Dieses Jahr feiert das Ensemble Neue Nürnberger Ratsmusik sein 20-jähriges Bestehen. Zu Besuch war es am Samstag in der Dreieinigkeitskirche in Lichtenau, in der das Barockorchester ein bemerkenswerte Vorstellung gab: Es rekonstruierte, so das Programm, „ein fiktives Konzert“ in Leipzig im Jahr 1743, bei dem angeblich der Ansbacher Dichter Johann Peter Uz zugegen war.
Es ist eine originelle Idee, einem Konzert eine Rahmenhandlung zu verleihen. Michael Kämmle, ein Musiker mit schriftstellerischen Neigungen, hat um ein tatsächliches Ereignis in Leipzig eine Geschichte gewebt, in der der Ansbacher Dichter Uz (1720 bis 1796) als Leitfigur den roten Faden liefert. Es geht dabei um ein Konzert, das wirklich stattgefunden hat, und allgemein als Vorläufer späterer großer Konzertereignisse im Gewandhaus gilt. Kompositionen von Johann Sebastian Bach, Christoph Graupner, Georg Philipp Telemann und eines gewissen Giovannini standen auf dem Programm.
Der junge Uz weilte zu dieser Zeit für einige Wochen tatsächlich in Leipzig, wo er eigentlich ein Studiensemester in der Jurisprudenz belegen wollte.
Doch die Universität sieht wenig von ihm, denn Uz setzt andere Schwerpunkte. Ihm soll bei diesem bemerkenswerten Konzert seine große Liebe begegnet sein: Chloe. Eine schicksalhafte Zusammenkunft, die unglücklich endet und angeblich dafür verantwortlich zeichnet, dass Uz nie geheiratet hat und als Hagestolz, sprich „unbeweibter Mann“, den Rest seines Lebens fristete.
Michael Kämmle hat diese Geschichte ausgemalt und geschickt als Moderationsfaden in das Konzert des Nürnberger Orchester gewebt. Die Musik als solche macht es dem Zuhörer leicht, sich in längst vergangene Zeiten zurückzuversetzen. Denn das Ensemble begnügt sich nicht damit, Stücke aus jener Zeit einfach nur nachzuspielen, sondern stützt sich auf historische Instrumente.
Nachbauten oder auch manches Original erzeugen einen Klang, der von der Farbe her ganz anders ist als der moderner Orchester. Ein warmer, gleichsam strahlender Ton mit einnehmender Weichheit.
Erzeugt wird er vor allem dadurch, dass die Streicher ausschließlich Darmsaiten verwenden. Bis auf eine Ausnahme: Gunther Hillienhoff spielt eine Viola d’amore. Deren Resonanzsaiten, die zu den Spielsaiten mitschwingen, sind aus Stahl und ergeben einen ganz besonderen, leicht metallischen Klang, der sich reizvoll von den anderen Streichinstrumenten abhebt. Statt eines Klaviers kommt selbstverständlich ein Cembalo zum Einsatz, gespielt von Florian Reuthner. Moderator Michael Kämmle spielt ebenfalls Instrumente, die typisch für den Barock sind: die Flauto d’amore und die Traversflöte. Ihm zur Seite Armin Köbler ebenfalls mit der Traversflöte und der Oboe d’amore. Angereichert wird das Orchestrale durch den Gesang des Baritons Manuel Krauß.
Es ist also viel auf die Liebe abgestimmt, auch wenn sie tragisch ausgeht. Viel glücklicher konnte sich daher der Zuhörer schätzen, der diesem außergewöhnlichen Konzert lauschen durfte. Da mochte im Hintergrund der Donner des aufziehenden Gewitters noch so bedrohlich grollen.