Die Auswirkungen der seit Wochen laufenden Tarifverhandlungen im bayerischen Groß- und Außenhandel sind inzwischen für Kundinnen und Kunden deutlich spürbar. Besonders stark betroffen sind auch in der Region die Edeka-Märkte.
Leere Eistruhen bei hochsommerlichen Temperaturen, deutliche Lücken in den Regalen bei Chips, Gummibärchen und Olivenöl: Der Gang in den Supermarkt dürfte bei einigen Kunden dieser Tage böse Erinnerung an die Hochphase der Corona-Zeit wecken. Doch diesmal sorgt nicht eine Pandemie für Versorgungslücken, sondern eine heftige Tarifauseinandersetzung.
Dass vor allem die fränkischen Edeka-Märkte betroffen sind, liegt daran, dass alle fünf Lager- und Logistikzentren, die für die Region wichtig sind, bis zum vergangenen Sonntag wochenlang bestreikt wurden. In Berbersdorf (Sachsen), im oberfränkischen Marktredwitz, in Gochsheim (Landkreis Schweinfurt), in Schwabach und auch in Sachsen bei Ansbach ging nichts mehr. Das Unternehmen spricht von rund 150 Streiktagen über mehrere Wochen am Stück und bezeichnet das Vorgehen der Gewerkschaft Verdi als „aggressiv und nicht nachvollziehbar“.
Edeka ging „aufgrund der Unverhältnismäßigkeit“ juristisch gegen die Streiks vor, erklärte Stefanie Schmitt, die Sprecherin von Edeka Nordbayern-Sachsen-Thüringen. Seit Sonntag waren die Ausstände in Sachsen bei Ansbach und Schwabach durch eine einstweilige Verfügung des Nürnberger Arbeitsgerichts untersagt. Allerdings kassierte das Landesarbeitsgericht diese Entscheidung am Donnerstag wieder, so dass dort ab sofort die Arbeit erneut niedergelegt werden darf.
Edeka stört sich vor allem daran, dass es in deutlich größerem Umfang bestreikt wird als alle anderen an den Verhandlungen beteiligten Einzelhandels-Unternehmen. So wurden die Lücken in den Edeka-Regalen zuletzt immer größer, während die Auswirkungen in anderen Läden überschaubar blieben. Schmitt vermutet, dass das daran liegt, dass bei Edeka mehr Personal gewerkschaftlich organisiert ist als anderswo.
Immerhin habe man es trotz der schwierigen Situation geschafft, jeden Tag frisches Obst und Gemüse zu liefern. Engpässe gab es dagegen laut der Sprecherin vor allem bei Einweggetränken, großen Verpackungen und Tiefkühlware.
Da am Dienstag die nächste Verhandlungsrunde stattfand, wurde Anfang dieser Woche nicht gestreikt. Diese vorübergehende Pause helfe dem Unternehmen: „Die Regale sahen nicht mehr gut aus“, räumte Schmitt ein. Inzwischen verbessere sich die Lage aber täglich. Da jedoch auch diese Runde ergebnislos endete, rechnet sie damit, dass es sich nur um eine kurze Verschnaufpause handelt. Die soll dazu genutzt werden, die Märkte wieder so gut wie möglich zu befüllen. Wie lange das dauert, hänge im Einzelfall von der Größe des Ladens ab. „Wo normalerweise täglich ein Lkw Ware bringt, müssen jetzt drei Lkw liefern, damit wir aufholen“, erklärte Schmitt.
Die nächste Verhandlungsrunde findet erst am 28. August statt. Damit dürfte es auch in den Sommerferien zu Engpässen bei Edeka kommen. Verdi zumindest kündigte bereits weitere Ausstände an: „Die Beschäftigten werden sich gegen dieses existenzbedrohende Verhalten der Arbeitgeber mit weiteren Streiks wehren“, machte Verhandlungsführer Thomas Gürlebeck in einer Pressemitteilung deutlich.
Die Gewerkschaft bezeichnet das Verhalten der Arbeitgeber als skandalös. „Es ist ihnen schlicht egal, ob die Beschäftigten ihren Lebensunterhalt noch würdevoll bestreiten können“, lautet Gürlebecks Vorwurf.