Der Gemeinderat Langenfeld will die Bahnhofstraße zum Wohnweg mit entsprechenden Normen umgestalten lassen. Bis 2019 diente sie vor allem als Zufahrt zur Molkerei. Und, wie könnte es in Langenfeld anders sein: Dazu will man Mittel von der Städtebauförderung abgreifen. Diese würden unter anderem bei einer Entsiegelung fließen.
Genau dies hat die Gemeinde im unteren Bereich vor, wo die Bahnhofstraße auf die Staatsstraße trifft. Dort befinden sich drei große Bäume, die schon zur Fällung markiert worden waren, da ursprünglich der Trichter einer Verkehrsinsel im Bereich Bushaltestelle verbreitert werden sollte. Das allerdings ist nun hinfällig. „Jetzt machen wir genau das Gegenteil. Wir verengen die Straße. Die Bäume bleiben erhalten“, erklärte Bürgermeister Reinhard Streng der Ratsrunde den neuen Plan. Einen Begegnungsverkehr von Lastwagen wird es in der Bahnhofstraße nicht mehr geben, von Bulldogs hingegen schon. Das müsse man aushalten. Die Müllabfuhr als Dreiachsfahrzeug komme durch, hieß es.
Mit der Entsiegelung könnte man Fördergelder in Höhe von 390.000 Euro abgreifen, so Streng. Die Bahnhofstraße würde dann unter „innerörtliches Sanierungsgebiet“ fallen. Derzeit ist sie noch ein Schotterweg. Die Anwohner warten seit der Kanallegung im Sommer vergangenen Jahres auf den Oberbau. Der einseitige Gehsteig – von unten betrachtet links – wird eine Breite von 2,30 Metern erhalten. Die Fahrbahn selbst soll dann vier Meter breit werden.
Das jedoch sind Maße, denen Feuerwehrkommandant und Gemeinderat Steve Vollbrecht mit Blick auf die oft durch Parker zusätzlich verengte Straße kritisch gegenüberstand. „Da kommt die Feuerwehr nicht mehr durch.“ Insbesondere oben im Bereich Bergstraße „können wir den Brandschutz nicht mehr gewährleisten“, befürchtete er.
Eines ist sicher: Als Erschließungsstraße für das oberhalb geplante Baugebiet Am Laimersberg wird die Bahnhofstraße nicht mehr dienen, sondern die Alte Reichsstraße. Dass häufig Autos auf der Straße geparkt sind und in den Höfen gewendet werde, merkte Anna Ebener an. Otmar Pfeuffer und Gemeinderat Wolfgang Huprich sahen sich an dieser Stelle ausreichend informiert: „Jetzt lassen wir es erst einmal genau planen und sehen dann weiter“, so Pfeuffer. Einstimmig erteilte das Gremium dem Bürgermeister den Auftrag, den städtebaulichen Förderantrag so auf den Weg zu bringen.
Die Bahnhofstraße ist laut Bürgermeister eine der ältesten Straßen in Langenfeld. Deren Nutzung wurde oft geändert: Erst war sie die Zuwegung zum Bahnhaltepunkt, den es heute nicht mehr gibt. Dann diente sie als Zufahrt zur Molkerei, welche heute eine Gewerbebrache ist. Für den Fall, dass sie wieder mit Leben erfüllt wird, hatte der Gemeinderat bereits vorgesorgt und eine Zufahrt ab der Staatsstraße (Einfahrt rechts hinter der Eisenbahnbrücke) über einen Noch-Feldweg festgelegt, der dann für tonnenschwere Fahrzeuge umgebaut werden müsste.
Hier tut sich derzeit einiges, was für positive Stimmung im Sitzungssaal sorgte und was auch Teil der Haushaltsberatungen war: Im Dezember trat ein neuer Kaufinteressent an die Gemeinde heran; mittlerweile der dritte. Dieser hat dort die Verwertung von landwirtschaftlichen Reststoffen in Düngemittel (Humus-Zugabe) vor. Dazu bräuchte der potenzielle Investor genügend Raumhöhe für seine Maschinen und würde dafür alle Stockwerke entfernen lassen. Ob dies statisch möglich ist, lässt die Gemeinde für 2500 Euro prüfen – wovon die Städtebauförderung 60 Prozent trägt. Sollte die gewünschte Ringverankerung möglich sein, würde im Anschluss Kontakt mit der örtlichen Landwirtschaft aufgenommen werden.
Zusätzliche Einnahmen durch einen weiteren Gewerbezahler würde man gerne nehmen (Streng: „Wir haben die Hoffnung“), wie ein Blick auf den rund 3,4 Millionen Euro umfassenden Vermögenshaushalt zeigte, der ebenfalls in der Sitzung Thema war.
Demnach werde man nicht ohne Kredite auskommen. Hauptgründe dafür sind die ausstehenden RZwas-Fördergeldzahlungen von rund 750.000 Euro sowie für das Baugebiet Vorderer Weidengraben von zwei Millionen Euro. „Solange wir das vorfinanzieren müssen, ist es einfach angespannt“, betonte der Bürgermeister.
Viele Standardposten enthält der Haushalt überdies, aus denen der Betriebswirtschaftler Streng schon einmal 153.000 Euro „Luft“ herausgerechnet hatte. In der aktuellen Sitzung wurden sodann auch noch die Kaufverträge für zwei Bauplätze sowie ein Grundstückstauschvertrag genehmigt.