Eigentlich war die Planungsphase schon so gut wie abgeschlossen. Jetzt gibt es eine Änderung in Sachen Bürgerbus: Er soll barrierefrei werden. Nach regen Anmerkungen aus der Bevölkerung und Gesprächen mit Betroffenen haben die Mitglieder der Region der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) diesen Entschluss gefasst.
„Die Versorgungssituation für Menschen, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, wird immer schlechter“, sagt Hannes Bürckmann, Umsetzungsbegleiter der ILE, auf Nachfrage unserer Redaktion. Er begleitet das Projekt Bürgerbus seit Anfang an. „Immer eingeschränkter und teurer“ würden die Transportmöglichkeiten durch spezielle Fahrdienste werden. Dies sei den verantwortlichen Planern nach zahlreichen Gesprächen – vor allem mit Betroffenen – „deutlich klarer geworden“.
Ein Jahr lang haben die elf ILE-Kommunen und Bürckmann an dem Konzept für den Rothenburger Raum gefeilt. Zwei Fahrzeuge – ein Neunsitzer und ein etwas kleineres Auto – sollen angeschafft werden. „Damit man möglichst bequem ein- und aussteigen kann“, seien eine Schiebetür Voraussetzung und zusätzliche Griffe vorgesehen, wie es noch im Juni hieß. Barrierefreiheit war ursprünglich nicht geplant.
Und das nicht, weil das Thema in der Planungsphase der beiden Fahrzeuge außer Acht gelassen wurde. Bürckmann berichtete, er habe sich vorab mit Fahrdiensten, Sozialdiensten und einem Inklusionsbeauftragten diesbezüglich ausgetauscht. Allerdings sei von anderen Bürgerbusbetreibern – wie zum Beispiel Dinkelsbühl, dessen Fahrzeug über einen Lift verfügt – die Rückmeldung gekommen, dass der Bedarf dort nur sehr gering sei. Diese Einschätzung habe die ILE bei ihren Planungen berücksichtigt. Mittlerweile ist man allerdings in Rothenburg zu dem Schluss gekommen, dass durchaus Interesse und Bedarf bestehen und der Bedarf auch bislang nicht anderweitig gedeckt ist. Technisch machbar ist es auch. Nun sei geplant, eines der beiden Fahrzeuge umzurüsten und barrierefrei zu machen, sagte Bürckmann.
Vermutlich werde es auf einen Lift statt einer Rampe für den Neunsitzer hinaus laufen, da dieser die Handhabung mit dem Rollstuhl einfacher gestalte. Die zusätzlichen Kosten für das Umrüsten werden laut ersten Nachforschungen der ILE in etwa 20.000 Euro betragen.
Bereits vor einigen Monaten hat der Inklusionsbeirat Barrierefreiheit für den Bürgerbus gefordert. Die Einführung eines Bürgerbusses sei ein „erfreulicher und notwendiger Zugewinn an Lebensqualität“, so der Beirat. Dies „darf aber nicht dazu führen, dass Menschen mit Behinderung wieder außen vor bleiben“. Schließlich sei Inklusion „kein Wunsch und auch kein Zugeständnis an Menschen mit Behinderung“, sondern ein Menschenrecht. Nun wird diese Forderung erfüllt.
Um den ehrenamtlichen Fahrerinnen und Fahrern die Sorge zu nehmen, etwas falsch zu machen, wird es in naher Zukunft Informationsveranstaltungen geben, so der Umsetzungsbegleiter. Diese würden eventuell in Zusammenarbeit mit dem Inklusionsbeirat stattfinden. Dort sollen die Ehrenamtlichen lernen, wie sie den Lift richtig betätigen und den Rollstuhl sichern. Zum einen hat das haftungsrechtliche Gründe, zum anderen soll die Übung zeigen, „dass es problemlos machbar ist“, so Bürckmann.
Diesbezüglich seien bereits Personen, die im Rollstuhl sitzen, auf ihn zugekommen und hätten sich für die Übungen und Gespräche mit den künftigen Ehrenamtlichen freiwillig gemeldet
Bürger und Bürgerinnen fahren für Bürgerinnen und Bürger. So ist das Konzept des Bürgerbusses. Damit es aufgehen kann, sucht die ILE Region Rothenburg Freiwillige, die das Projekt im Ehrenamt unterstützen. Vor allem Fahrerinnen und Fahrer sind gefragt. Es gebe aber noch weitere Aufgaben, heißt es in einem Schreiben der ILE Region Rothenburg. Disponentinnen und Disponenten für die Telefonzentrale zum Beispiel – eine Aufgabe, die im Homeoffice ausgeübt werden könne. Außerdem werden Menschen für das Serviceteam zur Wartung der Fahrzeuge und einen oder mehrere Verantwortliche für die Koordination gebraucht. Alle Beteiligten, so heißt es weiter, erhalten ausführliche Schulungen und Unterstützung. Die Arbeitseinsätze können zeitlich frei eingeteilt werden. Wer Interesse hat, kann sich bei Hannes Bürckmann unter 07936/990520 oder per E-Mail an buerckmann@neulandplus.de melden. Ab 2025 soll der Bürgerbus innerhalb des Gebietes der elf Kommunen der ILE-Region Rothenburg ob der Tauber fahren – jeweils montags bis freitags von 8 bis 17 Uhr.