Demo für die Demokratie in Bad Windsheim: Bürgermeister als Redner | FLZ.de

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Veröffentlicht am 02.02.2024 14:57, aktualisiert am 04.02.2024 12:00

Demo für die Demokratie in Bad Windsheim: Bürgermeister als Redner

Der am Freitag menschenleere Marktplatz soll sich am Sonntag bei einer Kundgebung gegen Rechtsextremismus mit vielen Teilnehmern füllen. (Foto: Simone Schuller)
Der am Freitag menschenleere Marktplatz soll sich am Sonntag bei einer Kundgebung gegen Rechtsextremismus mit vielen Teilnehmern füllen. (Foto: Simone Schuller)
Der am Freitag menschenleere Marktplatz soll sich am Sonntag bei einer Kundgebung gegen Rechtsextremismus mit vielen Teilnehmern füllen. (Foto: Simone Schuller)

„Stop Brauner.“ Das ist einer der Slogans für die Kundgebung gegen rechtsextreme Umtriebe, die am morgigen Sonntag, ab 12.30 Uhr, am Bad Windsheimer Marktplatz stattfinden soll. Ausgedacht hat ihn sich eine Gruppe Bad Windsheimer, zu der Armin Höhn gehört.

Bei einem Kneipenbesuch in Bad Windsheim musste ein Mitglied der Gruppe kürzlich schlucken. Als es den Raum betrat, saßen bereits ein paar Männer am Tisch, sie trugen blaue T-Shirts, auf denen das AfD-Logo prangte. Der Wirt argumentierte auf Nachfrage: „Was willst denn? Die trinken doch nur a boar Bierle.“ Dass sich in Bad Windsheim ein Ortsverband der AfD gegründet hat, das sei Höhn schon zu Ohren gekommen. Wenn man direkt konfrontiert werde, auch mit Gesichtern, die man kenne, dann sei es doch noch etwas anderes.

Mit Anhängern der Partei zu diskutieren, bezeichnet Höhn als schwierig. Für Argumente seien sie nicht offen, hätten immer ein „Aber“ auf den Lippen. Mit Bekannten habe er sich zusammengetan. „Wir müssen etwas tun. Braunes Gedankengut hat in unserer Stadt nichts verloren.“ Sie holten das Bündnis gegen Rechts im Landkreis ins Boot und beschlossen, aufzustehen und zu versuchen, die Menschen wachzurütteln.

Kundgebung in Bad Windsheim als Schulterschluss

Die Kundgebung sei erstmal ein Schulterschluss. Wenn die Menschen sehen, dass doch viele ihrer Meinung sind und dort vielleicht auch ihr Nachbar am Sonntag mit auf dem Marktplatz steht, dann sehen sie, dass sie nicht alleine sind. „Vielleicht fühlen sie sich dann auch wohler.“ Denn die Konfrontation ist da, das bekommt er selbst zu spüren. „Innerhalb von acht Tagen bin ich zum linksradikalen Terroristen abgestempelt worden.“

Bei Begegnungen in der Stadt und in den sozialen Medien wird die Veranstaltung in die linke Ecke gerückt. „Mit unserer klaren aber kleinen Aktion haben wir offensichtlich in ein Wespennest gestochen. Scheinbar sind einige Wölfe aus ihrem Schafspelz gekrochen“, sagt Höhn.

Was bedeutet eigentlich „gegen rechts“? Beinhaltet „rechts“ denn auch die konservativen Parteien? So lauteten feindselige Fragen, die der Gruppe zugetragen wurden. „Nein, sicher nicht, denn selbst alle Vertreter der konservativen Parteien stehen ja mit auf dem Flyer. Alle Parteien im Stadtrat sind dabei.“ Das allein spreche für sich. Die Kirchen sind dabei und Vereine. „Wenn wir mehr Zeit hätten, würden es noch mehr“, ist Höhn sicher. Das Logo der Stadt allerdings steht nicht mehr drauf. Die machte offiziell einen Rückzieher.

Kein Logo der Stadt auf dem Flyer

Bürgermeister Jürgen Heckel, der sich selbst als „den wohl demokratischsten Demokraten“ bezeichnet, hat das Logo vom Flyer entfernen und sich „nur“ als Bürgermeister an dieser Stelle platzieren lassen. Warum? Er sei von Mitarbeitern der Stadt unter Druck gesetzt worden, hieß es. Das dementiert Heckel jedoch energisch. Er sei vielmehr von drei Anrufern darauf hingewiesen worden, dass in einer lokalen Gruppe auf Facebook kritisiert worden sei, dass er selbst nicht für die ganze Stadt sprechen dürfe. Das habe er sich zu Herzen genommen. „Ich bin nicht die Stadt. Die Stadt ist ein bunter Blumenstrauß aus vielen Persönlichkeiten, die sich vielleicht übergangen fühlen.“ Es heiße nicht automatisch, dass die, die sich beschwert hätten, keine Demokraten seien. „Sie wollen vielleicht nur nicht, dass man für sie spricht.“

Wer nun auf dem Flyer stehe, sei schlussendlich egal, an Heckels Einstellung ändere dies nichts. Er sei dafür, deutlich Flagge gegen Rechts zu zeigen und dazu werde er in seiner Rede am Sonntag auch aufrufen.

„Wir wollen Gesicht zeigen und der Antrieb sein für unsere parlamentarische Demokratie“, sagt im Vorfeld auch Dekan Jörg Dittmar, der ebenfalls sprechen wird. Er werde die Gelegenheit nutzen, um auf die „politische Kultur“ hinzuweisen. Der Dekan fordert einen fairen Umgang mit und zwischen Politikern. Alle seine Gremien stünden hinter ihm und die Kirche setze sich gerne ein, „wenn man den Eindruck hat, dass unsere Demokratie gefährdet ist.“

Unter 500 Teilnehmern „wäre eine Enttäuschung”

Ab 12.30 Uhr wird Armin Höhn am Sonntag „hoffentlich sehr viele Teilnehmer“ begrüßen. „Alles unter 500 wäre eine Enttäuschung.“

Neben Heckel und Dittmar spricht auch der Bad Windsheimer Historiker Uli Herz. Zwischen den Wortbeiträgen spielt der Posaunenchor und Dieter Vatter trägt ein Stück vor. Die Teilnehmer halten wie schon vergangenen Woche in Uffenheim bunte Zettel in die Höhe, Aufschrift: „Nie wieder ist jetzt.“


Katrin Merklein
Katrin Merklein
Redakteurin
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