Dax steigt auf Rekordhoch - Dann folgt Ernüchterung | FLZ.de

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Veröffentlicht am 05.11.2026 09:59, aktualisiert am 05.11.2026 18:30

Dax steigt auf Rekordhoch - Dann folgt Ernüchterung

Noch nie in seiner 38-jährigen Geschichte stand der Dax so hoch.  (Foto: Arne Dedert/dpa)
Noch nie in seiner 38-jährigen Geschichte stand der Dax so hoch. (Foto: Arne Dedert/dpa)
Noch nie in seiner 38-jährigen Geschichte stand der Dax so hoch. (Foto: Arne Dedert/dpa)

Der Dax erreicht ein Rekordhoch - danach aber geht ihm die Puste aus. Zunächst kletterte der deutsche Leitindex heute auf 26.671,19 Punkte und damit über den im August erreichten Höchststand von 26.618,74 Punkten. Für viel Schwung hatten die US-Zwischenwahlen gesorgt. Nach dem Rekordhoch sind die Anleger unter dem Eindruck der US-Börsen aber wieder skeptischer geworden - der Dax ging dann mit einem Minus aus dem Handel. 

Der überraschend deutliche Sieg der Demokraten nährte die Hoffnung, dass die USA außenpolitisch einen milderen Kurs einschlagen könnten. Der klare Sieg im Repräsentantenhaus und im Senat hatte zunächst auch den US-Leitindex Dow Jones Industrial am Mittwoch nach oben katapultiert. Auch sinkende Ölpreise stützten neben positiven Firmendaten den Dax. 

Aufkommende Turbulenzen an den US-Börsen

Der deutsche Leitindex schraubte seine Bestmarke im Tagesverlauf zunächst sogar bis auf knapp 26.693 Punkte. Doch wegen aufkommender Turbulenzen an den US-Börsen gingen Anleger dann lieber in die Defensive.

Gebremst von weiter abrutschenden KI-Werten und den Rheinmetall-Aktien schloss der Dax 0,43 Prozent tiefer bei 26.325,01 Zählern, der MDax verlor 0,92 Prozent auf 30.891,56 Zähler. 

Nachdem die Zwischenwahlen dem US-Präsidenten Donald Trump eine herbe Schlappe eingebracht hatten, beschleunigte sich die Verkaufswelle bei KI-Werten in New York stark. Anders als am Vortag erfasste sie nun die ganze Nasdaq-Börse und auch den US-Leitindex Dow Jones Industrial. 

„Auf die Wahleuphorie folgt die Ernüchterung“, sagte Salah-Eddine Bouhmidi vom Broker IG. Im Mittelpunkt stünden Sorgen um die Zukunft des KI-Booms, da Anleger befürchteten, dass nach dem Wahlsieg der Demokraten strengere Auflagen den Ausbau von Rechenzentren bremsen und Projekte verzögern.

Mehr Berechenbarkeit in der US-Politik

Zur anfänglichen Euphorie sagte Analyst Jochen Stanzl von der Consorsbank, für die Märkte sei das Wahlergebnis gleich mehrfach positiv. „Das Ergebnis stand schnell fest, es ist eindeutig, Trump akzeptiert es, und geteilte politische Macht bringt weniger Risiko für politische Überraschungen. Die Börse liebt Berechenbarkeit und steigt.“

Ökonomen hatten jedoch schon darauf hingewiesen, dass die erste Börsenreaktion nicht überinterpretiert werden sollte. In den vergangenen Jahrzehnten habe es in den Wochen nach den Midterms immer ein kräftiges Plus gegeben. 

Beginn einer Jahresendrally?

Der Startschuss für eine mögliche Jahresendrally könnte nun gefallen sein, meinte zunächst Timo Emden, Marktanalyst beim Broker CapTrader. Geo- und geldpolitische Unsicherheiten blendeten Marktteilnehmer für den Moment aus. „Investoren sollten sich weiterhin vor Augen halten, dass mit den schwelenden Nahostrisiken, Inflations- und Zinssorgen sowie KI-Fragezeichen erhebliche Unsicherheitsfaktoren unter der Oberfläche glimmen.“

Ökonomen hatten schon direkt nach der Wahl betont, dass Trumps Zollpolitik die deutsche Wirtschaft weiterhin bremsen werde. Denn diese verhänge er meistens per Dekret am Kongress vorbei. 

Trump weiter mächtig

Auch nach der Wahlniederlage ist Trumps Macht groß. So kann er sein Veto gegen Gesetze einlegen. Selbst mit der Mehrheit der Demokraten in Senat und Repräsentantenhaus müsste ein Veto Trumps von zwei Dritteln der stimmberechtigten Volksvertreter in beiden Kammern überstimmt werden - das ist schwer zu erreichen.

Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin, geht jedoch davon aus, dass es Trump schwerer fallen dürfte, seinen Handelskonflikt mit Europa immer neu anzufachen. Über sein Budgetrecht könne der Kongress auch den Krieg mit dem Iran stärker begrenzen. „Das könnte die Energiepreise senken, wovon auch Europa profitieren würde.“

Viele Unternehmen legen Zahlen vor

Die Kurszuwächse der Börsen stehen zwar in starkem Gegensatz zu vielen schlechten Nachrichten aus der deutschen Wirtschaft. Insbesondere in der Industrie streichen Unternehmen Tausende Arbeitsplätze, weil Handelskonflikte und erstarkte Konkurrenz Märkte wegbrechen lassen. Die Blicke der Investoren richten sich oft aber nicht auf die aktuelle Lage, sondern auf künftige Gewinne der 40 Dax-Konzerne.

Für Anleger von Rheinmetall wurde es indes ein schwarzer Tag, nachdem der Rüstungskonzern am Vorabend nach Börsenschluss erneut die Prognose gesenkt hatte. Die Aktien brach zwischenzeitlich ein.

© dpa-infocom, dpa:261105-930-948497/6


Von dpa
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