Manchmal verändern sich Dinge im Leben. Katrin Schülein hat privat ein neues Kapitel aufgeschlagen und im Zuge dessen ihren Gnadenhof in Schmalenbach geschlossen. Die Freizeitoase im Lehrberger Ortsteil, die bei Kindern, gemeinnützigen Organisationen und sozialen Einrichtungen beliebt war, ist damit Geschichte.
Im September 2022 hatte Schülein das Gelände mit Freiflächen, Scheunen und Vereinsheim übernommen und dort eine Art Alterssitz für kranke, notleidende und anderswo nicht mehr gewollte Tiere eingerichtet. Alle Arten Federvieh, aber auch Hängebauchschweine, die beiden betagten, aber stimmgewaltigen Esel sowie das Lama Joker und Pony Pumuckl konnten in ihren Gehegen betrachtet, gestreichelt und gefüttert werden. Schülein nahm viele Tiere auf, deren Leben ansonsten beim Schlachter geendet hätte.
Doch es gab immer wieder Probleme mit den Behörden, vor allem mit dem Veterinäramt lag Schülein im ständigen Clinch. Man traf sich schließlich auch vor Gericht, weil die Differenzen unüberbrückbar schienen, nachdem die Behörde den Betrieb des Gnadenhofes zwischenzeitlich untersagt und die Öffnung verboten hatte.
Waren zu Anfang hygienische Vorhaltungen der Behörde der Hauptgrund für den Ärger, standen zuletzt bürokratische Fragen im Vordergrund: Das Landratsamt stufte den Gnadenhof als gewerblichen Streichelzoo ein und forderte von der Betreiberin einen entsprechenden Sachkundenachweis nach Paragraf 11 Tierschutzgesetz ein.
Schülein, die von frühester Kindheit an mit Tieren aufwuchs, hatte die Freizeitoase allerdings eröffnet, ohne einen solchen Nachweis vorgelegt zu haben. Die entsprechenden Schulungen holte sie nach und durfte nach sechsmonatigem Hin und Her um verschiedene Ansichten, was ein Gnadenhof und was ein Streichelzoo ist, ab Februar dieses Jahres wieder Gäste auf der Anlage begrüßen. „Ein Streichelzoo wäre für mich moralisch nicht vertretbar. Ich will nur Tiere retten, ihnen ein gutes Zuhause bieten und damit Kinder glücklich machen“, erklärt Schülein damals ihre Intention.
Daran hat sich bis heute nichts geändert. Genau das will die Tierfreundin nun auch nach dem Umzug in ihr neues Domizil fortsetzen. Vergangene Woche wurde Schüleins tierische Familie mit rund 60 Schweinen, Lamas, Eseln, Ponys, Pferden, Schafen, Ziegen und Hühner in Hänger verladen und ein paar Kilometer weiter in die neue Heimat transportiert.
Wo das genau ist, mag Schülein noch nicht verraten. Aus ganz persönlichen Gründen. „Erst einmal möchte ich zur Ruhe kommen und wieder atmen können“, erklärt sie auf Anfrage der FLZ.
Die zurückliegenden Monate seien aus ihrer Sicht sehr anstrengend gewesen. Morgens um halb fünf hätten die Tage mit dem Melken von Kühen bei einem befreundeten Landwirt begonnen – im Gegenzug erhielt sie kostenlos Heu für ihre Tiere. Die Grenze der Belastbarkeit war offenbar erreicht, „mir ging es gesundheitlich nicht gut“.
Was aber für die Tierfreundin schon jetzt klar ist: Auch nach dem Umzug auf ein landwirtschaftliches Anwesen „in der Region“ will sie dort wieder eine Art Gnadenhof betreiben. Auch der Unterstützerverein, der 2023 im Rahmen der Differenzen mit dem Veterinäramt ins Leben gerufen worden war, existiert weiterhin. Für das Futter und die anfallenden Tierarztrechnungen ist Schülein nach wie vor auf Spenden angewiesen.
„Wir sind alle gut angekommen, die Tiere fühlen sich wohl und leben sich gerade ein“, kann sie inzwischen aufatmen. Der „Neuanfang“, wie sie die Situation selbst beschreibt, soll gerade für ihre tierischen Lieblinge viele Vorteile haben. Sie sieht in dem Umzug „einen großen Mehrwert“ für ihre Schützlinge. Alle Tiere hätten dort „feste, wintergeeignete Stallungen, die Alpakas haben 10.000 Quadratmeter Wiese zum Toben und Essen“, berichtet sie von deutlichen Verbesserungen gegenüber dem Standort in Schmalenbach. „Ein bisschen Zeit“ brauche sie nun – dann könnten sie Tierfreunde wieder besuchen und glückliche Tiere in ihrem Lebensabend beobachten.