Die Cannabis-Legalisierung wird wohl später kommen als geplant. Doch die „Aufbruchstimmung“ im Kleinen Hanfwurm bleibt. Im September vergangenen Jahres hat die Kneipe eröffnet. Am Wochenende soll hier eine Mitgliederversammlung stattfinden. Das Ziel: einen der ersten „Cannabis Social Clubs“ in der Region zu gründen.
Alexander Nees studiert mehrfach täglich die Website des Bundesgesundheitsministeriums und er lässt keine Bundestagsdebatte zum Thema Cannabis aus. „Das ist ein Kinderzirkus, was die sich da an die Köpfe werfen“, meint er.
Am 22. März will der Deutsche Bundesrat über das Cannabisgesetz beraten. Bislang war geplant, dass das Gesetz zum 1. April in Kraft treten soll. Mit dem Gesetz wird der private Eigenanbau durch Erwachsene zum Eigenkonsum sowie der gemeinschaftliche, nicht-gewerbliche Eigenanbau in Anbauvereinigungen, sogenannten „Cannabis Social Clubs“, legalisiert. Aktuell beraten der Rechts- und Innenausschuss des Bundesrats über eine Verschiebung.
Der Grund: Es wird damit gerechnet, dass mit dem Gesetz ein neuer und zusätzlicher behördlicher Kontrollaufwand, neue Streitfragen und viele Verfahren vor den Gerichten einhergehen. Zwischen einem Bundestagsbeschluss im März und dem Inkrafttreten im April hätten die Justizbehörden nur fünf Wochen Zeit, auf die Änderungen zu reagieren. Bundesländerübergreifend rechnet man daher mit einer Überlastung der Justiz.
Doch je länger die Entscheidung aufgeschoben wird, desto mehr wird im Anschluss für die Behörden zu tun sein, davon ist Nees überzeugt. Um die Politik zu beeinflussen, schreibt er E-Mails an den Bundestag. „Ich hoffe, dass die Sache in unserem Sinne aufgeht“, sagt der Kneipenwirt. Will heißen: Er und sein Geschäftspartner Julian Schreiber wünschen sich, dass es mit der Legalisierung rasch vorangeht.
Denn nicht ohne Grund beinhaltet der Name ihrer Gaststätte das Wort „Hanf“. „Mit dem Kleinen Hanfwurm wollten wir einen Ort für Künstler schaffen, aber auch einen, von dem aus wir auf die Legalisierung hinarbeiten“, erklärt Alexander Nees.
Tagsüber ist er als Mediengestalter tätig, die Abende gehören der Kneipe. Seit der Eröffnung finden regelmäßig Kunstausstellungen statt, ab und an treten Bands auf. „Die Kneipe trägt sich selbst“, sagt Neef ein halbes Jahr nach der Eröffnung. An mehreren Tischen im Raum stehen Schachbretter. Während und auch abseits Spiels sprechen Gäste und die Wirte über das Thema, das die meisten hier brennend interessiert: die Legalisierung von Cannabis. Aktuell wird im Kleinen Hanfwurm nur Cannabidiol (CBD), eine legale und nicht berauschende Substanz, die aus der Hanfpflanze gewonnen wird, verkauft. Doch falls ab 1. April oder etwas später auch der Anbau von Cannabis mit der Wirksubstanz Tetrahydrocannabinol (THC) teilweise erlaubt wird, möchte man im Hanfwurm gut aufgestellt sein.
Am 17. März findet in den Räumen in der Ansbacher Karolinenstraße die Gründungsversammlung für einen „Cannabis Social Club“ statt. Die Clubs funktionieren nach den Plänen der Ampel-Koalition folgendermaßen: Bis zu 500 Menschen können sich zusammenschließen und nach staatlicher Lizenzierung für den persönlichen Bedarf der Mitglieder jeweils 50 Gramm pro Kopf und Monat anbauen. Profit darf dabei nicht gemacht werden.
Die „Bubatzkarte”: Wo genau Kiffen in der Region verboten bleibt
Für das Treffen im Kleinen Hanfwurm haben sich über 50 Menschen angemeldet. Einen gewählten Vorstand und ein erstes Vereinsprotokoll wünscht sich Alexander Nees als Ergebnis. „Wir hoffen, dass wir bald die ersten Samen in den Boden stecken dürfen“, sagt er. Spätestens zum Herbst. Nees hat bereits zu einem weiteren „Cannabis Social Club“ in Ansbach Kontakt. Der hat die Gründung schon hinter sich. Für Nees ist es nur eine Frage der Zeit, bis weitere im Landkreis hinzukommen.
Was Polizei und Justiz in der Region zu den Legalisierungs-Plänen sagen, haben wir ebenfalls nachgefragt. Spoiler: Hier wird sich mit der Begeisterung eher zurückgehalten.