Einmal Trainer, immer Trainer: Letzter Titel für Pesic? | FLZ.de

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Veröffentlicht am 14.05.2026 09:04

Einmal Trainer, immer Trainer: Letzter Titel für Pesic?

Svetislav Pesic geht in seine letzten Playoffs als Trainer. (Archivbild) (Foto: Sven Hoppe/dpa)
Svetislav Pesic geht in seine letzten Playoffs als Trainer. (Archivbild) (Foto: Sven Hoppe/dpa)
Svetislav Pesic geht in seine letzten Playoffs als Trainer. (Archivbild) (Foto: Sven Hoppe/dpa)

Svetislav Pesic ohne Basketball - das ist kaum vorstellbar. Und so kommt es auch nicht sonderlich überraschend, dass der 76 Jahre alte Serbe nach seinem angekündigten Karriereende als Trainer zum Ende der Saison andeutete, seiner geliebten Sportart doch irgendwie verbunden zu bleiben. „Ich kann mir sehr gut vorstellen, dem FC Bayern in einer anderen Funktion erhalten zu bleiben. In München werde ich sowieso bleiben, warum dann nicht auch bei den Bayern?“, sagte Pesic in einem Sport1-Interview. „Der FC Bayern liegt mir am Herzen.“

Das war auch der Grund, warum der alte Trainerfuchs im vergangenen Jahr kurz vor Weihnachten noch einmal an die Seitenlinie zurückkehrte. Nachdem sich die Münchner von Weltmeister-Coach Gordon Herbert getrennt hatten, übernahm Pesic das strauchelnde Star-Ensemble von der Isar.

Letzte Playoffs für Pesic

Für die Playoffs in der Euroleague reichte es zwar nicht mehr, doch Pesic gelang es, das Bayern-Team zu stabilisieren und in der Bundesliga souverän Platz eins vor Alba Berlin zu behaupten. Weshalb die Münchner mit dem Heimvorteil und als klarer Favorit in die an diesem Wochenende beginnenden Playoffs gehen. Es werden die letzten Playoffs für den Trainer Pesic - und die sollen mit einem letzten Titel gekrönt werden.

Es wäre der würdige Abschluss einer großen Trainerkarriere. Nur wenige Coaches haben den europäischen Basketball so sehr geprägt wie der am 28. August 1949 im serbischen Novi Sad geborene Pesic. 1993 führte er Deutschland in der Münchner Olympiahalle sensationell zum EM-Titel. 2001 und 2002 holte er mit Jugoslawien Gold bei der EM und der WM.

Lob vom Sohn

22 Jahre später gewann er bei Olympia in Paris gegen Deutschland die Bronzemedaille, nachdem er sich mit Serbien ein Jahr zuvor im WM-Endspiel der Auswahl des Deutschen Basketball Bundes noch hatte geschlagen geben müssen. Als Club-Trainer hinterließ Pesic bei Alba Berlin (Korac-Cup Sieg 1995), beim FC Barcelona (Euroleague-Champion 2003) und eben bei den Bayern seine Spuren.

„Er hat bei jedem größeren Wettbewerb im Jugend- und Herrenbasketball eine Medaille gewonnen“, sagte sein Sohn Marko nach dem Gewinn von Bronze bei Olympia in Paris über seinen Vater. „Er ist ein Vorbild für Hingabe, Engagement und die Bereitschaft, nie aufzugeben und nie aufzuhören zu lernen! Ich bin so stolz!“

Impulsive Art

Bei all seinen Stationen lebte Pesic den Basketball mit Haut und Haaren. Nicht selten geriet er mit seinen Spielern oder den Schiedsrichtern lautstark aneinander. Noch vor kurzem ging ein Video in den Sozialen Medien viral, in dem Pesic lautstark auf fast die komplette Bayern-Mannschaft einredete. „Ich lebe sehr intensiv und deshalb erwarte ich dieselbe Intensität auch von den Leuten um mich herum. Es ist nicht immer einfach mit mir“, räumte Pesic ein, dessen Sohn Marko der große Architekt des Basketball-Projekts in München ist.

Doch nun soll Schluss sein mit dem Stress an der Seitenlinie. „Vor einem Euroleaguespiel Anfang Januar lag ich im Hotelbett, und plötzlich habe ich mich gefragt: Was machst du eigentlich hier, bist du verrückt? Du bist bald 77 Jahre alt und immer noch Trainer. Die 90 schaffst du noch, das sind noch 13 Jahre. Da sagte ich mir: Schluss mit Basketball, hör endlich auf!“, sagte Pesic Ende März in einem „Zeit“-Interview.

Nun biegt seine große Karriere tatsächlich auf die Zielgerade ein. Das Trainerdasein hat ihn stets jung gehalten. „Das ist der große Vorteil als Trainer: Ich gehe nicht zum Abendessen mit Leuten in meinem Alter, die ständig über Herzinfarkte, ihre Prostata oder über Rückenschmerzen sprechen“, sagte Pesic. „Einmal Trainer, immer Trainer“, bilanzierte der Serbe in seiner jüngst erschienenen Biografie „Immer weiter“. Denn auch, wenn er sich etwas in die zweite Reihe zurückziehen wird: In Pesic wird das Trainerherz immer weiter schlagen.

© dpa-infocom, dpa:260514-930-78640/1


Von dpa
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