Der Bau einer Ortsumfahrung für Merkendorf (Landkreis Ansbach) ist einen Schritt weiter. Das Amphibienschutzkonzept liegt nun vor. Bis zur Jahresmitte will das Staatliche Bauamt Ansbach alle Unterlagen beisammen haben, um das Genehmigungsverfahren wieder aufnehmen zu können.
Gut 9300 Fahrzeuge rollen im Schnitt jeden Tag auf der Bundesstraße 13 durch Merkendorf, gut 1000 sind schwere Lkw. 75 Prozent der Fahrzeuge sind Durchgangsverkehr. Um die Bürger hiervon zu entlasten, plant das Staatliche Bauamt Ansbach schon lange den Bau einer Umgehung. Vorgesehen ist eine Trasse, die südwestlich am Kernort von Merkendorf vorbeiführt. Sie soll am Energiepark beginnen und etwa auf halber Strecke zwischen dem südlichen Ortsschild von Merkendorf und der Heglauer Kreuzung auf die bestehende B13 treffen.
Die Strecke ist etwa 2,6 Kilometer lang. Die Kosten sind mit 13,7 Millionen Euro veranschlagt. Das Staatliche Bauamt hat die Kosten im vergangenen Jahr überprüft, nachdem im Bausektor vieles teurer wurde, wie die Behörde auf FLZ-Anfrage mitteilte. Es hat sich dabei keine gravierende Änderung ergeben. „Allerdings sind die Kosten für das Amphibienschutzkonzept noch nicht inkludiert“, teilte die Behörde mit.
Was hat es mit dem Amphibienschutzkonzept auf sich? Die Höhere Naturschutzbehörde hatte im Planfeststellungsverfahren angeführt, dass auf der geplanten Trasse der Ortsumfahrung eine erhebliche Zahl an Amphibien lebe, die „nicht ignoriert“ werden könne.
Das Bauamt hat daraufhin eine detaillierte Bestandsaufnahme in den Jahren 2021 und 2022 vorgenommen. Ein Fachplaner hat im Auftrag der Behörde ein Amphibienschutzkonzept ausgearbeitet, das nun fertig ist. Das Bauamt hat es nunmehr in die landschaftsplanerischen Unterlagen eingepflegt. Das Konzept muss aber noch vom Landesamt für Umwelt überprüft werden, ob alle Anforderungen erfüllt sind.
Das Problem ist, dass Amphibien die zukünftige Trasse der Ortsumgehung queren, wenn sie vom Ortsrand Merkendorfs zu den Laichgewässern im Süd-Westen unterwegs sind. „Während man bei anderen Maßnahmen hierbei Amphibienschutztunnel unter der Straße für ein sicheres Queren vorsieht, ist dies in Merkendorf nicht möglich, da die Ortsumgehung in dem relevanten Abschnitt in einer Tieflage (Einschnitt) verläuft“, erklärt das Bauamt gegenüber der FLZ. Die Tunnel würden voller Wasser laufen, die Tiere würden sie deshalb nicht annehmen.
Deshalb sieht das Schutzkonzept eine Umsiedelung der Tiere auf die andere Seite der Straße vor. Die Tiere werden eingesammelt und in einen neuen Lebensraum umgesiedelt. Barrieren sollen dann verhindern, dass sich Kröten, Frösche, Molche und Unken wieder auf den Weg zurück machen können. Parallel soll der Lebensraum der Amphibien aufgewertet werden, damit sich die Tiere im neuen Lebensraum wohl fühlen und möglichst gar nicht zurück wollen.
Die Änderungen an der ursprünglichen Planung können über eine Tektur in die bisherigen Unterlagen des Planfeststellungsverfahrens eingepflegt werden, teilte das Bauamt mit. Es ist also nicht erforderlich komplett bei Null zu beginnen. Die Behörde geht davon aus, bis Ende des zweiten Quartals alle Unterlagen bei der Regierung von Mittelfranken einreichen zu können.
Die Hinweise und Anmerkungen aus dem Einbeziehen der Öffentlichkeit werden im Anschluss bewertet und gegebenenfalls eingearbeitet. Ein Beschluss am Ende des Prozesses bedeutet dann für das Ansbacher Bauamt Baurecht.
Dann geht es in die Umsetzung. mit Ausführungsplanung, Grunderwerb und der Vorbereitung des Amphibienschutzkonzeptes. „Letztendlich benötigen wir dann eine Baufreigabe mit der Bereitstellung der finanziellen Mittel vom Bundesministerium“, schreibt das Bauamt. Wegen der Vielzahl an Faktoren sei es schwer möglich, den Baubeginn zu prognostizieren. Aber die Prozesse dauern sicher mehrere Monate. Vor 2027 wird wohl kein Bagger anrücken.
Immerhin: Das Projekt findet sich im Bundesverkehrswegeplan 2030 mit der städtebaulichen Beurteilung „hoch“. Dort finden sich alle Vorhaben, die der Bund bis zum Jahr 2030 zumindest begonnen haben will. Allerdings hängt die Umsetzung immer an etlichen Faktoren. Entscheidend ist am Ende vor allem die Finanzsituation im Bundesverkehrsministerium.
Der Bund Naturschutz (BN) in Bayern hält die Ortsumfahrung hingegen für verzichtbar. Vor zwei Jahren hat der BN eine Studie vorgestellt, die zum Ergebnis kam, dass die jetzige Situation „aus verkehrlicher Sicht kein Problem“ sei. Hingegen würden beim Bau einer Umfahrung wertvolle Flächen versiegelt.
Der Stadtrat von Merkendorf kommt zu einer anderen Bewertung. Roland Lenz (Bürgerforum) hat erst jüngst auf die Bedeutung der Ortsumgehung für die Stadt hingewiesen. „Das ist ein großstrukturelles Thema und wird unsere weitere Entwicklung prägen.“