Wie schwer dieser 1:0-Heimsieg in der Fußball-Regionalliga über die SpVgg Hankofen-Hailing gefallen war und mit welchen Mitteln der knappe Vorsprung verteidigt werden musste, ließ sich gut an der Aufstellung der SpVgg Ansbach ablesen. Am Ende standen alle verfügbaren Innenverteidiger auf dem Platz.
Und wer weiß, ob Trainer Niklas Reutelhuber in der Nachspielzeit nicht mit dem Gedanken spielte, einen seiner Assistenten mit einem Trikot in der Hand auf die Tribüne zu schicken, um von dort den legendären SpVgg-Libero Reiner Eisenberger zu einem letzten Kurzeinsatz zu holen. Denn trotz der vielen Verteidiger wurden die nullneuner den Dorfbuam einfach nicht Herr in dieser zweiten Halbzeit, die an ein anderes Spiel gegen einen Abstiegskandidaten erinnerte.
Im Oktober entführte das als Tabellenletzter angereiste Schwaben Augsburg die Punkte aus Ansbach. Eine solche Blamage blieb den Ansbachern diesmal erspart.
Der fest eingeplante siebte Heimsieg gelang durch ein Tor von Lukas Schmidt, dessen Entstehung zeigte, wie unterschiedlich Glück und Pech in diesem Spiel verteilt waren. Fanol Lutolli fälschte den Schuss des Ansbacher Offensivspielers unhaltbar ab. Jener Lutolli, der später an der Latte scheiterte.
Es gab noch mehrere Szenen, die Gästetrainer Tobias Beck als Beweis für seine These („Der Fußballgott ist derzeit einfach nicht mit uns”) anführen konnte. Die Abwehraktion des nicht immer sicher wirkenden Jan Mottl im Ansbacher Tor gegen Andreas Wagner etwa, nach der der Ball eben nicht Richtung Tor, sondern Richtung Seitenaus rollte, und eine ganze Menge weiterer teils hervorragender Torchancen.
Ein klassischer Arbeitssieg.
Nichts mit Glück oder Unglück, sondern mit einer Erkenntnis des Trainers zu tun hatte die Art und Weise, wie der Tabellenletzte die zweite Halbzeit dominierte. „Ich habe in der Pause angesprochen, dass uns Ansbach hinter der ersten Angriffsreihe viele Räume bietet, wo wir Spielverlagerungen generieren können”, so Beck, „wir hatten dann die Ballsicherheit und auch den Mut und wir haben gemerkt, die geben uns was”.
Spielanteile nämlich, anders als in der ersten Halbzeit, in der die Ansbacher ihr Angriffsspiel doch ziemlich regelmäßig etablieren konnten, auch wenn es nicht zu vielen zwingenden Torraumszenen führte.
„Ein klassischer Arbeitssieg”, meinte der Ansbacher Kapitän Tobias Dietrich, für den die Freude über die drei Punkte die Mängel nicht komplett überdeckte. „Wir haben schon den Anspruch, die zweite Halbzeit besser zu spielen”.
Der Mann, der das Zittern etwas früher hätte beenden können und der als wohl einziger Ansbacher diese zweite Hälfte gerne etwas länger im Gedächtnis behalten möchte, war Salih Sen. Bei seinem insgesamt zweiten und ersten etwas längeren Einsatz hatte der Winter-Neuzugang nach einem Konter und Zuspiel von Patrick Kroiß freie Bahn vor dem Tor, wurde aber wegen Abseits zurückgepfiffen.
„Ich hätte schon gerne das 2:0 gemacht. Es war ein schwieriges Spiel, wir haben in der zweiten Hälfte viele Bälle in die Mitte und viele Flanken zugelassen”, so Sen, der mit der Aufgabe, das Ansbacher Spiel zu stabilisieren und viele Zweikämpfe zu führen und vor allem zu gewinnen, eingewechselt worden war. „Ich bin noch dabei, mich nach einem Kreuzbandriss zurückzukämpfen”, so Sen. Damit ist er ein Stückchen weitergekommen.
„Wir haben uns nach einem Sieg schon lange nicht mehr so wenig freuen können”, meinte Reutelhuber, für den „nach einer guten ersten Halbzeit, in der wir viel Dominanz hatten” der Gesamteindruck nicht zu den eigenen Ansprüchen passte.
Selbst Torschütze Schmidt freute sich in Minute 38 ungewöhnlich verhalten, als hätte er eine Vorahnung gehabt, was den Ansbachern noch bevorsteht.