Das Abstimmungsergebnis war knapp: Mit zwölf zu elf Stimmen votierte der Rothenburger Stadtrat in seiner Sitzung für eine Verlängerung des Reiterlesmarktes vor Weihnachten – nicht schon heuer, sondern erstmals 2025. Diese Lösung ist ein Kompromiss.
Ein Kompromiss zwischen „alles bleibt so, wie es ist“ und einer Verlängerung um zwei Wochen. „Die Entscheidung fällt nicht leicht“, fasste Oberbürgermeister Dr. Markus Naser in Worte, was wohl viele im Stadtrat empfanden. Denn für beide Seiten gab es Argumente.
Ordnungsamtsleiter Roland Pfaffelhuber hatte dem Gremium zunächst erläutert, warum die Stadt eine Verlängerung zur Diskussion stellte: „Bei Weihnachtsmärkten gibt es mittlerweile einen harten Konkurrenzkampf“, sagte er. Kommerzielle Beschicker bevorzugten Märkte mit einer längeren Laufzeit.
Vor der Pandemie habe der Markt 66 Stände umfasst, 2024 werden es 58 sein. „Wir müssen schauen, dass wir den Markt attraktiv halten“, sagt Pfaffelhuber. Davon würden auch Gastronomie, Hotellerie und vor allem der Einzelhandel profitieren.
Ohne den Einzelhandel drohe ein Aussterben der Innenstädte, ergänzte Tourismusdirektor Dr. Jörg Christöphler. Die große Kaufkraft vor Weihnachten müsse man deshalb nutzen. Viele Weihnachtsmärkte würden mittlerweile früher beginnen. Schließe sich Rothenburg da nicht an, drohe die Stadt, aus den Angeboten von Reiseveranstaltern herauszufallen. „Die Reisewege gehen quer durch ganz Europa“, so Christöphler, „irgendwann tauchen wir da dann nicht mehr auf.“
Der Stadtmarketing-Verein und der Bayerische Hotel- und Gaststättenverein hatten sich im Vorfeld für eine Verlängerung um zwei Wochen ausgesprochen. Die Kirchen und Rothenburger Vereine hingegen lehnten die Verlängerung ab. Die ehrenamtlich betriebenen Buden seien eine wichtige Stütze für den besonderen Charme des Reiterlesmarktes und insbesondere für die Einheimischen eine beliebte Anlaufstelle, hieß es vonseiten der Vereine. Ob genügend ehrenamtliches Personal für die verlängerte Standbesetzung gefunden werden könne, sei fraglich.
Die zweiwöchige Verlängerung setzte sich in der Abstimmung letztendlich nicht durch. Auf eine Woche konnte sich das Gremium – wenn auch knapp – einigen. 2025 wird die Budenstadt also bereits am Freitag, 21. November, eröffnet, und damit deutlich vor dem ersten Adventssonntag am 30. November. Auch der Märchenwald im Märchenzauber beginnt eine Woche früher. Am Totensonntag, 23. November, bleibt der Markt geschlossen.
Im Stadtrat wurde intensiv und kontrovers diskutierte. Hat das Thema Weihnachtsmarkt das Potenzial, die Bürgerinnen und Bürger und sogar den Stadtrat zu spalten? Diese Befürchtung äußerte CSU-Fraktionsvorsitzender Dr. Wolfgang Scheurer in der Diskussion um dessen Verlängerung.
Eine Zeit lang sah es so aus, als könnte diese Befürchtung wahr werden. Selbst innerhalb einiger Fraktionen konnte man sich nicht auf ein gemeinsames Statement einigen. Dabei kristallisierten sich die zwei Positionen klar heraus: die Weiterführung der Tradition oder eine Verlängerung, am besten um zwei Wochen.
„Das spaltet in kommerzielle und ehrenamtliche Budenbetreiber“, warnte Scheurer. Außerdem in diejenigen, die hinter der Kirche und ihren Traditionen stehen, und diejenigen, die mit kommerziellen Aspekten argumentieren. Ohne die Beteiligung der Vereine und den christlichen Hintergrund würde der Reiterlesmarkt in die „Beliebigkeit“ fallen, so Scheurer. Außerdem gab er zu bedenken, dass die Belastung für die Altstadtbewohner während der Adventswochenenden ohnehin schon an der Grenze des Zumutbaren ist. „Wir wollen hier keinen Massentourismus“, stellte er fest und sprach sich gegen eine Verlängerung aus.
Unterstützung erhielt er von Dr. Dr. Günther Strobl als Fraktionschef der SPD. Er sprach sich dafür aus, das traditionelle Bild des Marktes zu wahren. „Wir müssen an die Bürgerinnen und Bürger der Stadt denken“, forderte er.
Dem schloss sich die Grünen-Fraktion an. Vorsitzende Beate Junkersfeld wies darauf hin, dass sich die Fraktion bereits bei früheren Diskussionen gegen eine Verlängerung ausgesprochen habe. „Daran hat sich nichts geändert.“ Innerhalb der UR gingen die Meinungen auseinander. „Der Weihnachtsmarkt lebt von den Ehrenamtlichen“, sagte Fraktionsvorsitzende Susanne Landgraf.
„Was, wenn im November wegen personeller Engpässe jede zweite Bude geschlossen hat?“ Viele Märkte würden sich mittlerweile „Wintermarkt“ nennen. „Aber wollen wir das auch? Dann würden wir mit der Tradition brechen.“
Ihr Fraktionskollege Ulrich Müller sah das anders. Wenn die Möglichkeit zum Umsatz da sei, müsse man die auch nutzen. Davon würde letztendlich auch die Stadtkasse profitieren. FRV-Fraktionsvorsitzende Jutta Striffler und ihre Kolleginnen und Kollegen haben mit Einzelhändlern in der Stadt gesprochen und „durchweg positive Signale“ für eine Verlängerung bekommen, berichtete sie.
Die Einnahmen durch zwei zusätzlichen Wochen sehen viele als Sicherheitsgarant, um die magere Zeit von Januar bis April finanziell gut zu überstehen. „Derzeit gibt es bei uns noch Händler in der Innenstadt, der Weihnachtsmarkt trägt einen großen Teil dazu bei.“ Sie erhoffe sich außerdem eine Entzerrung des Besucheraufkommens. Dieser Meinung schlossen sich Peter Schaumann und Silke Sagmeister-Eberlein (CSU) an.
Eines wurde trotz des emotionalen Themas deutlich: Die Rätinnen und Räte wollten keine Spaltung, sondern mühten sich um eine Lösung, mit der sich alle Beteiligten arrangieren können. Peter Wack brachte schließlich die Verlängerung um eine Woche wieder ins Spiel. Auch diese Möglichkeit hatte die Stadt zur Debatte gestellt. „Das könnten die Ehrenamtlichen eher stemmen“, vermutete er. In dieser Meinung wurde er letztendlich von der – wenn auch knappen – Mehrheit im Gremium unterstützt.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes wurde der Vorschlag zur einwöchigen Verlängerung fälschlicherweise Michael Benz (SPD) zugeschrieben. Dies wurde mittlerweile korrigiert.