitig schicke Autos rund um das Anwesen, ein Jetset-Leben, das in sozialen Medien zur Schau gestellt wurde: Geschichten kursieren in Neustadt viele über den Mann, seinen angeblich sagenhaften Reichtum und auf welche Art er diesen erworben hat. Was von diesen vielen Gerüchten stimmt, wird sich eventuell durch die Ermittlungen der Strafverfolgungsbehörden und einen darauf möglicherweise folgenden Prozess erweisen.